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  • Abteilung 5
    22.05.2020
    ​22.05.2020 | NATURSCHUTZ: Biologische Vielfalt der Moore erhalten
    Rückschnitt von aufkommenden Gehölzen im Naturschutzgebiet „Blauensee“
     Hochmoor-Perlmutterfalter; Quelle: Thomas Bamann, Regierungspräsidium Tübingen

    Um den Rückzugsraum besonderer Tier- und Pflanzenarten zu schützen, wurden im Naturschutzgebiet „Blauensee“ im Landkreis Ravensburg (Gemeinde Waldburg) aufkommende Gehölze zurückgeschnitten.

    Mit seiner Vielfalt unterschiedlicher Moorlebensräume ist das Naturschutzgebiet „Blauensee“ Heimat seltener Pflanzenarten und bedrohter Tiere. Wird die Nutzung dieser raren Moorbereiche und Streuwiesen, wie sie hier zu finden sind, eingestellt, wachsen offene Bereiche mit Gehölzen zu, was den Fortbestand der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten massiv gefährdet. Aus diesem Grund hat das Regierungspräsidium Tübingen, Referat 56, den starken Rückschnitt der aufkommenden Gehölze auf etwa einen Hektar Fläche veranlasst. So ist wieder ein offener Moorbereich entstanden, der sich zu einem Hochmoor weiter entwickeln kann. Etwa fünfzehn bis zwanzig Jahre dürften sich Tiere, wie Hochmoor-Perlmutterfalter, Große Moosjungfer, Kleiner Wasserfrosch oder Zweihäusige Segge hier wieder entfalten können, bis ein erneuter Rückschnitt nötig wird.


    Hintergrundinformation:
    Zum Naturschutzgebiet: Das NSG 4.045 Blauensee im Landkreis Ravensburg umfasst eine Fläche von 29,7 ha. Ziel ist hier die Erhaltung der offenen Nieder- und Übergangsmoorbereiche und Schutz vor Beeinträchtigungen wie Nährstoffeinträge oder Sukzession
    Weitere Informationen finden Sie unter: https://rips-dienste.lubw.baden-wuerttemberg.de/rips/ripsservices/apps/naturschutz/schutzgebiete/steckbrief.aspx?id=939001000247

    Zur Entwicklung von Mooren und ihrer Bedeutung: Moorböden entwickeln sich dort, wo das Grundwasser hoch ansteht – bspw. in abflusslosen Geländesenken in niederschlagsreichen Gegenden mit relativ feucht-kühlem Klima wie bei uns im Allgäu und der Voralpen-Region. Absterbende Pflanzen werden auf den nassen Standorten nicht vollständig zersetzt, es entstehen nährstoffarme, saure, wenig zersetzte Torfböden. Hier wächst eine speziell auf diese Standorte angepasste Vegetation – darunter die charakteristischen Torfmoose. Wo die Niederschläge hoch sind und die Temperaturen eher niedrig, können diese Moose auch ohne Anschluss ans Grundwasser immer weiter in die Höhe wachsen – so entstehen die Hochmoore (im Unterschied zu den Niedermooren, deren Vegetation den Grundwassereinfluss braucht).

    Hoch- und Niedermoore bilden ganz eigentümliche Lebensräume mit einer besonderen Pflanzen- und Tierwelt aus, die durch Torfabbau und intensivierte landwirtschaftliche Nutzung bereits stark zurückgedrängt wurden. Heute kommt der Klimawandel als Bedrohung hinzu – die Arten und Lebensräume feucht-kühler Standorte sind besonders sensibel gegenüber den Veränderungen durch den Klimawandel. Dabei sind die Moorstandorte in Bezug auf den Klimawandel doppelt schutzwürdig: Moorböden binden in hohem Maße CO2! Der Moorschutz ist ein Beispiel dafür, wie Natur – und Klimaschutz Hand in Hand gehen.

    Foto: Hochmoor-Perlmutterfalter; Quelle: Thomas Bamann, Regierungspräsidium Tübingen