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  • Abteilung 8
    15.12.2020
    Von Himmelsleitern, Terrassen und Ufos
    Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart begleitet Projekt „wohnen 60 70 80. Junge Denkmäler in Deutschland“
     Ausstellung Wohnen 60 70 80 (LAD, A. Dubslaff, 2020)

    ​Die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL) lenkt 2020 mit einem besonderen Projekt die Aufmerksamkeit auf die in Deutschland als Denkmäler erfassten Wohngebäude und Siedlungen der Nachkriegs- und Postmoderne. Das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart hat das spannende Film-, Ausstellungs- und Buchprojekt intensiv begleitet. Fünf Beispiele aus Baden-Württemberg vertreten prominent den Beitrag aus dem Südwesten.

    Die Erfassung junger Denkmäler zählt zu den wichtigen aktuellen Aufgaben der Landesdenkmalämter in Deutschland. Auf einer breiten Materialbasis haben die Experten zahlreiche eindrucksvolle Gebäude der 1960er, 1970er und 1980er Jahre, darunter Einfamilienhäuser, Siedlungen, Hochhäuser und Experimentalbauten, neu in die Forschungsdiskussion eingebracht. Die beispielhaft in einem Film, einer Wanderausstellung samt Infozeitung und einem Buch vorgestellten Gebäude erzählen anschaulich die Geschichte des Bauens und Wohnens in der jungen Bundesrepublik und der DDR. Angesichts der aktuellen Umbauwelle rückt das Projekt eine Architekturepoche in den Fokus, deren Denkmalqualität noch nicht selbstverständlich akzeptiert ist. Film, Ausstellung und Buch „wohnen 60 70 80. Junge Denkmäler in Deutschland“ wollen deshalb ein breites Publikum ansprechen und für diese oft noch unverstandenen Gebäude begeistern.

    Der auf der Internetseite der VDL zu sehende Film von Manuel Bahmer spannt anhand von vier Beispielen das Thema auf: dem strukturalistischen Wohnhaus von Otto Steidle in München, der „sozialistischen“ Siedlung Ernst-Thälmann-Park in Berlin, der postmodernen Saalgasse in Frankfurt und dem sehr ungewöhnlichen, futuristischen Wohnhaus des Architekten Michael Balz bei Stuttgart von 1979/80. Baden-Württemberg ist neben diesem „Ufo auf den Fildern“ auch mit vier weiteren beispielhaften Wohnbauten in der Ausstellung und der Publikation vertreten: Die faszinierende Terrassensiedlung „Im Schneider“ in Waiblingen (Architekten Hans Kammerer, Walter Belz, 1971-72), die „Himmelsleitern“ genannten, sehr ausdrucksstarken Hochhäuser in Hemmingen im Kreis Ludwigsburg (Architekt Paul Stohrer, 1971-74), die frühe Öko-Siedlung „Schafbrühl“ in Tübingen (Architekten J. Eble, B. Sambeth, W. Oed, G. Häfele, 1984-85) sowie die Werkbundsiedlung „Im Dörfle“ in Karlsruhe (div. Architekten, 1978-92), ein exemplarisches Projekt der Stadtrevitalisierung.

    Die Wanderausstellung rückt die überwiegend unbekannten Zeugnisse der Wohnarchitektur dieser drei Jahrzehnte in den Vordergrund. Mit drei Leseinseln für die Besucher, die mit zeittypischem Mobiliar des jeweiligen Jahrzehnts ausgestattet sind, wird das Feeling für die 1960er, 1970er und 1980er Jahre live transportiert. An Leseinseln liegt eine kostenlose Zeitschrift aus, die sich mit leicht verständlichen Texten und mit zahlreichen Fotos an Leserinnen und Leser jenseits des Expertentums wendet.

    Hintergrundinformationen:
    Für Interessierte ist aktuell das gleichnamige Buch „wohnen 60-70-80. Junge Denkmäler in Deutschland“ beim Deutschen Kunstverlag erschienen, das über den Buchhandel für 39,90 Euro erworben werden kann.

    Erarbeitet wurde das Projekt mit Film, Ausstellung und Buch von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Inventarisation der VDL. Coronabedingt muss die Wanderausstellung, deren erster Auftritt auf der Denkmalmesse 2020 in Leipzig geplant war, zunächst verschoben werden. Weitere Termine und Ausstellungsorte werden über die Homepage der VDL bekannt gegeben. Um die Wartezeit zu verkürzen, werden einige Inhalte auch online freigeschaltet. Fotos der Ausstellung sowie die zugehörige Zeitung „wohnen 60 70 80“ stehen auf der Homepage der VDL zum Download zur Verfügung (https://www.vdl-denkmalpflege.de/ausstellungsprojekte). Außerdem können Freunde der Wohnarchitektur der 60er/70er/80er-Jahre auf Instagram unter dem #vdl_denkmalpflege derzeit eine virtuelle Reise durch Deutschland machen.

    Balkone an den sog. Himmelsleitern (LAD, E. Geiger-Schmidt)
    Balkone an den sog. Himmelsleitern (Architekt Paul Stohrer, 1971-74), Hemmingen Baden-Württemberg (Foto: LAD, E. Geiger-Schmidt)

    Haus Balz (Architekt Michael Balz, 1979-80), Leinfelden-Echterdingen, Baden-Württemberg (Foto: LAD, F. Pilz)
    Haus Balz (Architekt Michael Balz, 1979-80), Leinfelden-Echterdingen, Baden-Württemberg (Foto: LAD, F. Pilz)

    Siedlung Schafbrühl (Architekten J. Eble, B. Sambeth, W. Oed, G. Häfele, 1984-85), Tübingen, Baden-Württemberg (Foto: LAD, F. Pi
    Siedlung Schafbrühl (Architekten J. Eble, B. Sambeth, W. Oed, G. Häfele, 1984-85), Tübingen, Baden-Württemberg (Foto: LAD, F. Pilz)

    Siedlung im Schneider (Architekten Hans Kammerer, Walter Belz, 1971-72), Waiblingen, Baden-Württemberg (Foto: LAD, F. Pilz)
    Siedlung im Schneider (Architekten Hans Kammerer, Walter Belz, 1971-72), Waiblingen, Baden-Württemberg (Foto: LAD, F. Pilz)

    Werkbundhäuser im Dörfle (div. Architekten, 1978-92), Karlsruhe, Baden-Württemberg (Foto: LAD, C. Kieser)
    Werkbundhäuser im Dörfle (div. Architekten, 1978-92), Karlsruhe, Baden-Württemberg (Foto: LAD, C. Kieser)




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