Praktikumsaustausch

EUROPA GESTALTEN


Betriebsleiter Beat Gugler des landwirtschaftlichen Betriebes der Kartause Ittlingen, Warth, Schweiz, zusammen mit dem Praktikanten Kevin Hergesell aus Bruchsal (Studierender an der Technikerschule in Simaringen)


Den Horizont erweitern und voneinander lernen


von Markus Sommer

Vor ca. zwei Jahren kam durch Kontakte der Abteilung 3 des Regierungspräsidiums Tübingen mit dem Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg im Kanton Thurgau, Schweiz, die Idee auf, in der beruflichen Weiterbildung der Berufe Landwirtin/Landwirt und Hauswirtschafterin/Hauswirtschafter enger zusammen zu arbeiten. 


Da man dabei die gesamte Bodenseeregion einbeziehen wollte, suchte man weitere Partner. Schließlich haben sich die Landwirtschaftskammer Vorarlberg, die Kantone St. Gallen, Ausser- und Innerrhoden sowie das Fürstentum Liechtenstein, jeweils vertreten durch das Bildungs- und Beratungszentrum Rheinhof, der Kanton Thurgau mit seinem Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg und das Referat 31 des Regierungspräsidiums Tübingen zusammengefunden.

Als eine Maßnahme der verstärkten Zusammenarbeit wurde von allen Beteiligten die Organisation eines Praktikantenaustauschs angedacht, der für Personen offen stehen soll, die sich nach der Berufsausbildung in der Weiterbildungsphase zur Technikerin/zum Techniker für Landbau oder zur Meisterin/zum Meister Landwirtschaft oder Hauswirtschaft befinden.

Um das Projekt zu finanzieren, wurde ein gemeinsamer Förderantrag bei der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) im Bereich Kleinprojektefonds gestellt. Die Abteilung 3 des Regierungspräsidiums Tübingen nimmt dabei die Funktion des Leadpartners ein. Ein Zitat aus dem Internetauftritt der IBK zum Kleinprojektefonds zeigt, dass dessen Zielsetzung genau der Projektidee entspricht:

„Ziel ist es, vertrauensvolle

grenzüberschreitende Beziehungen

auf lokaler und regionaler Ebene zu stärken sowie das gegenseitige Verständnis, das Wissen

um die Region und die regionale Identität zu erhöhen…“

Der Kleinprojektefonds der IBK wird aus dem aktuellen Interreg-Programm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein finanziert, dessen gemeinsames Sekretariat hier im Regierungspräsidium in der Abteilung 2 angesiedelt ist. Die Nationalen Kofinanzierungsmittel konnten dem Referat 31 durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zur Verfügung gestellt werden. Im Juli 2016 bekamen wir von der IBK die Förderzusage.

Jetzt – in der Anfangsphase des Projekts – liegt unser Engagement v.a. darin, dass der Praktikantenaustausch in Fahrt kommt und damit an den teilnehmenden Bildungseinrichtungen schnell ein hoher Bekanntheitsgrad erreicht wird. Bei dem Praktikum wird Studierenden der Fachschulen für Land- und Hauswirtschaft, der Technikerschule bzw. jungen Menschen in der Meister-vorbereitung ein zwei Wochen dauernder Austausch in einem land-/hauswirtschaftlichen Betrieb rund um den Bodensee in den Partnerregionen ermöglicht. Während des zwei Wochen dauernden Austausches soll der aufnehmende Betrieb den am Austausch teilnehmenden Personen Einblicke in die Produktionstechnik und die Betriebs- und Arbeitsorganisation des Gastbetriebes vermitteln, darüber hinaus aber auch zur Struktur und wirtschaftlichen Situation der Branche Landwirtschaft bzw. Hauswirtschaft in der Partnerregion, zu Vermarktungsstruktur und Absatzwegen, zu den organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft, aber auch zu Land, Leuten und Kultur.

Dabei sollen die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wichtige Impulse für die eigene Betriebsführung, die Weiterentwicklung des eigenen Betriebes, das Verstehen der Partnerregion und die eigene Persönlichkeit erhalten.


Die Schweizer Familie Roman und Debora Jud aus Hörhausen, Schweiz, mit Kindern dar. In deren Mitte ist der Praktikant Simon Schempp aus Pfullendorf ( dritter von links bzw. erster "Blaumann") . Simon Schempp ist ebenfalls Studierender an der Technikerschule Sigmaringen)

Seit Juli konnte bereits drei Studierenden der Technikerschule für Landbau in Sigmaringen sowie einem Studierenden der Fachschule für Landwirtschaft in Ravensburg ein Aufenthalt in der Schweiz vermittelt werden. Den Praktikumsberichten ist durchweg zu entnehmen, dass der Aufenthalt als fachlich und persönlich bereichernd empfunden wurde und man den bestehenden Kontakt zur Gastgeberfamilie weiter aufrechterhalten will.

Es gilt nun, das Projekt weiter mit Leben zu erfüllen. Insbesondere sind wir auf die Reaktionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus anderen Regionen zu Betrieben in unseren Regierungsbezirk kommen, gespannt. Wir hoffen auch, in der Vernetzung mit den Bildungsträgern der europäischen Nachbarregionen Impulse für die Weiterbildung zu erhalten und dort einzubringen.