Controlling

Leistungsvergleiche in der öffentlichen Verwaltung

Der Mensch vergleicht und misst sich gerne mit anderen. Das tut er beim Sport, im Alltag und im Beruf. Der erste Vergleich gilt dem Wecker mit der inneren Uhr, der zweite dem Gesicht im Badezimmerspiegel mit dem Bild, das wir von uns selbst haben. Abends amüsieren wir uns bei einer der vielen Castingshows – einer Vergleichssendung. Vergleichen ist ein Grundmuster unseres Denkens.

Nicht anders verhält es sich in der Politik, bei Unternehmen und auch in der öffentlichen Verwaltung. Selbst im Grundgesetz findet man Regelungen zu Leistungsvergleichen (auch Benchmarking genannt).So wird in Artikel 91B Absatz 2 Grundgesetz die Zusammenarbeit von Bund und Ländern bei internationalen Bildungsvergleichen zugelassen: „Bund und Länder können auf Grund von Vereinbarungen zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens im internationalen Vergleich und bei diesbezüglichen Berichten und Empfehlungen zusammenwirken." (z. B. PISA-Vergleichsstudien)

Im Artikel 91d Grundgesetz wird die Zusammenarbeit von Bund und Ländern bei der Durchführung von Leistungsvergleichen ihrer Verwaltungen erlaubt: „Bund und Länder können zur Feststellung und Förderung der Leistungsfähigkeit ihrer Verwaltungen Vergleichsstudien durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen."

Weitere Beispiele gibt es auf der kommunalen und europäischen Ebene.

Was bedeutet Benchmarking? Die einfachste Übersetzung dieses Begriffs wäre „Verbesserung durch Lernen von anderen.“. Das Online-Verwaltungslexikon definiert Benchmarking wie folgt:

Mit der Einführung der neuen Steuerungsinstrumente beim Land Baden-Württemberg im Jahr 2000 war auch ein überbehördlicher Vergleich durch Benchmarking vorgesehen. So sind z. B. Leistungsvergleiche in den Bereichen Justiz, Polizei, Finanzverwaltung und Kultusministerium inzwischen Alltag.

Die Regierungspräsidien vereinbarten im Jahr 2008 in ausgewählten Bereichen Leistungsvergleiche. Für diese Bereiche werden den Führungskräften im Führungsinformationssystem Berichte zur Verfügung gestellt.

Zwei Beispiele für Leistungsvergleiche:

  • RP-Vergleich bzgl. dem Anteil der im Querschnittsbereich beschäftigten Arbeitskräfte (ohne Landesbetriebe), Stand Dezember 2017.
  • Leistungsvergleiche im Bereich Querschnitt (Referate 11 bis 13), Stand September 2018.


Mit Leistungsvergleichen will man niemanden an den Pranger stellen. Vielmehr setzen Vergleiche Impulse zum Besserwerden – auch wenn es manchmal weh tut. Viele verwechseln Benchmarking mit einem Schönheitswettbewerb oder Schaulaufen der Besten. Benchmarking-Prozesse sind daher nie frei von Eitelkeiten. Wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Benchmarking sind aber der Mut und die Bereitschaft, Fehler einzugestehen, Defizite aufzudecken und anzugehen. Nur wer bereit ist, seine Schwächen zu erkennen, kann vom Benchmarking profitieren.