Liebe Imkerinnen und Imker, 

Folgende Themen finden Sie heute in meinem Rundbrief:

1. „Winterbehandlung“ – Wann sind die Völker brutfrei und wann ist das Träufeln von Oxalsäure besonders effektiv?

2. Wachsgewinnung und Verarbeitung – Eindrücke aus einem „Wachskurs“

3. Spechte hämmern gern.

Herzlichen Gruß!

 

Unterschrift Remigius Binder

1. „Winterbehandlung“ – Wann sind die Völker brutfrei und wann ist das Träufeln von Oxalsäure besonders effektiv?

Die abschließende (und einmalige) Winterbehandlung mit Oxalsäure steht demnächst an. Vereinzelt habe ich zwar schon von brutfreien Völkern gehört, doch bei Stichproben an eigenen Völkern habe ich noch verdeckelte Brut entdeckt. Für diese Anwendung möchte ich deshalb gerne noch etwas mehr Sicherheit. Falls die ersten kalten Oktobertage für einen Brutstopp also nicht ausreichten, dann werden die derzeit frostigen Nächte dazu führen. Spätestens in drei Wochen, also in der letzten November- oder ersten Dezemberwoche ist dann ein günstiger Zeitpunkt für die Maßnahme, falls das Wetter mitspielt.

Idealerweise bewegen sich die Tages-Temperaturen auch dann um oder nur knapp über dem Gefrierpunkt. In einer dicht sitzenden Wintertraube wird die Oxalsäure gleichmäßiger verteilt und beim Öffnen eines Volkes fliegen kaum Bienen auf. Die Dosierung der mit Zucker gesüßten Träufellösung erfolgt nach der Volksstärke und den Anwendungshinweisen. Wenn Sie dabei noch einmal für ca. zwei Wochen den Bodenschieber einlegen, gewinnen Sie Erkenntnisse darüber, ob und wie erfolgreich Ihre Sommer- (und Früherbst-) Behandlung gewirkt hat. Aufgrund der kühlfeuchten Witterung in diesem Sommer war die Wirksamkeit der Ameisensäure leider oft unzureichend, so dass eine Nachbehandlung notwendig war.

2. Wachsgewinnung und Verarbeitung – Eindrücke aus einem „Wachskurs“

Den Umgang mit Altwaben und einem Wachsschmelzverfahren bringen viele Imkerinnen und Imker mit „Schmutzarbeit“ in Verbindung und schieben das Ganze etwas vor sich her. In Gummistiefeln und mit der richtigen Ausstattung besteht dazu jedoch gar kein Grund, wie die Teilnehmenden in meinem Wachskurs erst kürzlich wieder feststellen konnten. Jetzt herrscht kaum Bienenflug und man kann noch gut im Freien arbeiten.

Eingeschmolzen werden (mehrfach) bebrütete Waben, helle Honigwaben mit Pollenvorräten sowie sonstige Wachsreste, die sich nun noch außerhalb der Völker befinden. Zu dieser Jahreszeit ist die Gefahr von Wachsmottenbefall zwar geringer, doch sobald im Frühjahr die Temperaturen ansteigen, werden auch die Motten wieder aktiv. Wer einen eigenen Wachskreislauf aufbauen kann, schützt sich, den Honig und die Bienen vor unerwünschten Belastungen. Wem es darüber hinaus gelingt, einen offenen „Kreislauf“ zu etablieren, also nur Baurahmen- und Deckelwachs für die Mittelwände zu verwenden, kann sich diesbezüglich noch eine Spur sicherer fühlen.

3. Spechte hämmern gern.

Ein Farbklecks in der kahl gewordenen Streuobstwiese flattert und gleitet von Baum zu Baum. Solange der (Bunt-) Specht nur an morschen Ästen und an Totholz hämmert, ist die Imkerwelt ja in Ordnung. Doch sobald der erste Schnee die Landschaft verzuckert, verlagert dieser Vogel seine Aktivitäten auch an unsere Bienenstände. Nach meiner Beobachtung werden beim Hämmern nur in seltenen Fällen richtig große Löcher in die Beuten geschlagen und die Rähmchen dabei zerhackt, damit die Schnabelspitze die Bienentraube erreicht. Fürs Bienenvolk wäre der Verlust von ein paar Bienen zu verschmerzen, nicht jedoch die wiederholte und anhaltende Störung der Winterruhe. Sie kann zum Abkoten im Stock und der Erkrankung an Ruhr führen. Und für die Bienenhalterinnen und Bienenhalter bedeutet so ein lästiger Besuch unnötige Reparaturarbeiten im kommenden Frühjahr.

An Standorten, an denen regelmäßig solche Schäden auftreten kann sich ein Spechtschutz lohnen. Oft wird empfohlen, Netze über die Kästen zu spannen. Gratulation, wenn Sie es gut und v.a. ohne Lücken hinbekommen, die Mühe wird sich hoffentlich lohnen! Mir selber gefällt der Vorschlag von Herrn Malin, über den er in der Bienenpflege 04/21 berichtet hat. Ein Müllsack wird so über die Beuten gelegt und befestigt, dass die Griffleisten verdeckt sind. So bietet sich dem Specht wenig Gelegenheit, seine Schnabelstöße im freien Raum ausüben zu können. Obs hilft, das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung leider erst im kommenden Jahr berichten.

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Inzwischen gibt es ja ein breiteres Angebot an aktuellen Informationen. Doch trotz der Fülle freue ich mich, wenn Sie meinen (in unregelmäßigen Abständen erscheinenden) Rundbrief abonnieren. Auf der Internetseite der Bienenfachberatung am Regierungspräsidium Tübingen finden Sie den entsprechenden Link. Gerne dürfen Sie mir auch Rückmeldungen oder Anregungen zukommen lassen.

Bildquellennachweis: Fotos von Remigius Binder, RP Tübingen - außer den explizit gekennzeichneten ADOBE-Fotos mit gesonderter Ausweisung der BildautorInnen.

 

 

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Remigius Binder
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