BfC - Beruf & Familie

Interview der BfC:
„Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie“

Im Rahmen unserer Interviewreihe „Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ hat Herr Oliver Seiler, Referat 45, Autobahnmeisterei Ulm Dornstadt, unsere Fragen wie folgt beantwortet.

 

Welche Beweggründe hatten Sie in Elternzeit zu gehen?

Seiler: Vor allem wollte ich meine Frau unterstützen - und noch mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen!

Haben Sie schon mehrmals Elternzeit in Anspruch genommen?

Seiler: Ja, dies ist das zweite Mal! Das erste Mal habe ich vor 6 Jahren bei meinem Sohn mit dem 13 und 14 Monat.

Bei meiner Tochter habe ich im November 2017 den ersten Monat Elternzeit genommen. Jetzt im November 2018 gehe ich wieder in Elternzeit, wenn sie 13 Monate alt ist.

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie während der Elternzeit gemacht?

Seiler: Positive Erfahrungen sind hier eigentlich, dass man sehr viel Zeit mit seinem Kind verbringen kann und es viel besser kennen lernt. Was ich im Übrigen sehr genossen habe. Denn dies hat es leider bei meinen Eltern so nie gegeben. Resultat: eine super Vater-Sohn-Beziehung! Positiv war auch, dass ich meine Frau mit unterstützt habe in allen Bereichen und hier die Familie auch entlastet habe.

Negativ sind hier eigentlich nur Kommentare gewesen, warum man sich dies als Mann antut!! Und als sehr ärgerlich fand ich auch ganz aktuell die Entscheidung vom LBV Fellbach, dass man in der Elternzeit (1 Monat ), die rückwirkend auf den Geburtstag des Kindes gewährt wird, nicht beihilfeberechtigt beim Beantragen der Geburtspauschale von € 250,- ist. Dass man, wenn man schon einmal etwas vom Staat bekommen könnte, als Beihilfeberechtigter auch noch über den Tisch gezogen wird, empfinde ich als sehr ungerecht. Hätte ich die Elternzeit ab de, 2. Monat beantragt, dann würde ich die Pauschale erhalten. Dies habe ich als sehr negativ empfunden im so genannten kinderfreundlichen Bundesland Baden Württemberg.

Hat die Inanspruchnahme der Elternzeit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflußt? Sieht man(n) manche Dinge anders?

Seiler: Da wir bei uns im Dienstsitz einen super Dienststellenleiter haben, der uns Mitarbeitern auch in der Elternzeit sehr viel entgegen kommt, fällt es bisher recht leicht, dies alles zu managen.

Man sieht viele Sachen entspannter als früher! Und man erkennt: Es gibt „wichtigere“ Dinge im Leben!! Zum Beispiel, wenn man heimkommt und einen strahlende Kinderaugen empfangen.

Hat sich Ihr Arbeitsumfeld nach der Rückkehr aus der Elternzeit Ihnen gegenüber verändert?

Seiler: Nein! Da ich ja nur eine kurze Elternzeitphase hatte. Meine Tätigkeit ist dieselbe geblieben.

Wie haben Ihr berufliches und privates Umfeld auf die Entscheidung zur Inanspruchnahme der Elternzeit reagiert?

Seiler: Da ich der erste bei mir in der Dienststelle war, der Elternzeit in einem Männerbetrieb genommen hat, erstaunlich gut. Es wurde akzeptiert! Heutzutage haben bei uns alle Elternzeit bis auf eine Ausnahme genommen.Privat waren sehr viele überrascht, zumindest diejenigen, die mich gut kennen.Es gab Kommentare wie :"Das hätte ich von Dir nicht gedacht“! oder "Du Elternzeit - ist das dein Ernst?“. Ich sagte dann nur: „Auch Männer können sich ändern“!!!

Was sagt Ihre Frau dazu?

Seiler: Meine Frau hat mit meiner Entscheidung, als Mann Elternzeit zu nehmen, eigentlich nichts damit zu tun! Sie hat mich nur einmal hierüber angesprochen, ob dies was für mich wäre! Ich finde, so eine Entscheidung muss jeder für sich selbst treffenAuf jeden Fall hat sie sich dann im Anschluss darüber sehr gefreut.

Was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung einer familiengerechten Arbeitsgestaltung?

Seiler: Da wir hier auf einer Dienststelle leider nicht die Möglichkeiten wie im "Tübinger Mutterhaus" mit einer Tapsi-Gruppe inkl. Kinderbetreuung etc. haben, bin ich hier aber über die kulante Arbeitszeitregelung bei Problemen im familiären Bereich durch unsere Dienststellenleitung mehr als zufrieden.

Herr Seiler, ganz herzlichen Dank, dass Sie uns Ihre Erfahrungen mitgeteilt haben!