In der Diskussion: Die neue Düngeverordnung

Matthäus Ströbele

Referat 33 - Pflanzliche und tierische Erzeugung

Moderne Gülle-Ausbringung mit verlustarmer Ausbringungstechnik
© Matthäus Ströbele, Regierungspräsidium Tübingen

Die neue Düngeverordnung (DüV) – Gründe der Änderung und was steckt dahinter?

vom Matthäus Ströbele, Referat 33


Nach jahrelangen Diskussionen wurde die neue Düngeverordnung im Juni 2017 verabschiedet und im Gesetzblatt veröffentlicht. Sie löst die Düngeverordnung von 2006 ab, die somit über elf Jahre Gültigkeit hatte.

Die Düngeverordnung ist die bedeutendste Maßnahme zur Umsetzung der Nitratrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie und trägt wesentlich zur Minderung der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft bei. Nach Vorgaben der NERC-Richtlinie (Nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe) müssen die Ammoniakemissionen in Deutschland um 29 Prozent abgesenkt werden. Dies führte zu wesentlichen Änderungen im Bereich der Ermittlung der zulässigen Düngemengen, bei den Sperrfristen für die Anwendung von Stickstoffdüngern während der Herbst- und Wintermonate, bei notwendigen Lagerkapazitäten für Düngemittel und der Ausbringtechnik.

Dies hat erhebliche Auswirkungen für die landwirtschaftlichen Betriebe.

Der Düngebedarf der jeweiligen Kulturen ist künftig nach bundeseinheitlichen Vorgaben für das tatsächlich erreichbare Ertragsniveau einer Kultur zu ermitteln und zu dokumentieren. Die neu festgelegten flexiblen kultur- und standortspezifischen Stickstoffobergrenzen dürfen bei der Düngung nicht überschritten werden.

Die Sperrfristen für die Anwendung stickstoffhaltiger Düngemittel werden deutlich ausgedehnt. Nach der Ernte im Sommer dürfen, abgesehen von wenigen Ausnahmen, bis Ende Januar des nächsten Jahres keine stickstoffhaltigen Düngemittel ausgebracht werden. So wird die Gefahr der Auswaschung des Stickstoffs in das Grundwasser verringert.

Um die düngefreie Zeit von der Ernte bis Januar des nächsten Jahres und die flexiblen Obergrenzen einhalten zu können sind für Gülle und Jauche sowie feste und flüssige Gärreste entsprechende Lagerkapazitäten erforderlich. Als Mindestlagerkapazität für diese Stoffe wurden erstmals in der DüV sechs (bei hohem Viehbesatz neun) Monate vorgeschrieben.

Flüssige organische Düngemittel wie Gülle oder Gärreste müssen zur Verminderung der Ammoniakemissionen auf unbestelltem Ackerland kurzfristig eingearbeitet werden und dürfen auf bestelltem Ackerland ab Februar 2020 nur noch streifenförmig auf den Boden aufgebracht oder direkt in den Boden eingebracht werden. Auf Grünland gilt dies ab Februar 2025. Der Einsatz von Geräten, die nicht dem Stand der Technik entsprechen, wird sofort verboten.

Zur Einhaltung der komplexen Vorgaben wird künftig ein effizientes Düngemanagement unumgänglich sein. In vieh- und biogasstarken Regionen wie Ravensburg oder Biberach im Regierungsbezirk Tübingen kann es dabei zu Problemen und Engpässen kommen, wenn die notwendige Fläche oder Lagerkapazität fehlen, um den anfallenden organischen Dünger ordnungsgemäß zu verwerten.

Hier ist gute Beratung im Vorfeld gefordert um die aufkommenden Probleme zu meistern. Dies bringt eine höhere Belastung für die Landwirte wie auch für die Berater vor Ort in der Verwaltung mit sich. Das Regierungspräsidium Tübingen unterstützt die Unteren Landwirtschaftsbehörden bei der einheitlichen Umsetzung und klärt offene Fragen mit dem Ministerium Ländlicher Raum und den Landesanstalten.