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  • Abteilung 9
    24.05.2017
    PFC in der Region Mittelbaden: Blutkontrolluntersuchungen werden vorbereitet - Expertengruppe tagt erstmalig beim Landesgesundheitsamt

    LGA-Präsidentin Dr. Karlin Stark: „Wir haben unverzüglich mit der Planung von Blutkontrolluntersuchungen begonnen und einen Expertenkreis gebildet. Ich freue mich sehr, dass hochkarätige Wissenschaftler und Vertreter der Bürgerinitiative ihre Mitwirkung zugesagt haben"

    Per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belasten Böden in der Region Mittelbaden. Nun sollen genauere Informationen über die PFC-Blutkonzentrationen bei Einwohnerinnen und Einwohnern der Region gewonnen werden. Am Mittwoch, 24. Mai 2017, hat hierzu erstmals eine Expertengruppe beim Landesgesundheitsamt (LGA) getagt.

    Gesundheitsminister Manne Lucha hatte am 23. März 2017 die Erarbeitung eines Studiendesigns für Blutkontrolluntersuchungen und deren anschließende Durchführung in Auftrag gegeben.

    Dr. Karlin Stark, LGA-Präsidentin betonte: „Wir haben unverzüglich mit der Planung von wissenschaftlich begründeten Blutkontrolluntersuchungen begonnen und einen Expertenkreis gebildet, der unsere Vorschläge bewerten und das Landesgesundheitsamt bei der Umsetzung beraten soll. Ich freue mich sehr, dass hochkarätige Wissenschaftler und Vertreter der Bürgerinitiative ihre Mitwirkung zugesagt haben.“

    Neben externen Fachleuten ist im Expertenkreis auch die Bürgerinitiative Kuppenheim vertreten, die das Thema PFC in der Region seit Jahren zivilgesellschaftlich begleitet. Im Kern der vorgesehenen Untersuchungen steht die Frage, wie hoch die Zusatzbelastungen in der betroffenen Region sind und ob die getroffenen Maßnahmen zu einem Rückgang der Belastung führen. Dazu soll zufällig ausgewählten erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohnern kostenfrei eine Blutuntersuchung angeboten werden. Die Blutuntersuchungen sollen von einem erfahrenen Labor durchgeführt werden.

    „Die geplanten Blutkontrolluntersuchungen auf PFC führen nicht zu einer medizinischen Diagnose. Sie sagen auch nichts darüber aus, ob ein bestimmter Gesundheitszustand eingetreten ist oder sich noch entwickeln kann, weil im Blut eine der untersuchten Chemikalien nachgewiesen wurde“, stellte Dr. Karlin Stark dabei klar. Vielmehr, so Stark, ermöglichten sie einen Vergleich der Werte mit den Ergebnissen aus anderen Untersuchungen. „Untersuchte werden wissen, wo sie im Vergleich stehen“, so Stark. Eine erneute Blutkontrolluntersuchung nach drei und sechs Jahren soll darüber Aufschluss geben, wie sich die Belastung im Verlauf entwickelt.

    Als nächste Schritte folgen nun die Abstimmung des Studienplans nach den Beratungen des Expertenkreises. Danach wird der Studienplan dem Landesbeauftragten für den Datenschutz und der Ethikkommission der Landesärztekammer vorgelegt. Sobald alle Gremien ihre Zustimmung gegeben haben, werden die auszuwählenden Gemeinden um eine Zufallsauswahl von Einwohnerinnen und Einwohnern gebeten, die dann zur Untersuchung eingeladen werden.

    Damit möglichst viele der Eingeladenen auch teilnehmen können, so Dr. Stark, werden die ersten Termine nach den Sommerferien stattfinden und voraussichtlich in den Spätsommer und  frühen Herbst fallen.

    Ergänzende Informationen:

    Inwieweit PFC für Menschen gesundheitsschädlich sind, kann aufgrund der Verschiedenartigkeit der PFC-Verbindungen wissenschaftlich noch nicht abschließend beantwortet werden. Der vom Umweltbundesamt im Jahr 2016 festgelegte Humanbiomonitoring I-Wert (HBM I-Wert) für zwei PFC-Verbindungen stellt die Grenze dar, bis zu der davon ausgegangen werden kann, dass nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist. Eine Überschreitung bedeutet jedoch nicht, dass eine konkrete Gesundheitsgefährdung zu befürchten ist. Dies wäre erst bei einem HBM II-Wert, der höher liegt als der HBM I-Wert, der Fall. Einen solchen HBM II Grenzwert gibt es derzeit nicht.

    Verschiedene Studien deuten jedoch auf einen Zusammenhang von PFC-Belastungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Menschen hin. So besteht u.a. der Verdacht, dass einige PFC die Fruchtbarkeit von Frauen und die männliche Spermatogenese negativ beeinflussen können. Es gibt auch Hinweise, dass der Langzeitschutz von Tetanus- und Diphtherieimpfungen abgeschwächt werden könnte. Zudem wurden Wirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel bereits bei relativ niedrigen PFC-Belastungen beschrieben.
    Blutuntersuchungen der Bürgerinitiative Kuppenheim in den Jahren 2015 und 2016 bei 17 bzw. 13 Einwohnerinnen und Einwohnern der Region Mittelbaden lassen nach Auffassung des Landesgesundheitsamt den Schluss zu, dass es dort zu einer Zusatzbelastung durch PFOA gekommen ist, während die Belastung mit der PFC-Verbindung PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) eher auf eine „normale“ Hintergrundbelastung hindeutet.
    Allerdings können aufgrund der geringen Fallzahlen dieser Blutuntersuchungen statistisch keine sicheren Aussagen über das Ausmaß der Belastung in der betroffenen Region getroffen werden.

    Die jetzt geplanten Untersuchungen sind breiter angelegt und sollen bis zu 300 Personen umfassen. Dadurch soll festgestellt werden, in welchem Umfang die Bevölkerung in Mittelbaden einer Belastung durch PFC ausgesetzt ist.
    In Baden-Baden und im Landkreis Rastatt wurden rund 485 Hektar Ackerfläche und infolgedessen teilweise Grundwasser durch PFC-belastete Komposte verunreinigt. Die Bodenkontaminierung führte zu erhöhten PFC-Werten in Trinkwasserproben und in Pflanzen, die auf belasteten Böden angebaut wurden. Das Land hat seit Herbst 2013 Kenntnis von der Verunreinigung. Gemeinsam mit anderen Behörden hat das Land schnell und konsequent gehandelt und mögliche Belastungsquellen über Trinkwasser und andere Lebensmittel abgestellt. An langfristigen Lösungsstrategien zum Umgang mit dem PFC-Schaden wird mit Hochdruck auf verschiedenen Ebenen gearbeitet. 

    PFC ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. Die bekanntesten Vertreter sind die Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und die Perfluoroktansäure (PFOA). PFC werden seit den 1960iger Jahren wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten verwendet: beispielsweise in Outdoor- und Arbeitskleidung, in Imprägniermitteln, für Pappbecher und Pappkartons oder bei der Herstellung von Teflon. Die meisten Menschen kommen heutzutage in ihrem Alltag mit PFC in Kontakt, dementsprechend lassen sich die Substanzen im Blut nachweisen. 
     
    Antworten auf häufig gestellte Fragen zu PFC und zur PFC-Belastung im Landkreis Rastatt finden Sie auf folgender Seite des Regierungspräsidiums Karlsruhe  https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Documents/faq_pfc.pdf.​

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