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Natura 2000 Managementpläne im Regierungsbezirk Karlsruhe
ArgenNeukirch.jpg

Argen und Feuchtgebiete bei Neukirch und Langnau (FFH 8323-311)

Ehemalige Gebietsbezeichnung:

Moore und Weiher um Neukirch (FFH 8324-341) / Argen und Feuchtgebiete südlich Langenau (FFH 8323-342)

Das 747 ha große FFH-Gebiet umfasst das Naturschutzgebiet „Argen“ vom Zusammenfluss der Oberen und Unteren Argen bis zur Mündung in den Bodensee, sowie 16 weitere Naturschutzgebiete und zahlreiche kleine Einzelgebiete.

In ihrem Oberlauf fließt die Argen durch eine Landschaft, die durch die Würmeiszeit geformt wurde: Der Rheingletscher hat vom Frost abgesprengten Gesteinsschutt aus den Alpen heran transportiert. Wo das Gestein bis zum Grund des Eises durchsank wurde es von den darüberschürfenden Eismassen stark zerrieben. Es entstand eine flachwellige Oberfläche, die sogenannte Grundmoräne. Auf diesem lehmigen, ziemlich wasserundurchlässigen Untergrund sind in der hügeligen Landschaft durch hohen Grundwasserstand und hohe Niederschläge zahlreiche Seen, Moore und andere heute seltene Feuchtlebensräume entstanden.

In ihrem Unterlauf durchfließt die Argen das Schotterdelta, das sie seit dem Ende der Würmeiszeit in den Bodensee geschüttet hat. Dabei floss das Wasser manchmal plötzlich schneller ab, z. B. bei einem neuen Durchbruch: Dann grub sich der Fluss wieder tiefer ein. So entstanden die Terrassen des Argentals.

FFH-Lebensraumtypen

In Baden-Württemberg ist es eine Besonderheit, dass ein Fluss von der Größe der Argen noch in weiten Abschnitten frei fließen darf. Dort sieht man, wie er die Landschaft umformt: An Prallhängen werden die Ufer eingerissen, an Gleithängen dafür Material abgelagert. Kiesbänke entstehen und verschwinden wieder. Manche werden von der Lavendelweide als Pionierpflanze besiedelt. Alpine Flüsse mit Lavendelweiden-Ufergehölzen sind in Baden-Württemberg sehr selten.

Wie grüne Bänder begleiten Ufer- und Auenwälder die Argen und vernetzen Lebensräume von Pflanzen und Tieren über weite Strecken hinweg. Auenwälder mit Erle, Esche und Weide sind europaweit besonders gefährdet und sehr selten. Hier haben sie noch, was jeder Auenwald braucht: Einen Fluss, der immer wieder mal über die Ufer tritt und ihn überflutet. Durch den ständigen Wechsel zwischen Wald und Wasser entstehen vielfältige Lebensräume. Auenwälder sind daher besonders artenreich.

In der Umgebung der Argen liegen zahlreiche Natürliche nährstoffreiche Seen, z. B. der Herzogenweiher. Einige Seen sind bereits wieder verlandet. Die Verlandungsbereiche haben sich zu Kalkreichen Sümpfen mit Schneidried oder Kalkreichen Niedermooren entwickelt. Außerdem prägen wechselfeuchte, artenreiche Pfeifengraswiesen die Landschaft im FFH-Gebiet.

FFH-Arten

Die Grüne Flussjungfer ist eine leuchtend grün gefärbte und ca. 5 – 6 cm lange Libelle. Sie lebt an gut strukturierten naturnahen Fließgewässern mit Ufergehölzen und teilweise besonnten Uferbereichen. Daher ist sie vor allem durch den naturfernen Ausbau von Fließgewässern gefährdet und in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht.

In den ganzjährig nassen Kalkreichen Niedermooren wächst das Sumpf-Glanzkraut, eine zierliche Orchidee mit stark glänzenden Blättern. Es blüht von Ende Mai bis Juli unauffällig grünlich-gelb. Die Art hat in Baden-Württemberg ihren Verbreitungsschwerpunkt im Alpenvorland und in den Donau-Iller-Lech-Platten. Sie ist europaweit gefährdet.

In Kalksümpfen und -mooren lebt in dichter, niedriger Vegetation und in der Streu die Vierzähnige Windelschnecke. Mit einem Gehäuse von nur 2 mm Höhe ist sie leicht zu übersehen. In Deutschland kommt sie fast ausschließlich in Baden-Württemberg und Bayern vor. Diese Vorkommen sind sehr wichtig für das Überleben der Art in Mitteleuropa. Sie ist jedoch landes- und bundesweit vom Aussterben bedroht, da überall Feuchtlebensräume trockengelegt werden, um die Böden nutzbar zu machen. Die Vierzähnige Windelschnecke kann Trockenphasen aber nur wenige Tage lang überleben.

Wir pfeifen nicht auf die Pfeifengraswiesen!

Pfeifengraswiesen zählen zu den artenreichsten Grünlandgesellschaften Mitteleuropas. Sie wachsen auf feuchten bis wechselfeuchten nährstoffarmen Standorten. Den Namen haben sie vom Pfeifengras, das man wegen seiner langen, knotenlosen und damit stabilen Halme früher zum Pfeifenreinigen verwendet hat.

Diese Streuwiesen sind das Ergebnis einer sehr extensiven landwirtschaftlichen Nutzung: Traditionell wurden sie nur einmal im Jahr oder alle zwei Jahre im Herbst gemäht und das Schnittgut als Einstreu für die Ställe genutzt – daher der Name Streuwiese. Ihre Pflanzenartenvielfalt macht diese Wiesen zu einem Lebensraum für eine Fülle von Tierarten, wie zahlreichen seltenen Schmetterlingen und Schnecken, die alle an die speziellen Bedingungen in den Pfeifengraswiesen angepasst sind. Bereits geringe Veränderungen der Nutzungsintensität – sowohl Intensivierung als auch weitere Extensivierung – können zu tiefgreifenden Veränderungen des Lebensraums führen.

Weitere Informationen

  
  
  
ArgenNeukirch_November2012.pdfMitteilung vom November 2012 - Einladung zur Infoveranstaltung32 KB
ArgenNeukirch_Flyer.pdfFlyer vom Juni 2012407 KB
ArgenNeukrich_April_2012.pdfMitteilung vom April 2012 - Erstellung von Managementplänen22 KB

Hintergrund

Ansprechpartner:

Referat 56

Samuel Hoffmeier
Telefon 07071 757-5207
E-Mail samuel.hoffmeier@rpt.bwl.de

Aktuelle Natura 2000 Managementpläne (MaP)
In Planung Natura 2000 Managementpläne (MaP)
Abgeschlossene Natura 2000 MaP