Grünbrücken

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Bianca Käpplinger,
Referat 44 - Straßenplanung


Franz Feil,
Referat 44 - Straßenplanung

Straßenbau und Vernetzung von Lebensräumen? Kein Widerspruch!

von Franz Feil und Bianca Käpplinger, Referat 44

Für viele Tiere stellen Straßen, Schienen und Siedlungsbereiche schwer überwindbare Hindernisse dar. Um sich Nahrung zu beschaffen und sich fortzupflanzen, müssen Tiere ihre Standorte und Reviere wechseln können. Ein Austausch mit Artgenossen ist unerlässlich, ansonsten drohen langfristig genetische Probleme bis hin zum Aussterben der Art. Das Hindernis Straße wird vor allem durch Wildunfälle gegenwärtig, die auch ein großes Problem für die Verkehrssicherheit darstellen. Insbesondere von den Wanderungen großer geschützter Säugetiere wie Luchs oder Wolf berichten die Medien regelmäßig, wenn diese an viel befahrenen Straßen meist tödlich enden.

Landeskonzept Wiedervernetzung an Straßen in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg hat in den letzten Jahren Konzepte zur Wiedervernetzung und zum Verbund von Biotopen entwickelt. Das Ministerium für Verkehr hat darauf aufbauend im Jahr 2015 das „Landeskonzept Wiedervernetzung an Straßen in Baden-Württemberg“ erstellt (Broschüre). Es beinhaltet eine Liste mit den wichtigsten Konfliktstellen an Baden-Württembergs klassifizierten Straßen, die nach und nach von den Abteilungen 4 der Regierungspräsidien entschärft werden sollen.

Ganz oben auf der Liste stehen Wiedervernetzungsmaßnahmen an der Autobahn A 8 auf der Albhochfläche. Die vielbefahrene und bald sechsstreifig ausgebaute Autobahn ist von Tieren kaum mehr zu überwinden. Dort baut derzeit das Referat 42 eine große Grünbrücke, um die Trennwirkungen der Autobahn bestmöglich zu minimieren.

Auch die Bundesstraße B 465 bei Bad Wurzach steht weit vorne auf der Wiedervernetzungsliste. Die Straße durchschneidet eines der naturschutzfachlich bedeutendsten Hochmoore. Die Beeinträchtigungen und Barrierewirkungen der B 465 auf die hydrologischen Verhältnisse des Moores und den Austausch von naturschutzfachlich relevanten Tierarten soll minimiert oder gar ganz beseitigt werden. Die hoch schutzwürdigen Moor-Lebensräume mit ihren seltenen Tier- und Pflanzenarten sollen dadurch in ihrer Gesamtheit langfristig gesichert werden.

Referat 44 hat die Aufgabe, in einer Machbarkeitsstudie die Zielarten und -lebensräume sowie deren Ansprüche darzulegen und davon abhängend alle Arten von Querungshilfen oder Umbaumaßnahmen an der Straße sowie deren Machbarkeit zu untersuchen.


"Je nach Zielarten und deren Bedürfnissen 

können Querungshilfen von Amphibienschutzanlagen 

bis hin zu Grünbrücken reichen."


Das Thema Wiedervernetzung stellt eine Besonderheit in der Straßenbauverwaltung dar: Keine primär verkehrsbedingten Ziele bestimmen die Notwendigkeit zum Handeln, sondern naturschutz- und umweltfachliche Ziele! Daher erfolgt die Planung von Maßnahmen in enger Kooperation mit dem Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums.

 Weitere Informationen sind auf der Internetseite des VM zu finden.