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  • Abteilung 7
    22.05.2015
    „Am Gymnasium kann er seine Stärken zeigen“
    In Tübingen entsteht ein Kompetenzzentrum Autismus am Gymnasium

    ​Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Die einen beschreiben ihn als angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung, die sich schon in früher Kindheit bemerkbar macht. Andere sprechen von einem angeborenen abweichenden Informationsverarbeitungsmodus, der sich durch Schwächen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch stereotype Verhaltensweisen und Stärken bei der differenzierten Wahrnehmung, beim Gedächtnis und der Intelligenz zeigt. Wie es auch immer sein mag, kann der Umgang mit Autisten ihrer Besonderheit wegen herausfordernd sein. Das gilt für alle dichten Lebensprozesse, ganz besonders auch in der Schule. Und da weltweit mehr als ein Prozent der Bevölkerung dem Autismus-Spektrum zugerechnet wird, bei gleichzeitiger Normal- bis Hochbegabung, geht eine beachtliche Zahl von Autisten zum Gymnasium.

    Im Regierungsbezirk Tübingen gibt es kaum ein Gymnasium, an dem wir nicht mindestens eine Schülerin oder einen Schüler im Autismus-Spektrum kennen – und darüber hinaus sind da noch die, bei denen der Autismus nicht diagnostiziert ist. Gleichzeitig weiß man über die speziellen Anforderungen und Unterstützungs-möglichkeiten für Autisten im Fachunterricht kaum etwas, veröffentlicht ist praktisch nichts.
    Warum kommt der brilliante Logiker mit der Textaufgabe in Mathematik nicht klar und wie kann man ihn unterstützen? Warum macht der Schüler beim Gedichtvergleich überdurchschnittlich viele und gute sprachliche Beobachtungen und kommt trotzdem nicht zu einer Interpretation? Dr. Susanne Pacher, Abteilungspräsidentin für Schule und Bildung am Regierungspräsidium Tübingen, und Prof. Lothar Bösing, der Direktor des Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien) in Tübingen, hoffen, dass das von Ihnen gemeinsam aufgestellte Kompetenzzentrum Autismus am Gymnasium, Antworten erarbeiten und über die Fortbildung an viele Lehrerinnen und Lehrer weitergeben kann. „Die Lehrer brauchen in der besonderen Anforderung der Begleitung autistischer Schüler das entsprechende Knowhow im Umgang, und dafür wollen wir sorgen“, sagt Susanne Pacher. „Die Kooperation mit den Profis aus der Lehreraus- und –fortbildung vom Studienseminar ist da für uns natürlich eine gute Sache.“ Und auch das Seminar profitiert von der Kooperation mit der Schulverwaltung, die über Ihre Strukturen Ergebnisse und Themen kommunizieren kann. Seminardirektor Lothar Bösing: „Am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien) haben wir über alle Fächer hinweg die Kompetenz beisammen, um der Sache einen Schub zu geben. Und die Kooperation mit der Schulabteilung des Regierungspräsidiums hilft uns, unsere Ergebnisse effektiv zu den Lehrerinnen und Lehrern zu bringen“.
     
    Das Kompetenzzentrum Autismus am Gymnasium beschreibt und analysiert die schulische Situation von Schülerinnen und Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung am Gymnasium und erarbeitet Unterstützungssysteme für Lehrerinnen und Lehrer, die mit diesen Schülern arbeiten. Für alle gymnasialen Unterrichtsfächer gibt es Projektgruppen oder Ansprechpartner. Eine Gruppe von Lehrerenden des Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien) erarbeitet Module für die Lehrerausbildung. Die praxisrelevanten Ergebnisse seiner Arbeit sowie einführende Medien zum Thema Autismus am Gymnasium stellt das Kompetenzzentrum Lehrerinnen und Lehrern wie Referendarinnen und Referendaren an einer Anlaufstelle in der Bibliothek des Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien) zur Verfügung.
     
    An jährlich stattfindenden Studientagen sorgt das Kompetenzzentrum Autismus am Gymnasium für Fortbildung und Vernetzung von Lehrerinnen und Lehrern im Theorie-Praxis-Zirkel und thematisiert die virulent gewordenen Fragen zur Beschulung von Schülerinnen und Schülern im Autismus-Spektrum am Gymnasium. Das ebenfalls jährlich stattfindende interdisziplinäre Fachgepräch am Runden Tisch hat die Aufgabe notwendige Erörterungen bzgl. der Beschulung von Autisten am Gymnasium vorzunehmen und mit einem Votum in Sachfragen die Ergebnisse aus der Arbeit des Kompetenzzentrums an die verantwortlichen Entscheider in der Schulverwaltung weiterzugeben. Am Runden Tisch sind vertreten: Autismusbeauftrage, Betroffene, Erziehungswissenschaftler, Elternvertreter, Juristen, Lehrer, Linguisten, Mediziner, Psychiater, Psychologen, Schulleiter, Sonderpädagogen, Beauftragte der Landesregierung und Verantwortliche aus der Schulverwaltung und dem Kultusministerium, der Lehreraus- und –fortbildung sowie Vertreter von Autismusvereinen und –verbänden.
    Unter dem Dach der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen (Bad Wildbad) bieten Mitglieder des Kompetenzzentrums Autismus an Gymnasien für Lehrer aus ganz Baden-Württemberg Fortbildungslehrergänge an.
     
    Hinweis an die Redaktionen:
    Für Fragen zu dieser Pressemitteilung steht Ihnen Herr Dr. Stefan Meißner, Pressereferent für Schule und Bildung, Tel. 07071/757-2137, gerne zur Verfügung.
Symbolbild, Bacho Foto - Fotolia 

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