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Pressemitteilung

Naturschutzgebiete Wacholderberg-Geigerswasen und Hammersbachtal nordöstlich von Westgartshausen feiern 25 Jahre Jubiläum (Landkreis Schwäbisch Hall)

Regierungspräsident Reimer: „In Corona-Zeiten sind Spaziergänge durch Naturschutzgebiete eine tolle Freizeitalternative – aber bitte Rücksicht nehmen und auf markierten Wegen bleiben“

Naturschutzgebiet Hammersbachtal, Oberer Kirchsee

Naturschutzgebiet Hammersbachtal, Oberer Kirchsee

Naturschutzgebiet Wacholderberg-Geigerswasen

Naturschutzgebiet Wacholderberg-Geigerswasen

Naturschutzgebiet Wacholderberg-Geigerswasen

Naturschutzgebiet Wacholderberg-Geigerswasen

Die beiden Naturschutzgebiete Wacholderberg-Geigerswasen und Hammersbachtal nordöstlich von Westgartshausen im Landkreis Schwäbisch Hall feiern dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Daher werden im kommenden Jahr neue Informationstafeln und ein neuer Lehrpfad erstellt. Durch die Flurneuordnung bei Crailsheim-Westgartshausen wurde zusätzlich das Wanderwegenetz für die Besucherinnen und Besucher verbessert.

„Coronabedingt können wir die neuen Informationstafeln und den Lehrpfad erst im kommenden Frühjahr einweihen. Die Informationstafeln und der Lehrpfad sollen Interessierten dabei spannende Informationen rund um die örtliche Tier- und Pflanzenwelt liefern. Bis dahin lohnt sich bereits jetzt in der kalten Jahreszeit durchaus ein Besuch in den Naturschutzgebieten bei Crailsheim. In Corona-Zeiten sind Spaziergänge durch Naturschutzgebiete eine tolle Freizeitalternative – aber bitte Rücksicht nehmen und auf markierten Wegen bleiben,“ sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer anlässlich der Jubiläen.

Hammersbachtal: Mosaik unterschiedlicher Lebensräume
Im neuen Dorfgemeinschaftshaus in Westgartshausen entsteht im Rahmen des Flurneuordnungsverfahrens ein Treffpunkt- und Informationszentrum. Dort können sich Bewohnerinnen und Bewohner sowie Gäste rund um die Themen Flurneuordnung, Sehenswürdigkeiten, Naturschutzgebiete und Landschaftspflege informieren. Von hier sind es nur wenige Minuten zu Fuß ins Naturschutzgebiet Hammersbachtal. Dieses Tal zeichnet sich durch kleinräumig wechselnde Biotope aus. Besucherinnen und Besucher können am Kirchsee mit seinem von Schilf, Schwarzerlen und Weiden gesäumten Ufer verweilen. Talaufwärts schließen sich Erlen-Bruchwald und Großseggenriede an. Ein jetzt durchgängiger Weg führt zum etwas kleineren Oberen Kirchsee. Er birgt eine besonders reiche Pflanzenwelt mit Gelber Schwertlilie und Wasserhahnenfuß. Den Kontrast zu den Feuchtgebieten bilden die Talhänge mit ihren mageren Wiesen, Weiden, Obstbaumwiesen und Hecken. „Hier gedeihen seltene Pflanzen wie Großes Zweiblatt oder Blassgelber Klee. Zahlreiche Vogelarten, Frösche, Kröten, Molche, Schmetterlinge, Heuschrecken und Wildbienen können im Naturschutzgebiet weitgehend ungestört leben und beobachtet werden“, sagte Reimer.

Wacholderberg-Geigerswasen: Größte Wacholderheide im schwäbisch-fränkischen Keuperbergland
An dem nach Süden abfallenden Wacholderberg – im Volksmund Wächeldersberch genannt – hat sich auf dem Untergrund des Gipskeupers durch die Schafbeweidung eine besondere Pflanzenwelt entwickelt. Formenreiche Wacholderbüsche und Feldahorne, knorrige Eichen und Weidbuchen sowie Feldhecken mit Schlehen- und Wildrosenbüschen prägen die Hänge. „Seltene Blütenpflanzen machen das Gebiet besonders wertvoll, darunter Deutscher Enzian, Silberdistel und Sonnenröschen. Viele Vogelarten nutzen Heide und Hecken zur Nahrungssuche oder für die Brut“, betonte der Regierungspräsident. Besucherinnen und Besucher können Baumpieper, Neuntöter und Turmfalke hören oder sehen. Eidechsen, zahlreichen Schmetterlings-, Wildbienen- und Heuschreckenarten dient die Heide als Lebensraum. Während der angrenzende Schlechtenberg aufgeforstet wurde, konnten große Teile des Wächeldersberchs als Naturschutzgebiet bis heute erhalten werden.

Neuer Schäfer im Einsatz
Die Ernennung eines Naturschutzgebiets allein genügt nicht für eine dauerhafte Sicherung der Lebensräume und Artenvielfalt. Wacholderheiden und Magerrasen müssen genutzt und gepflegt werden, damit sie nicht zuwachsen. Ende 2019 hat der Schäfer Marcel Kiefer die Nachfolge von Walter Fenn angetreten, der 35 Jahre lang für die Schafbeweidung in der Umgebung gesorgt hat. Zwei bis drei Mal im Jahr weiden die etwa 500 Schafe von Kiefer den Wacholderberg ab. Das geschieht überwiegend in Hütehaltung, bei der Schäfer und Hütehunde die Herde zusammenhalten. Haben die Schafe einen Großteil des Aufwuchses abgefressen, ziehen sie weiter. Um die verstreut liegenden Weideflächen, zum Beispiel auch im Hammersbachtal, gut zu erreichen, sind bei der Flurneuordnung Triebwege ausgewiesen worden. Die Schafbeweidung ist für den Naturschutz noch aus einem weiteren Grund nützlich. Da Schafe im Fell, im Magen und in den Klauen hunderte von Samen mit sich tragen können, sorgen sie für die Ausbreitung und den genetischen Austausch von Pflanzen- und Tierarten.

Qualitätssicherung in Naturschutzgebieten
Das 25-jährige Jubiläum der Naturschutzgebiete Wacholderberg-Geigerswasen und Hammersbachtal trifft in diesem Jahr mit einer vegetationskundlichen Bestandsaufnahme zusammen. Um eine fundierte Grundlage für die weitere Entwicklung der beiden Naturschutzgebiete zu erhalten, kartieren Biologinnen und Biologen die Vegetation und halten so den Istzustand fest. Durch die Kartierung sollen gesicherte Daten gewonnen und konkrete Maßnahmen zur Optimierung der Nutzung und Pflege empfohlen werden. Am Wacholderberg kann das beispielsweise bedeuten, dass der Beginn und die Dauer der Beweidung neu festgelegt werden, die Beweidung zurückgenommen oder ausgedehnt wird.

Hintergrundinformationen:

Warum müssen Wacholderheiden gepflegt werden?
Der Heidecharakter entstand durch die Schafbeweidung seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Um ihn auf Dauer zu erhalten, ist die Beweidung mit Schafen unverzichtbar. Die Schafe fressen das Gras ab, beugen dem Gehölzwachstum vor und halten die Landschaft offen. Mitgeführte Ziegen fressen dornige Büsche ab. So bekommen die licht- und wärmebedürftigen Pflanzen und Tiere der Heide immer ausreichend Sonnenlicht. Wenn doch einmal zu viel Büsche und Bäume aufgekommen sind und den Schafen das Durchkommen erschweren, lässt die Naturschutzverwaltung die Gehölze roden. Der Gehölzschnitt wird dann abtransportiert, um keinen Düngeeffekt zu verursachen. Der im Naturschutzgebiet gelegene Schafstall, den die Stadt Crailsheim mit Zuschüssen der Naturschutzverwaltung gebaut hat, unterstützt die Schäferei. Hier können die Schafe die Nacht verbringen, kranke oder geschwächte Tiere können sich erholen. Auch zur jährlichen Schafschur im Frühjahr und zum Lagern der Wolle wird der Stall genutzt.

Hinweise für Besucherinnen und Besucher
Beide Naturschutzgebiete können von Westgartshausen zu Fuß erkundet werden. Der Wacholderberg-Geigerswasen liegt nordwestlich, das Hammersbachtal nordöstlich des Ortes. Dank des neuen Wegenetzes lässt sich der Besuch beider Naturschutzgebiete bei einer Rundtour verbinden. Vom Sportplatz geht man Richtung des Schafstalls am Wacholderberg, biegt jedoch vorher rechts ab und wandert durch die Wacholderheiden des Geigerswasens bergauf. Auf der Höhe hält man sich rechts (nach Osten) und durchwandert nach einem kurzen Zwischenstück durch Felder das Naturschutzgebiet Hammersbachtal in einem Bogen vom oberen zum unteren Kirchsee. Zum Schutz der seltenen Tier- und Pflanzenarten müssen Besucherinnen und Besucher innerhalb der Naturschutzgebiete auf den Wegen bleiben, dürfen keine Pflanzen und Tiere entnehmen und kein Feuer machen. Hunde müssen angeleint werden. Reiten, Motorsport und Fluggeräte aller Art sind verboten.