Weltfrauentag



Weltfrauentag – 8. März 2018

Entwicklung und einige Gedanken dazu.

von Denise Dietz, ehemalige stellvertretende Beauftragte für Chancengleichheit

Anmerkung der Redaktion: Da der Beitrag bereits im März in der mima-Redaktion einging, die Herausgabe aber erst jetzt im Juni erfolgte, veröffentlichen wir diesen Beitrag in dieser Ausgabe trotzdem. Zum einen hat der Inhalt auch drei Monate später noch seine Gültigkeit und zum anderen soll sich niemand umsonst Arbeit gemacht haben...


Entwicklung des Weltfrauentags

Der Internationale Frauentag entstand aus einer Initiative sozialistischer Organisationen. So griff die deutsche Sozialistin Clara Zetkin eine Idee aus den USA auf.
Die Sozialistische Partei Amerikas gründete 1908 ein Nationales Frauenkomitee, welches einen speziellen „Kampftag“ für das Wahlrecht für Frauen ins Leben rufen sollte. Der besondere Tag wurde am 28. Februar 1909 begangen und war ein großer Erfolg, weil sich der Aktion bürgerliche Frauenrechtlerinnen anschlossen und die Einführung eines Frauenwahlrechts forderten.

Um der internationalen Ausrichtung Nachdruck zu verleihen, trugen Clara Zetkin und Käte Duncker die Forderung bei der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 vor.

Wahlrecht für Frauen 1918

Ein erster Frauentag in Europa fand am 19. März 1911 in Dänemark, Österreich-Ungarn, der Schweiz und in Deutschland statt. Auch dieser Tag stand ganz im Zeichen der Einführung eines Wahlrechts für Frauen.

Während der Verwerfungen des 1. Weltkrieges geriet auch der Frauentag aus dem Fokus und schien in Deutschland am 12. November 1918 obsolet geworden zu sein, da an jenem Tag die provisorische Reichsregierung aus SPD und USPD ein Wahlrecht für Männer und Frauen im Alter von über 20 Jahren einführte.

Festlegung auf den 8. März

In sozialistischen Kreisen hatte indes der Frauentag sogar an Bedeutung gewonnen. Am 8. März 1917* beteiligten sich zunehmend Arbeiter- und Soldatenfrauen sowie Bäuerinnen in Sankt Petersburg an den seit Februar stattfindenden Großdemonstrationen und bestreikten die Rüstungs- und Munitionsfabriken, es wurde Arbeiterräte gewählt – die Februarrevolution begann (*Zeitrechnung des julianischen Kalender = 23. Februar 1917).

Basierend auf diesen Ereignissen wurde der 8. März bei der 2. Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau als festes Datum für den Frauentag bestimmt. In Deutschland wurde der Frauentag erst wieder am 8. März 1926 gefeiert, während der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 jedoch verboten.

Frauentag im geteilten Deutschland und nach der Wiedervereinigung

Nach Kriegsende wurde er bereits 1946 in der damaligen sowjetischen Besatzungszone wieder eingeführt und in der späteren DDR beibehalten. In der westlichen Zone wurde der Tag ab 1948 wieder gefeiert, hier standen die Themen „Bewahrung des Friedens“ und „Kampf gegen die Wiederbewaffnung der BRD“ im Fokus.

In der Bundesrepublik verlor der Frauentag zunehmend an Bedeutung, was sich erst in den 1960er-Jahren mit dem Engagement der neuen Frauenbewegung änderte, die vor allem die Gleichberechtigung in den Mittelpunkt stellte.

Da nach der Wiedervereinigung noch Bedenken gegen die Übernahme des DDR-Feiertages herrschten, dauerte es bis 1994, bis der Weltfrauentag im vereinigten Deutschland wieder eine größere Aufmerksamkeit bekam.

Der Frauentag 2018 steht ganz im Zeichen von 100 Jahren Frauenwahlrecht!

Baden-Württemberg damals und heute?

Elisabeth Eleonore Anna Justine „Elly“ Heuss-Knapp (1881 - 1952) ließ sich bereits 1919 als Kandidatin für den Reichstag aufstellen – die erste Wahl, bei der auch Frauen ein Stimmrecht hatten. Ohne Wahlwerbung für einzelne Parteien zu machen, kämpfte sie dafür, gezielt Frauen für die Kandidatur anzusprechen. 1946 wurde sie als eine von 9 weiblichen Abgeordneten in den ersten Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Sie arbeitete im sozial-politischen Ausschuss und setzte sich für kleinere Schulklassen ein sowie dafür, dass die schulpflichtigen Kinder jeden Tag wenigstens eine Mahlzeit bekamen. Elly wirkte gemeinsam mit ihrem Mann an der Gründung des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung im Juni 1949 in Wiesbaden mit und wurde Vizepräsidentin der Organisation. Ebenfalls 1949 legte sie ihr politisches Mandat nieder und folgte ihrem Mann, Theodor, nach Berlin, um diesen bei seiner Arbeit als Bundespräsident zu unterstützen. Dies hielt sie jedoch nicht von ihren Aktivitäten und auch nicht von der Gründung des Deutschen Müttergenesungswerks ab.

Mit der Landtagswahl im März 2016 und dem anschließenden Abschluss des Koalitionsvertrags war erneut die Hoffnung verbunden, mehr Frauen als Abgeordnete für den Landtag zu gewinnen. Während die „Frauenquote“ beim 1. Landtag 1946 bei 9 Prozent lag, nach einer kurzen Aufbauphase im 15. Landtag wieder auf 18,1 Prozent fiel, liegt der Frauenanteil in der 16. Wahlperiode bei 24,5 Prozent. Der baden-württembergische Landtag hat den niedrigsten Frauenanteil aller Landesparlamente in Deutschland. Die Bestrebungen, den Frauenanteil mittels einer Wahlrechtsreform zu erhöhen, sind nunmehr ins Stocken geraten und zeigen uns, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht – ob nun mit oder ohne Wahlrechtsreform. Vorbilder, die zeigen, dass sich Anstrengung lohnt und Früchte trägt, haben wir in jedem Fall.