Gefährdungsbeurteilung

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Warum soll eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen im Regierungspräsidium Tübingen durchgeführt werden?

Die Beurteilung aller Gefährdungsfaktoren durch die Arbeit, so auch der psychischen Belastungen, ist im Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben. Das Ziel ist es, herauszufinden, welchen Belastungen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Regierungspräsidiums bei ihrer täglichen Arbeit ausgesetzt sind. Diese Belastungen sollen möglichst minimiert werden, so dass die Gesundheit jeder Mitarbeiterin und jedes Mitarbeiters erhalten bzw. gefördert wird. Die meisten Gefährdungsfaktoren wie beispielsweise ergonomische Bedingungen wurden im Regierungspräsidium Tübingen bereits durch den Arbeitsschutz beurteilt, zum Beispiel durch die routinemäßigen Arbeitsplatzbegehungen. Die Beurteilung der psychischen Belastungen steht jedoch noch aus und soll durch eine anonyme Mitarbeiterbefragung im gesamten Regierungspräsidium Tübingen erfolgen.

Wo treten psychische Belastungen in der Arbeitswelt typischerweise zutage und was sind die Konsequenzen für die Gesundheit?

Psychische Belastungen können aus der Arbeitsaufgabe (z. B. hohe Verantwortung), der Arbeitsorganisation (z. B. Zeitdruck), den soziale Beziehungen (z. B. Konflikte) und der Arbeitsumgebung (z. B. schlechte Beleuchtung) entstehen. Wirken sich diese Belastungen negativ auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des oder der Einzelnen aus, so ist dies ein Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit des oder der Einzelnen.

Es können dann Symptome wie schlechter Schlaf, Niedergeschlagenheit oder Gereiztheit auftreten. Halten die Beanspruchungen dauerhaft an, so steigt das Risiko, eine psychische Erkrankung wie eine Depression oder Angsterkrankung zu entwickeln.

Haben psychische Belastungen in der Arbeitswelt in den letzten Jahren zugenommen?

In den letzten Jahren durchläuft die Arbeit einen starken Wandel. Dazu gehören insbesondere die Zunahme an unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, die Globalisierung und die Zunahme von Beschäftigten im Dienst-leistungssektor, die besonderen psychischen Anforderungen ausgesetzt sind wie beispielsweise ständiger Erreichbarkeit. Dazu kommt die Digitalisierung. Dies sind Belastungsfaktoren, die in den letzten Jahren zu einer Zunahme psychischer Beanspruchung am Arbeitsplatz geführt haben.

Was versteht man eigentlich genau unter psychischen Belastungen?

Unter psychischen Belastungen versteht man alle Einflüsse, die von außen auf uns Menschen psychisch einwirken, also auf unsere Wahrnehmung, unser Denken und unsere Gefühle. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich diese Belastungen negativ auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit auswirken müssen. Sie sind zunächst einmal Risikofaktoren für Wohlbefinden und Gesundheit. Unter den Belastungen leiden wir meist dann, wenn wir momentan nicht ausreichend persönliche Ressourcen zur Verfügung haben, um mit den Belastungen konstruktiv umzugehen. Man spricht dann von einer sogenannten „Beanspruchung“.

Jemand, der in der Arbeit unter starkem Zeitdruck steht (Belastung), könnte persönlich Stress empfinden (Beanspruchung), weil er momentan keine Möglichkeiten hat oder sieht, mit dem Zeitdruck umzugehen.

Eine andere Person, die dem gleichen Zeitdruck ausgesetzt ist, erlebt durch ihre Ressourcen wie Zeitmanagementstrategien oder soziale Unterstützung von den Kollegen und Kolleginnen weniger Stress.

Wie soll die Befragung durchgeführt werden. Können Sie bitte das Procedere beschreiben.

Vom 05. - 30.11.2018 wird es eine Onlineumfrage mit einem wissenschaftlich geprüften Fragebogen geben, der die typischen Belastungen und Beanspruchungen durch die Arbeit erfasst. Für diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die keinen Computerzugang haben, werden Papierversionen des Fragebogens zur Verfügung gestellt, die sie direkt an den externen Dienstleister per Post in einem frankierten und adressierten Rückumschlag zurückschicken können.

Durch einen persönlichen Zugangscode, den jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin erhalten wird, ist eine hohe Anonymität bei der Befragung gewährleistet. Für diejenigen, die den Fragebogen online beantworten, wird unmittelbar nach der Befragung ein persönliches Feedback zu den eigenen Belastungen und Beanspruchungen am Bildschirm zu sehen sein. Dieses Feedback ist nur für einen persönlich und kann von keiner weiteren Person eingesehen werden. Dieses Ergebnis kann bei Interesse später mit den Ergebnissen des eigenen Referats, der eigenen Abteilung und mit denen des gesamten Regierungspräsidiums Tübingen verglichen werden.

Warum wird die Befragung durch einen externen Auftraggeber durchgeführt?

Die Befragung wird durch die „Freiburger Forschungs-stelle für Arbeitswissenschaften (FFAW)“ durchgeführt. Dies hat den Vorteil, dass die Daten der Mitar-beiterinnen und Mitarbeiter gar nicht bei uns ins Haus kommen, sondern direkt nach Freiburg gehen. Es ist also ausgeschlossen, dass jemand aus dem Regierungspräsidium Tübingen Zugang zu den Antworten einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommt.

Der Datenschutz ist geprüft und gewährleistet, da auch der externe Dienstleister die einzelnen Daten nicht auf einzelne Personen zurückführen kann. Das FFAW-Team um Herrn Dr. Nübling hat bereits viele Unternehmen und Behörden bei der Beurteilung psychischer Belastungen unterstützt, so auch das Regierungs-präsidium Freiburg, und stützt sich auf viel wissenschaftliche und praktische Erfahrung in der Thematik.

Wie wird ausgewertet und wer bekommt die Ergebnisse?

Die Ergebnisse werden ausschließlich auf Mittelwertebene ausgewertet, d. h., es müssen die Ergebnisse von mindestens fünf Personen zusammengefasst werden und daraus der Durchschnitt berechnet werden. So kann es keinerlei Rückschlüsse auf Einzelpersonen geben! Diese durchschnittlichen Werte werden dann mit einer sogenannten „Referenzdatenbank“ verglichen, in der die Ergebnisse von sehr vielen anderen Umfragen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen gespeichert sind.

Wir können also schauen, wie belastet und gesund wir im Vergleich zu beispielsweise anderen Verwaltungen sind. Die Ergebnisse des gesamten Regierungspräsidiums werden dann Anfang 2019 dem ganzen Haus zur Verfügung gestellt werden. Die Ergebnisse der einzelnen Abteilungen, Referate und Arbeitsbereiche, die separat ausgewertet werden, gehen dann an die jeweiligen Abteilungen und Referate bzw. Arbeitsbereiche.

Die Befragung liefert eine Art Bestandsaufnahme. Was passiert mit den Ergebnissen?

Zeigen sich im Vergleich zu den Referenzwerten eindeutig hohe Belastungen in bestimmten Bereichen, sollen Maßnahmen abgeleitet werden, um das Risiko einer Schädigung der Gesundheit der Mitarbeitenden zu minimieren. Die Maßnahmen können auf einzelne Referate oder Abteilungen bezogen sein, oder aber auch auf das ganze Haus.

Wie können Maßnahmen aussehen und welche Rolle spielen dabei die Führungskräfte?

Ein Beispiel für einen Belastungsfaktor könnten häufige Unterbrechungen bei der Arbeit durch die eigenen Kollegen und Kolleginnen sein. Eine mögliche Maßnahme, die diesbezüglich abgeleitet werden könnte, wäre z. B. das Einrichten betriebsinterner Sprechzeiten. Auch könnte es sich herausstellen, dass Informationen z. B. innerhalb eines Referats nicht gut weitergegeben werden. Hierzu könnte eine Maßnahme in regelmäßigen Besprechungen und Abspracheterminen bestehen. Da die Führungskräfte für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich sind und damit auch für die Reduktion von Fehlbelastungen, ist es ihre Aufgabe, die Maßnahmen gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erarbeiten und für die Umsetzung der Maßnahmen zu sorgen. Die Führungskraft kann entweder selbst die Moderation zur Ableitung der Maßnahmen übernehmen oder sich bei Bedarf Unterstützung einholen.

Wie wird die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft?

Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird nach ca. zwei Jahren mit dem gleichen Fragebogen erneut überprüft werden. So können wir schauen, ob die Belastungen abgenommen haben. Dazu ist es wichtig, dass die umgesetzten Maßnahmen dokumentiert werden.

Leitet die Befragung in einen länger währenden Prozess über, der auch in der Zukunft fortgeführt wird?

Das Arbeitsschutzgesetz enthält keine Angaben zu einer Frist, innerhalb derer die Gefährdungsbeurteilung wiederholt werden muss. Wenn aber neue potenzielle Gefährdungen auftreten, sich Arbeitsabläufe ändern oder besonders hohe Fehlzeiten aufgrund arbeits-bedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen abzeichnen, ist eine anlassbezogene Gefährdungsbeurteilung durch-zuführen.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) schreibt eine erneute Gefährdungsbeurteilung nach fünf Jahren vor. Die Gefährdungsbeurteilung ist sicherlich kein einmaliges Ereignis, das man durchführen und dann „abhaken“ und vergessen kann. Ziel ist es schließlich, unsere Arbeit so gesund und sicher wie möglich zu gestalten – und das bedeutet einen kontinuierlichen Prozess! Nicht zuletzt hilft die Gefährdungsbeurteilung dabei, auch die psychische Gesundheit vermehrt zum Thema im RP Tübingen zu machen.