Landesprüfer Fleisch

Peter Weitmann,

Referat 34

Marktordnung für tierische und pflanzliche Erzeugnisse


Peter Reiser,

Referat 34,

Marktordnung für tierische und pflanzliche Erzeugnisse

Landesprüfer für Vieh und Fleisch - schwache Nerven sollte man bei diesem Job nicht haben...

Zur Sicherung eines fairen Wettbewerbs auf dem Fleischmarkt kontrollieren die Landesprüfer für Vieh und Fleisch die Einreihung der Schlachtkörper in Handelsklassen, überprüfen die Schnittführung und führen Kontrollen zur amtlichen Preismeldung durch. Damit geben die Landesprüfer den Erzeugern wichtige Hinweise über den produktionstechnischen Erfolg und schützen die Erzeuger sowie die Lieferanten auch vor Übervorteilung und Betrug.

Wir haben die beiden Landesprüfer bei einer Kontrolle im Süddeutschen Schweinefleischzentrum Ulm Donautal GmbH, einem Unternehmen der Müller Gruppe, begleitet. Pro Tag werden dort ca. 6.000 Schweine geschlachtet. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 188 Kontrollen bezüglich der „Schweineklassifizierung / Schnittführung“ in Schweineschlachtbetrieben vorgenommen. In allen preismeldepflichtigen Schweineschlachtbetrieben wurde jeweils auch eine Preismeldekontrolle durchgeführt.

017.jpgÜberprüfung der Schnittführung

Durch die Überprüfung der so genannten Schnittführung wird gewährleistet, dass vor der Gewichtsfeststellung nur genau definierte Gewebeteile vom Schlachtkörper entfernt werden. Bei dem festgestellten Gewicht handelt es sich um das so genannte Warmschlachtgewicht.

Die eingestuften Handelsklassen in Verbindung mit dem korrekt festgestellten Warmschlachtgewicht dienen als Grundlage für den Auszahlungspreis je Kilogramm Schlachtgewicht. Der Auszahlungspreis ist wiederum starken Preisschwankungen unterworfen und orientiert sich an dem aktuellen Marktgeschehen. Aktuell (KW 20) liegt der Auszahlungspreis über alle Handelsklassen hinweg durchschnittlich bei 1,83 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht.

 

Im Bild zu sehen ist der Landesprüfer Peter Weitmann mit der so genannten Stichstelle, die vor dem Wiegen aus hygienischen Gründen entfernt werden muss. Die Landesprüfer kontrollieren, dass hier nicht zu viel Gewebe abgeschnitten und damit das Schlachtgewicht unzulässigerweise reduziert wird.

Kontrolle der Klassifizierung und Gewichtsfeststellung

Nach der (Schweineschlachtkörper-Handelsklassenverordnung - SchwHKlV - muss die Einreihung von Schlachtkörpern in die gesetzlichen Handelsklassen sowie die Gewichtsfeststellung spätestens 45 Minuten nach dem Stechen durch die Klassifizierer erfolgen.

 

Im Bild: Der Landesprüfer Peter Reiser überprüft die Einhaltung dieser gesetzlichen Vorgabe sowie die korrekte Einstufung und die Gewichtsfeststellung. Stichprobenartig protokolliert er Daten, welche anschließend - siehe nächstes Bild -  mit dem maschinellen Protokoll  des Klassifizieres abgeglichen werden.

 

Überprüfung der Klassifizierungsprotokolle

Beim Einsatz der Klassifizierungsgeräte werden neben der Richtigkeit der jeweiligen Messstelle am Schlachtkörper auch die Funktionsfähigkeit, Bauartzulassung und Eichgültigkeit des eingesetzten Klassifizierungsgeräts und der Schlachtwaage überprüft.


Kontrolle der ordnungsgemäßen Klassifizierung

 

Nach durchgeführter Klassifizierung erfolgt im Kühlraum eine stichprobenartige Überprüfung, ob der Klassifizierer die Messung an der gesetzlich vorgeschriebenen Messstelle durchgeführt hat. Dabei müssen mindestens 60 Schweineschlachtkörper überprüft werden. Mit Hilfe der durchgeführten Messung wird der so genannte Muskelfleischanteil über die bundeseinheitlich anzuwendende Schätzformel ermittelt. 

Überprüfung der Messstelle

Mit Hilfe einer so genannten Prüfnadel wird geprüft, ob der Klassifizierer die Messstelle innerhalb der zulässigen Toleranzen gesetzt hat. 

 Beim Schwein befindet sich diese in Höhe zwischen der zweit- und drittletzten Rippe. Der Einstich muss 7 cm +/- 1 cm seitlich der Trennlinie erfolgen, der Ausstich in der Bauchhöhle 4 cm +/- 0,5 cm seitlich der Trennlinie. Der Klassifizierer muss die Sonde waagrecht führen. Die Überprüfung, ob die Messstelle innerhalb der Toleranzen liegt, erfolgt mit Hilfe eines Lineals.

Fazit:

Durch die unangekündigten Kontrollen in den fünf melde- und klassifizierungspflichtigen Schlachtbetrieben im Regierungsbezirk Tübingen für Schweine sorgen die Landesprüfer für Markttransparenz auf dem Fleischmarkt. Diese fünf Schlachtbetriebe decken ca. 90 % aller im Bezirk gewerblich durchgeführten Schlachtungen ab. Jeder Betrieb wird mindestens zweimal pro Quartal kontrolliert. 

Die Landesprüfer tun aber noch mehr!

Daneben sind die Landesprüfer des Regierungspräsidiums auch für die Marktüberwachung in den Bereichen Rindfleisch, Eier, Geflügel und Fisch zuständig. 

Eine weitere Aufgabe ist auch die Zulassung der neutralen Klassifizierer, welche in den Schlachtbetrieben die Einteilung der Schlachtkörper in Handelsklassen durchführen. Diese Einteilung dient wiederum als Grundlage für die amtliche Preismeldung. 

Die Veröffentlichung der Ergebnisse der amtlichen Preismeldung erfolgt übrigenswöchentlich und ist in den Tageszeitungen, in der Fachpresse und im Infodienst der LEL Baden-Württemberg nachzulesen.

Eindrücke der Redaktion:

Wir haben es nicht bereut, unsere Kollegen einen Tag zu begleiten und waren beeindruckt, mit welchem Respekt den Landesprüfern im Schlachthof begegnet wird. Trotzdem sind wir sehr, sehr gerne, an unseren Schreibtisch zurückgekehrt. Der vorliegende Beitrag ist die Grundlage für einen Bericht zur Arbeit der Landesprüfer Vieh, Fleisch , Eier und Geflügel für die landwirtschaftliche Fachpresse und voraussichtlich auch zur Information über die Arbeit der Landesprüfer auf die Homepage des Regierungspräsidiums Tübingen.

Silvia Langer und Dr. Daniel Hahn (Fotos)