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RP Tübingen, Umwelt
  • Abteilung 5
    06.09.2019
    Internationales Workcamp im Naturschutzgebiet Hirschauer Berg
    Pressetermin am Freitag, 13. September 2019, 11:00 - 12:30 Uhr in Tübingen-Hirschau, Ecke Weinbergweg/Hirschhalde (am Kreuz)

    ​Einladung der Presse

    An die
    Damen und Herren der Medien

        

    Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,

    ab Samstag, 7. September 2019 findet wieder das internationale Workcamp der Organisation Service Civil International (SCI) für freiwillige Helferinnen und Helfer im Naturschutzgebiet Hirschauer Berg statt. Das Camp wird einmal im Jahr gemeinsam vom Schwäbischen Heimatbund und dem Regierungspräsidium Tübingen organisiert und finanziert. Mit Unterstützung der Gemeinde sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer direkt in Hirschau untergebracht.

    In diesem Jahr sind Freiwillige aus Deutschland, Mexiko, Russland, Serbien und Spanien dabei und helfen zwei Wochen lang in der Landschaftspflege am Hirschauer Berg mit.

    Gebüsche und Gehölze roden, Altbäume freistellen, bei den Mäharbeiten helfen und andere schweißtreibende Arbeiten im Rahmen der Landschaftspflege stehen auf dem Programm. Damit sollen für die wärmeliebenden und sonnenhungrigen Pflanzenarten dieses stadtnahen Naturschutzgebiets optimale Lebensbedingungen geschaffen werden. Die Arbeiten werden von einer erfahrenen Landschaftspflegefirma angeleitet und betreut.
    Um Ihnen die diesjährige Aktion näher vorzustellen, lade ich Sie sehr herzlich ein zu einem 

    Informationsgespräch auf den Einsatzflächen am Hirschauer Berg am Freitag, 13. September 2019, um 11.00 Uhr,
    Treffpunkt: Tübingen-Hirschau an der Wegkreuzung „Weinbergweg/Hirschhalde“ (am Kreuz).
     
    Sie haben vor Ort die Gelegenheit sich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workcamps sowie Vertreterinnen und Vertretern der Veranstalter auszutauschen.
     
    Über Ihre Teilnahme am Informationsgespräch würden wir uns sehr freuen. Eine Anmeldung bis spätestens Donnerstag, 12.09.2019, erleichtert uns die weitere Organisation. Ihre Anmeldung zum Pressetermin richten Sie bitte an Dagmar Roming-Fischer (Tel.: 07071/757-3011, Dagmar.Roming-Fischer@rpt.bwl.de). Wir empfehlen Ihnen, festes Schuhwerk mitzubringen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
     
    gez. Dirk Abel
    Pressesprecher
     
     

    Hintergrundinformationen:
     
    Das Naturschutzgebiet „Hirschauer Berg“
    Das Naturschutzgebiet „Hirschauer Berg“ (Nr. 77) mit einer Gesamtfläche von fast 22 Hektar erstreckt sich oberhalb der Ortschaft Hirschau am Südhang des Spitzberges vom Gewann Riedern im Westen bis zum Gewann Holzacker im Osten. Es ist Teil des FFH-Gebietes „Spitzberg, Pfaffenberg, Kochhartgraben und Neckar“ sowie des Vogelschutzgebietes „Schönbuch“.
     
    In jahrhundertelanger Bewirtschaftung entstand das durch Steinmauern und Steinstaffeln geprägte Landschaftsbild, welches zur Hangkante hin in einen bewaldeten Teil übergeht. Schon im 13. Jahrhundert wurde hier Weinbau betrieben, später kam die Streuobstnutzung hinzu. Kriege, Krankheiten sowie die Mühsal der Arbeit an den steilen Hängen führten dazu, das viele der Flächen im Laufe der Zeit jedoch wieder brachgefallen sind.
    So hat sich ein Gebiet entwickelt mit vielfältigen Nutzungsformen und Brachestadien, dass viele seltene und gefährdete Pflanzen und Tierarten beherbergt.
     
    Eine Fülle an verschiedenen Biotoptypen lässt sich abgrenzen, teils sehr kleinflächig, teils als größere zusammenhängende Gebiete. Insgesamt fast 10 Hektar nimmt dabei der besonders erhaltenswerter FFH-Lebensraumtyp, die „Magerrasen basenreicher Standorte einschließlich Saumvegetation trockenwarmer Standorte und Gebüsch trockenwarmer, basenreicher Standorte“ ein.
     
    Das trocken-warm geprägte Klima der offenen und halboffenen Hänge des Naturschutzgebietes „Hirschauer Berg“ ist Charakteristikum und Grundlage für die Lebensräume vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten. Besonders hervorzuheben ist das Vorkommen der Zottigen Fahnenwicke, die als vom Aussterben bedroht gilt und außer im NSG Hirschauer Berg nur noch wenige isolierte Vorkommen in Deutschland hat. Auch beherbergt das Naturschutzgebiet die als extrem selten eingestufte Ungarische Platterbse. Als faunistische Besonderheit gilt das Vorkommen der Haarstrangeule, eine Nachtfalterart, die nur in wenigen Gebieten in Deutschland vorkommt.
    Die aufkommende Verbuschung und letztendlich Wiederbewaldung gefährden diese Lebensräume. Hinzu kommt, dass sich in Teilen des Naturschutzgebietes neophytische, also nicht standortheimische Pflanzen wie beispielsweise die Goldrute ausbreiten. Auch die Robinie, die eigens gepflanzt wurde, um Weinbergspfähle aus ihr zu machen, zeigt ein sehr expansives Verhalten.
     
     
    Das Workcamp
    Der Service Civil International, kurz SCI, ist eine gemeinnützige, internationale Organisation, die sich durch Freiwilligenarbeit für Frieden, gewaltfreie Konfliktlösung, soziale Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch einsetzt. Der SCI verfügt über ein Netzwerk von über 35 nationalen Zweigen auf fünf Kontinenten und arbeitet mit etwa 80 Partnerorganisationen zusammen.
     
    Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen
    Mit ihrem Einsatz am Hirschauer Berg tragen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workcamps aktiv dazu bei, ein wertvolles Naturrefugium zu erhalten und eine herausragende Kulturlandschaft als europäisches Natur- und Kulturerbe für künftige Generationen zu bewahren. Solche Workcamps dienen nicht nur dem Naturschutz, sondern sind darüber hinaus eine Bereicherung für alle Beteiligten. Darüber hinaus kommt dadurch auch eine Wertschätzung der generationenlangen Arbeit der Hirschauer an Ihrem Berg zum Ausdruck.
     
    Die beteiligten Akteure
    Der Schwäbische Heimatbund (SHB) besitzt am Südhang des Spitzbergs zahlreiche Grundstücke. Etwa 13 % des Naturschutzgebiets Hirschauer Berg sind in seinem Eigentum. Zu Erhaltung dieser herausragenden Naturschutzflächen sind Pflegeeinsätze erforderlich. Ein solcher ist das SCI-Camp, das in dieser Form zum 13. Mal stattfindet. Das erste Workcamp wurde bereits 1996 durchgeführt.
     
    Auch in Hirschau wartet man schon auf die Workcamp-Teilnehmerinnen und Ortsvorsteher Ulrich Latus wird oft schon im Frühjahr gefragt, wann die jungen Leute wiederkommen. Beim gemeinsamen Abend mit Ortschaftsräten und Mitgliedern des örtlichen Obst- und Weinbauvereins wird nicht nur der Hirschauer Wein verkostet, sondern den Teilnehmern für Ihren Einsatz ausdrücklich gedankt.
     
    Die „Profis“ der Fachfirma, die die Arbeiten anleiten, freuen sich, wenn junge Menschen aus aller Welt mit Begeisterung dabei sind: „die Verständigung über Nationen- und Kulturengrenzen hinweg bei der gemeinsamen Arbeit ist ein positives Erlebnis, das alle dann mit nach Hause nehmen“, ist Jörg Maurer, der Chef der kleinen Firma, überzeugt.
     
    Das Camp wird gemeinsam vom Schwäbischen Heimatbund (SHB) und dem Regierungspräsidium Tübingen organisiert, die Kosten werden aufgeteilt. Insgesamt stellt die Naturschutzverwaltung für die Landschaftspflege dieses einzigartigen Naturschutzgebietes jährlich ca. 40.000 Euro aus Naturschutzmitteln bereit. Mit Unterstützung der Gemeinde sind die Teilnehmer/innen direkt in Hirschau untergebracht.
     
    Das Regierungspräsidium finanziert die Facharbeiten, der Schwäbische Heimatbund übernimmt die Kosten für das Camp.