Pardubice

EUROPA GESTALTEN


Gruppenfoto mit der Delegation zum Abschluss


Partnerschaft mit Pardubice

Besuch einer Delegation aus Pardubice stand ganz im Zeichen des Themas „Wasser / Abwasser“

von Christine Braun-Nonnenmacher, Stephan Eckardt,Elisabeth Ehrhart, Jürgen Fromm, Gunther Reichart undDr. Burkhard Schall


Unter der Leitung von Jana Hroudová, Leiterin des Referates Wasserwirtschaft kam vom 16. bis 18. Oktober 2016 eine vierköpfige Delegation der Region Pardubice zu einem Besuch in den Regierungsbezirk Tübingen, um sich zu den Themen Wasser und Abwasser zu informieren.

 

Das dicht gedrängte Besuchsprogramm führte die Delegation am Montagvormittag gleich nach Ostrach und bereits während der Fahrt kam das Gespräch auf die Spurenstoffelimination auf der Kläranlage Albstadts. Bei der Besichtigung der Kläranlage Einhart gab es Informationen zu deren Erlaubnis, den Kosten und dem Betrieb. Großes Interesse zeigten die Gäste auch an den Anforderungen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (EU) und am Projekt des Abwasserzweckverbandes Ostrach.

Der technische Betriebsleiter Brotzer zeigt der Delegation die Kläranlage und stellt das Projekt des Abwasserzweckverbandes Ostrach vor

 

Immer wieder kam das Gespräch auch auf die unter anderem in Albstadt, Laichingen, Westerheim und Ravensburg bereits umgesetzte vierte Reinigungsstufe zur Eliminierung von Spurenstoffen, also Arzneimitteln, hormonähnlichen Substanzen, etc., da an einem Gewässer in Pardubice wegen dieser Stoffe große Probleme bestehen. Es wurde gleich angedacht, diesen Austausch im kommenden Jahr bei einem weiteren Treffen fortzusetzen. Aufgrund der Nähe zum Pfrunger-Burgweiler-Ried stand als nächstes die Besteigung des dortigen Bannwaldturmes auf dem Programm, wo der Delegation u.a. die Wiedervernässung der Moore und die Bedeutung für den Klimawandel erläutert wurden.

Herr Dr. Schall gibt der Delegation Erläuterungen zum Pfrunger-Burgweiler-Ried

 

Nach dem Mittagessen fuhr die Delegation nach Laupheim und während der Fahrt wurde der Austausch über eine Vielzahl von wasserwirtschaftlichen Themen, wie z.B. Wasserschutzgebiete, Grundwasserschutz und Hochwasserprobleme fortgesetzt. In Laupheim stand die Besichtigung des Unternehmens „Gemüse Botzenhard“ auf dem Programm, da sich die Gäste insbesondere für die Feldbewässerung interessierten. Der Betrieb ist aufgeteilt in eine Produktionsfirma, die Gärtnerei Botzenhard, die Handelsfirma Gemüse Botzenhard und den Früchtegroßhandel Laupheim. Die Produktionsfirma erzeugt auf ca. 45 ha nach Global GAP und QS zertifiziertes Gemüse und vermarktet ausschließlich im süddeutschen Raum. Dank der unternehmerischen Weitsicht des Betriebsleiters kann heute die gesamte Fläche durch die vor 25 Jahren errichteten drei Brunnen mit genügend Wasser versorgt werden.

Herr Botzenhard (Mitte) erklärt den Gästen wie er dank Rohrtrommelberegnung mit Selbsteinzug den Großteil seiner Flächen bewässert.

 

Als sich der gelernte Gärtnermeister im Jahr 1991 für die Übernahme des elterlichen Betriebes entscheiden musste, stand er vor der Wahl, den lange stillgelegten landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern wieder aufzunehmen, auf den vorhandenen Flächen eine Baumschule zu etablieren oder in die Produktion von Feldgemüse einzusteigen. 

Auch wenn man es nicht gleich auf den ersten Blick sehen kann, so befinden sich in den alten Stallungen der Hofstelle des Betriebes Botzenhard modernste Aufbereitungs-, Kühl- und Logistiklager, die in der Lage sind, am Tag ein Volumen von insgesamt ca. 300 Europaletten zu bewegen. Allein durch das Kühllager gehen täglich bis zu 150 Paletten. Trotz der Tatsache, dass Herr Botzenhard dieses Jahr bereits enorme Ertragseinbußen aufgrund der Starkregenereignisse im Mai zu verzeichnen hatte, schaffte er es als ein breit aufgestelltes Unternehmen, diese Krise zu meistern. 

Hochwasserrückhaltebecken Grundgraben bei Laupheim und Foto mit Erläuterungen)

 

Bevor die Delegation wieder die Heimreise nach Tübingen antrat, wurde noch das Hochwasserrückhaltebecken Grundgraben bei Laupheim besichtigt.

Der Grundgraben ist die meiste Zeit des Jahres trocken und führt nur bei starken oder länger andauernden Regen Wasser. Das Einzugsgebiet in der Größe von ca. 1,8 Quadratkilometer entwässert von Bußmannshausen über den Grundgraben in nordwestlicher Richtung nach Laupheim. Im Stadtgebiet selbst ist der Grundgraben verdolt und mündet dort in die Rottum. Bei großen Abflüssen ist das Rohrleitungssystem nicht in der Lage das gesamte Wasser aufzunehmen und es besteht die Gefahr von Überschwemmungen. 

Das Hochwasserrückhaltebecken Grundgraben wurde vor ungefähr einem Jahr fertiggestellt. Der Hochwasserschutzdamm ist für ein 100-jährliches Hochwasser bemessen, wobei eine Fläche von 23.600 Quadratmetern überstaut wird. Das Dammbauwerk erreicht eine Höhe von 7,5 Meter und erstreckt sich parallel zur Kreisstraße K 7518 zwischen Laupheim und Burgrieden über eine Länge von ca. 170 Meter und eine Breite von bis zu 50 Meter. Unter Berücksichtigung des Klimafaktors beträgt das Beckenvolumen 164.000 Kubikmeter.

Ende Mai 2016 kam es zur ersten Bewährungsprobe des Rückhaltebeckens. Bei einem extremen Regenereignis fielen in der Region um Biberach innerhalb von zweieinhalb Stunden bis zu 75 Liter Regen pro Quadratmeter. An vielen Gewässern der Region kam es zu Überschwemmungen. Die Stadt Laupheim hatte dabei Glück im Unglück. Der Pegel der Rottum, der im Mittel bei ca. 80 cm liegt, erhöhte sich in kurzer Zeit auf bis 2,65 Meter. Nur dank des neuen Rückhaltebeckens konnte der Zufluss zur Rottum reduziert und so eine Überflutung der Laupheimer Innenstadt verhindert werden. Das mit ca. 900.000,- Euro veranschlagte Rückhaltebecken wird vom Land Baden-Württemberg mit ca. 350.000,- Euro gefördert.

Am Dienstagvormittag traf sich die Delegation vor dem Regierungspräsidium zur Weiterfahrt nach Reutlingen. Zur Freude der Delegation konnten sie dort spontan vom neuen Regierungspräsidenten Tappeser begrüßt werden. Das Besuchsprogramm setzte sich anschließend im Landratsamt Reutlingen fort, mit einem Vortrag und Austausch zu den Themen Wasserschutz, Grundwasser, Oberflächengewässer, Handeln bei Havarien und Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Nach interessanten und anregenden Gesprächen folgte die Besichtigung des Klärwerkes Nord Reutlingen mit weiteren Fachgesprächen 

Themen waren vor allem die Gespräche zum Grundwasser (in Tschechien auch aus großen Talsperren gewonnen – in Reutlingen aus eher dezentralen Fassungen); unterschiedliche Regelungen in den RVO – z. B. ist die Umsetzung des Gülleverbots in der Zone II in Tschechien noch „in Arbeit“. Regelungen zum Thema Phospat in Oberflächengewässern sowie die Konstellation des Wasser und Abwasserpreises. Eine Umsetzung der Anforderungen aus der Wasserrahmenrichtlinie ist daher noch schwierig.

Am Ende des Besuchsprogramms bedankte sich die Delegation für die erhaltenen Einblicke und das interessante Besuchsprogramm. Außerdem teilten sie mit, die Fachdiskussionen gerne bei einem weiteren Treffen fortsetzen zu wollen.