Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln
Sie sind hier: RP Internet »Tübingen »Abteilung 5 »Referat 56 »Natura 2000 »Albvorland bei Mössingen und Reutlingen
Natura 2000 Managementpläne im Regierungsbezirk Karlsruhe
Blick übers Albvorland bei Metzingen zur Achalm (Foto: C. Pedant, Fotolia.com)

Albvorland bei Mössingen und Reutlingen (FFH 7520-311)

Das FFH-Gebiet »Albvorland bei Mössingen und Reutlingen« erstreckt sich mit 18 Teilflächen von Hechingen über Mössingen, Reutlingen bis nach Metzingen auf über 3000 ha.

Landschaft mit Zeugenbergen

Den Untergrund der sanft modellierten, dicht besiedelten Landschaft des Albvorlands bilden die Gesteinsschichten des Schwarzen und Braunen Juras. Sie ziehen sich als zwei schmale Bänder am nördlichen Fuß der Schwäbischen Alb entlang: unmittelbar am Albtrauf das Band des Braunen Jura, der seinen Namen von bräunlichen, meist eisenhaltigen Sandsteinen hat, im Unterschied zum nördlich angrenzenden Band des Schwarzen Jura mit seinen dunkelgrauen Gesteinen. Der Braune Jura hat zusätzlich mächtige tonige Gesteinsschichten, wie den Opalinuston. Dieser ist in weiten Teilen des FFH-Gebiets der Grund für die schweren Böden und rutschungsgefährdeten Hänge. Als Nutzung kommt hier nur Wald, Grünland oder Streuobstwiese in Frage.

Bei Reutlingen ragt die Achalm markant aus dem Albvorland auf, der Reutlinger Hausberg, der u.a. wegen seinen Kalk-Magerrasen Teil des FFH-Gebiets ist. Die Achalm hat denselben Gesteinsaufbau wie die Albhochfläche mit Kalkgesteinen des Weißjura. Dies zeugt davon, dass die Alb einst weiter nach Norden gereicht hat. Durch Abtragung weicht der Albtrauf um etwa zwei Meter in tausend Jahren zurück.

Eine Augenweide: die blumenbunten Streuobstwiesen

Das Grünland auf den Braunjura-Hängen blüht oft noch blumenbunt und entspricht dem Typ der Mageren Flachland-Mähwiesen, die mit der FFH-Gebietsausweisung geschützt werden sollen. Ein Großteil der Wiesen ist mit Obstbäumen bepflanzt und als sogenannte Streuobstwiesen doppelt nutzbar: die Wiesen als Weide oder Heulieferant und die Obstbäume für den Obstbedarf. Aus Äpfeln und Birnen wird nicht nur Most, das schwäbische Nationalgetränk, gekeltert, die vielfältigen Obstsorten werden auch zu Marmelade, Saft, Kompott, Dörrobst und Obstbrand verarbeitet.

Magere Flachland-Mähwiesen werden traditionell wenig gedüngt und nur ein- bis zweimal jährlich gemäht, deshalb sind sie so blütenreich. Nur dort, wo diese extensivere Nutzung bis heute beibehalten wird, finden wir die vielen buntblühenden Blumen wie Margerite, Glockenblume und Wiesen-Salbei. Wenn die Wiesen aber aufgegeben oder zu intensiv genutzt werden, verdrängen Gräser die Wiesenblumen. Die Augenweide verschwindet und mit ihr die Nahrungsgrundlage für die Tierwelt: Insekten finden keinen Nektar und Pollen mehr, Vögel keine Insekten und Samen. Im Albvorland bei Mössingen und Reutlingen sind die charakteristischen Vogelarten der süddeutschen Streuobstwiesen wie Halsbandschnäpper oder Wendehals jedoch noch regelmäßig zu beobachten.

Die Unke in der Pfütze

Vogelgezwitscher, Insektensummen – auf den Streuobstwiesen können wir im Frühling bei genauem Hinhören auch das leise, dumpfe »uh... uh... uh« der Gelbbauchunke wahrnehmen. Von oben betrachtet ist dieser kleine Froschlurch unscheinbar graubraun. Dagegen ist die Bauchseite auffällig gelb und dunkel marmoriert – dieses Muster ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck!

Ursprünglich bewohnte die Gelbbauchunke kleine Gewässer und Pfützen in regelmäßig überschwemmten Bach- und Flussauen. Da diese Lebensräume immer knapper werden, ist die Art stark zurückgegangen. Ihre Anspruchslosigkeit bewahrt sie vor dem Aussterben, denn sie begnügt sich mit Ersatzbiotopen, wie Kies- oder Tongruben, Steinbrüchen oder militärischen Übungsplätzen. Ihr genügen schon Pfützen und kleine Wasserrillen, die von Pferdetritten oder Fahrzeugspuren herrühren. Meist sind diese Miniatur-Tümpel frei von konkurrierenden Arten und Fressfeinden und erwärmen sich schnell, was die Entwicklung von Laich und Larven beschleunigt. Als Zentrum der Gelbbauchunken-Vorkommen in Europa hat sich Baden-Württemberg nach der FFH-Richtlinie verpflichtet, die Art und ihre Lebensräume dauerhaft zu erhalten und zu fördern.

Weitere Informationen

  
  
  
AlbvorlandMoeRT_Flyer.pdfFlyer1237 KB
AlbvorlandMoeRT_Informationen_zum_Managementplan.pdfInformationen zum Managementplan1174 KB
AlbvorlandMoeRT_Mitteilung_April2016.pdfMitteilung vom April 2016 - Natura 2000 gemeinsam umsetzen126 KB
AlbvorlandMoeRT_Mitteilung_Maerz2016.pdfMitteilung vom März 2016 - Erstellung eines Managementplans15 KB

Hintergrund  

Ansprechpartner:

Referat 56

Katrin Voigt
Telefon 07071 757-5304
E-Mail katrin.voigt@rpt.bwl.de

Aktuelle Natura 2000 Managementpläne (MaP)
In Planung Natura 2000 Managementpläne (MaP)
Abgeschlossene Natura 2000 MaP