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Integriertes Donau-Programm (IDP)

Integration von Ökologie und Hochwasserschutz - zwei Seiten einer Medaille

Auf dieser Seite finden Sie folgende Themen:

Das IDP und seine Ziele

Das IDP ist das Konzept zur Erhaltung und Weiterentwicklung des Natur- und Lebensraumes an der baden-württembergischen Donau im Einklang mit den Erfordernissen des Hochwasserschutzes.

Hervortretende wasserwirtschaftliche und ökologische Probleme und das Jahrhunderthochwasser von 1990 führten zu einem Umdenken. In Zusammenarbeit mit Fachbehörden, Gemeinden und Fachleuten vor Ort wurde das IDP von den Regierungspräsidien Tübingen (Federführung) und Freiburg entwickelt und vom Ministerrat des Landes Baden-Württemberg im Januar 1992 beschlossen.

Das IDP ist ein lebendiges Programm: es lebt von den Ideen aller Beteiligter und von den fortschreitenden technischen Möglichkeiten.

Das IDP ist ein integratives Programm: es bündelt und konkretisiert die rechtlichen Vorgaben der EU, des Bundes und des Landes und setzt sie fachlich abgestimmt und nachhaltig um.

„Donau 2050“ – Fortschreibung des IDP

Fließgewässer sind zunehmend mit Abflussextremen zwischen Starkregen- und Hochwasserereignissen und langen Trockenheitsphasen mit extremen Niedrigwasserabflüssen konfrontiert. Die daraus resultierenden Stressoren wie z.B. eine stärkere Erwärmung und niedrige Sauerstoffgehalte sowie vermehrt trockenfallende Gewässerabschnitte wirken sich negativ auf die Lebensraumeignung der Gewässer aus.

Vor diesem Hintergrund soll das IDP zur Erhaltung der Gewässervitalität sowie zur Entwicklung eines resilienten Donausystems fortgeschrieben werden. Mit einem ganzheitlich zu erarbeitenden Konzept soll ab 2025 eine zukunftsorientierte Handlungsgrundlage für die Wasserwirtschaft, entsprechend den Zielen der EG-WRRL, und integrativ auch den Naturschutz erstellt werden.

Ziel ist eine naturnahe Gewässer- und Aueentwicklung mit stabilen und tragfähigen Auenstandorten, die das Mosaik notwendiger Strukturen im und am Gewässer abbilden.

Lebensraum Donau

Das IDP hat Maßstäbe gesetzt:

Nach Begradigungen und Ausbaumaßnahmen ist die frühere Flusslandschaft im Donautal größtenteils verschwunden. Zahlreiche Staubereiche und Querbauwerke schränken den Lebensraum und die Wanderungsmöglichkeiten der Fische und anderer Wassertiere ein.
Hier setzen die derzeit 78 Maßnahmen zur Gewässerstruktur, 73 Maßnahmen zur Durchgängigkeit sowie 5 daraus kombinierte Maßnahmen an: der Lebensraum in und an der Donau soll wiederhergestellt werden. Ein Anteil von etwa 65 Prozent dieser Projekte ist bereits verwirklicht.

Erstes Ziel ist, den guten ökologischen Zustand gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen. Mit den IDP-Maßnahmen sind wir für die erforderliche Anpassung an die EU-Wasserrahmenrichtlinie bestens gerüstet.

(Bild: Datthausen Aufweitung)


Hochwassermanagement

Das IDP hat Maßstäbe gesetzt:

Bereits in den Jahren 1997-2002 wurde für die gesamte baden-württembergische Donau auf Grundlage einer Laserbefliegung eine Risikoanalyse erarbeitet.
Als Grundlage für das aktuelle Hochwasserrisikomanagement an der Donau dient die EU Hochwassermanagement Richtlinie. Es stehen an der kompletten Donau in Baden-Württemberg Hochwassergefahrenkarten zur Verfügung, die den Nutzer über die Betroffenheit im Hochwasserfall informieren.

(Kuchen-Grafik)

Technischer Hochwasserschutz:

Die Risikoanalyse bildete die Basis für das Gesamtkonzept für den Hochwasserschutz an der baden-württembergischen Donau. Es enthält 69 technische Maßnahmen in 23 Gemeinden. Ziel ist ein 100-jährlicher Hochwasserschutz für die Ortslagen. Der Großteil der Hochwasserschutzmaßnahmen konnte in den vergangenen 20 Jahren umgesetzt werden.
Nun gilt es noch vorhandenen Lücken in der Schutzkulisse zu schließen und den bestehenden Hochwasserschutz an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen.

Flächenmanagement:

Weiteres Ergebnis der Risikoanalyse sind die Pegelbezogenen Hochwassergefahrenkarten und die Hochwassersteckbriefe, Wegbereiter der landesweiten Hochwassergefahrenkarten. Zusammen mit den ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten bilden sie die Grundlage für die Flächenvorsorge im Hochwasserschutz.

Hochwasservorsorge:

Die im Jahr 2004 gegründete Hochwasserpartnerschaft Donau bringt Ober- und Unterlieger zusammen. Sie bildet ein Netzwerk zum Erfahrungsaustausch und zur Vorbereitung auf das Hochwasser.

Der Hochwasseraktionsplan Donau fasst alle Maßnahmen im Hochwasserschutz an der Donau zusammen. Mit diesen Bausteinen sind wir für die erforderliche Anpassung an die EU – Hochwassermanagementrichtlinie bestens gerüstet.

Hochwasser-Partnerschaft Donau:

Die Hochwasserpartnerschaft ist Teil der Hochwasservorsorge. Sie umfasst alle 40 Städte und Gemeinden, die Landratsämter Schwarzwald-Baar-Kreis, Tuttlingen, Sigmaringen, Biberach, Alb-Donau-Kreis und den Stadtkreis Ulm, die Regierungspräsidien Freiburg und Tübingen, drei Regionalverbände, die Industrie- und Handelskammern, die Gebäudeversicherung und das Kompetenzzentrum Wasser und Boden in der KEA-BW (Klima- und Energieagentur Baden-Württemberg).

Es geht darum, dass sich die zahlreichen Akteure gezielt auf das Hochwasser vorbereiten und im Ernstfall als Partner reibungslos zusammenarbeiten. Dazu ist ein regelmäßiger, in der Regel jährlicher Erfahrungsaustausch notwendig. 


Renaturierung

Natura 2000

Das Europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000 soll die biologische Vielfalt in der Europäischen Union langfristig erhalten. Die FFH-Richtlinie (Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt, Habitat = Lebensraum) bildet ein Netz von natürlichen und naturnahen Lebensräumen und besonderer Vorkommen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. EU-Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie bilden zusammen das Europäische Schutzge-bietsverbundsystem NATURA 2000.

NATURA 2000 umfasst die gesamte baden-württembergische Donau, da sie insgesamt als FFH-Gebiet gemeldet ist. Zusätzlich schützt die EU-Vogelschutzrichtlinie die beiden Durchbruchstrecken oberhalb von Sigmaringen-Laiz und zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen.

Bild: Eisvogel an der Donau (Nils Heyde)

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL)

Die EU-WRRL fordert das Erreichen eines guten ökologischen Zustands in allen natürlichen Gewässern wie etwa der Donau. Die Defizite insbesondere in der Gewässerstruktur, aber auch bei der biologischen Durchgängigkeit, müssen in kurzer Zeit abgebaut werden. Die dazu erforderlichen Maßnahmen werden im Rahmen des IDPs aufgestellt und verfolgt. Derzeit befinden wir uns im dritten Bewirtschaftungszyklus der Richtlinie, welcher noch bis 2027 andauern wird.

Die EU-WRRL startete im Dezember 2000. Das schon 1991 begonnene IDP hat dieselben Ziele und unterstützt die EU-WRRL maßgeblich. Deshalb sind wir hier schon vor der
EU-WRRL ein gutes Stück des Weges zum guten ökologischen Zustand der Donau gegangen.

Kartenangebot der Landesanstalt für Umwelt BW zur WRRL

Verbesserung der Struktur

Struktur im landläufigen Sinn zielt auf das Aussehen, die Oberfläche, den Aufbau eines Gegenstandes. Der Begriff „Gewässerstruktur“ definiert sich durch neun Elemente, von denen fünf direkt das Gewässer mit Ufer und vier die angrenzende Aue beschreiben. Das Gewässerbett gliedert sich in Linienführung, Uferverbau, Querbauwerke, Bauwerke zur Regulierung des Abflusses und Uferbewuchs. Die Aue wird durch Hochwasserschutzbauwerke, die Möglichkeit des Ausuferns, die Nutzung und den Zustand der Uferstreifen außerhalb des unmittelbaren Uferbewuchses beschrieben. 

Detaillierte Geländeaufnahmen führen schließlich zur Vergabe von Strukturklassen, die wie die Gewässergüteklassen in einer 7-teiligen Skala dargestellt werden:

Fasst man die aktuellsten Erhebungen grob zusammen, so fließt die Donau lediglich zu etwa 21 Prozent in einem strukturell den Zielen entsprechenden Zustand. Diese naturnahen Abschnitte finden wir vor allem in den Ursprungstälern unterhalb von Tuttlingen bis Thiergarten sowie unterhalb von Riedlingen bis Obermarchtal. Die restlichen 79 Prozent zeigen eine deutlich durch den Menschen beeinträchtigte oder gar naturferne Gewässerstruktur.

Verbesserung der Durchgängigkeit

Viele Fischarten sind im Laufe ihres Lebens auf Wanderbewegungen angewiesen. Bekannte Beispiele sind der Lachs und der Aal, welche in der Donau allerdings nicht heimisch sind.
Aber auch hier gibt es „Wanderfische“, die in ihrem Lebenszyklus zwar nicht das Schwarze Meer aufsuchen, sondern kürzere Strecken zurücklegen. Beispiele sind der ursprünglich vorkommende Huchen, die Barbe sowie die Nase. Sie müssen im Verlauf ihres Lebenszyklus´ Ortswechsel vornehmen, da sie zwischen den Kieselsteinen im schwach überströmten und sauerstoffreichen Wasser aus den Eiern schlüpfen, aber ihren Lebensraum als adulte Fische oftmals viele Kilometer entfernt in tiefen Gumpen finden.
Nahezu alle Fische der Fließgewässer und auch kleinere Wassertiere haben Probleme mit Wehren, Abstürzen und sonstigen Barrieren in ihrem Lebensraum. Dazu gehören auch Staustrecken, in denen das Wasser sehr langsam fließt oder gar steht.

Die Maßnahmendokumentation der WRRL führt an der baden-württembergischen Donau derzeit 36 Wanderungshindernisse, vorwiegend Wasserkraftanlagen, auf. Jedoch können auch landeseigene Querbauwerke wie Wehre oder Pegelanlagen ein solches Hindernis im Fließgewässer darstellen. Im Rahmen des IDP wurden seither dreizehn der Hindernisse so umgebaut, dass sie für Fische und am Gewässergrund lebende Kleintiere überwindbar sind. Achtzehn solcher Anlagen befinden sich in der Planung zum Umbau, fünf konnten zumindest teilweise umgesetzt werden.

Bild: Wehranlage mit naturnahem Fischaufstieg.