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Referat 53.1 (Gewässer 1.Ordnung Donau-Iller) des Regierungspräsidium Tübingen
Umgestalteter Illerabschnitt km 14,6 bis 13,6

Illerentwicklung

zwischen Kilometer 17+000 und Mündung in die Donau

Stand: Oktober 2016

Sanierung und Entwicklung der Iller – oder die Korrektur der Korrektion

Der Zustand der Iller wurde entscheidend durch die zwischen 1859 und 1893 durchgeführte Korrektion geprägt. In diesem Zeitraum wurde der vormals 600 bis 1.000 m breite alpine Fluss begradigt und in ein 52 m schmales dauerhaftes Bett gezwungen. Im Vordergrund standen damals eine Verbesserung des Hochwasserschutzes, sicherer Grundstücksgrenzen, der Schutz von Brücken und Straßen und verbesserte Bedingungen für die Flößerei.

Durch die Profileinengung, Laufverkürzung (16 Prozent) und Erhöhung des Flussgefälles von rd. 1,8 auf 2,2 kam es zu starken Sohleintiefungen. Diese schritten stärker voran als erwartet und führten zur Absenkung sowohl des Iller-Wasserspiegels als auch des korrespondierenden Grundwasserspiegels. Dadurch wurden Brücken gefährdet, Brunnen fielen trocken, die Aue verlor den für sie lebenswichtigen Anschluss an das Grundwasser.

Um die Sohlerosion zu stoppen, begann man ab 1900 im Oberlauf, zahlreiche Querbauwerke (Stützschwellen) zu errichteten. Damit wurde oberhalb dieser Schwellen und Rampen der Grundwasserstand wieder angehoben, die Sohlerosion zum Stillstand gebracht, unterhalb schritt die Sohlerosion, insbesondere wegen des eingeschränkten Geschiebetriebes, verstärkt voran. Um eine weitere Eintiefung der Iller zu verhindern, wurden sukzessive weitere Querbauwerke flussabwärts gebaut. Dabei wurden ab den neunziger Jahren im Bereich der Unteren Iller auch neue Bauweisen angewandt. Neben festen Betonschwellen wie bei Dietenheim (km 23+480, km 20+600) wurden zwischen km 25+000 und 17+000 bis 2004 insgesamt 8 Raue Rampen erstellt. Noch während des Baus der Rampen erstellten die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg im Jahre 1999 ein gemeinsames Konzept zur wasserwirtschaftlich-ökologischen Entwicklung der Iller zwischen km 17+000 und der Mündung der Iller in die Donau.

Ziele der wasserwirtschaftlich-ökologischen Entwicklung der Iller

Die beiden Länder Bayern und Baden-Württemberg verfolgen zur Entwicklung der Unteren Iller zwischen km 17+000 und Mündung in die Donau bei Ulm folgende Zielsetzungen:

  • Die Iller wurde wieder naturnah und zum Bestandteil des Fluss-Aue-Systems gemacht.
  • Die bisherige Grundwasserförderung sicherstellen und lokal verbessern.
  • Die Auewälder wieder revitalisieren.
  • Den Hochwasserschutz verbessern, auf keinen Fall aber verschlechtern.
  • Die Retention erhalten und, wo möglich, vergrößern.
  • Bislang trockene Keller trocken halten.

Stand der Bauarbeiten und Ausblick:

In den Jahren 2004 bis 2006 wurde im Abschnitt von km 17+000 bis 15+675 die ersten Baumaßnahmen zur Erreichung der o. g. Ziele umgesetzt. Neben dem Bau zweier Rauen Rampen bei km 16+400 und 15+800 zur Stützung des Illerwasserspiegels wurden auch sogenannte Eigenentwicklungsbereiche geschaffen. Durch die Entfernung der Uferbefestigung hat die Iller die Möglichkeit zur Eigenentwicklung vielgestalteter Uferstrukturen und Generierung von Geschiebe.
Insgesamt zahlten die beiden Länder hierfür 6,6 Mio. Euro.

Im nächsten Illerabschnitt bis km 14+600 kam in den Jahren 2007 und 2008 erstmals ein neues Verfahren zur Stabilisierung der Illersohle zur Anwendung. Anstatt das Wasser durch Stützbauwerke anzustauen wurde das Gewässerbett verbreitert, die Flusssohle erhöht und mit Steinen definierter Größe in einem vorgegebenen Raster belegt, das sogenannte Offene Deckwerk. Dieses schützt die Illersohle vor erneuter Erosion und Eintiefung ohne dem Fluss den Fließcharakter zu nehmen. Dazu wurden auch Maßnahmen zur ökologischen Förderung des Fluss-Aue-Systems umgesetzt. Zur Wiedervernässung des Auewaldes wurde ein Auebach, sowie eine temporäre Ausleitung angelegt. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 3,0 Mio. Euro.

Der letzte bisher baulich umgestaltete Abschnitt wurde im Mai 2014 durch die Minister der Länder Bayern und Baden-Württemberg, Dr. Marcel Huber und Franz Untersteller, seiner Bestimmung übergeben.
Nach den guten Erfahrungen mit der Wirkung des Offenen Deckwerks im vorher-gehenden Abschnitt wurde zwischen km 14+600 und 13+600 ebenfalls dieses Verfahren angewandt. Die Aufweitung des Gewässerbetts zu Gunsten vielgestaltiger Strukturen wurde noch großzügiger umgesetzt. Zur Verbesserung der Auendynamik wurden auf beiden Seiten sogenannte „Dynamisierungsbereiche“ angelegt. Diese abgesenkten ehemaligen Waldflächen werden sich aufgrund ihres verbesserten Grundwasseranschlusses zur flussökologisch wertvollen Weichholzaue entwickeln. Gleichzeitig leiten die Dynamisierungsbereiche bei Hochwasser das Illerwasser in vorhandene Rinnensysteme der Flussaue zu. Einschließlich der Kofinanzierung durch die Europäische Union wurden für diesen Abschnitt rund 3,5 Mio. Euro ausgegeben.

Derzeit befindet sich der nächste, über 4 km lange Abschnitt bis km 9+242 (Ayer Wehr) in Planung.

Weitere Infos im Internet unter:

www.illerentwicklung.de

Hintergrund 

Ansprechpartner im Regierungspräsidium Tübingen

Referat 53.1

WEITERE INFORMATIONEN

Die Umgestellte Iller, copyright: Björnsen Beratende Ingenieure GmbH

Das Projekt Illerentwicklung
- Eine Gemeinschaftsaufgabe des Landes Baden-Württemberg und des Freistaats Bayern

www.illerentwicklung.de