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  • Abteilung 5
    17.12.2020
    Naturschutzgebiet Eybtal mit Teilen des Längen- und Rohrachtals feiert 25 Jahre Jubiläum (Landkreis Göppingen)
    Regierungspräsident Wolfgang Reimer: „Das Naturschutzgebiet Eybtal bietet Wanderinnen und Wanderern eine nahezu unverfälschte Natur, die es zu schützen gilt“
     Durch das Felsental (Quelle: Ulrike Kreh)

    ​Vor 25 Jahren hat das Regierungspräsidium Stuttgart das Eybtal bei Geislingen an der Steige zum Naturschutzgebiet ernannt. Dieses Jubiläum nimmt Regierungsprä-sident Wolfgang Reimer zum Anlass auf die Besonderheiten des Gebiets hinzuwei-sen und zugleich an dessen Schutzbedürftigkeit zu erinnern.

    „Das Naturschutzgebiet Eybtal bietet Wanderinnen und Wanderern eine nahezu unverfälschte Natur mit Gewässern, Wäldern und beeindruckenden Felsen sowie großartigen Aussichtspunkten“, sagte Regierungspräsident Reimer. Zahlreiche mar-kierte Wanderwege laden zur Erkundung dieses schönen Tals ein. „Damit die Arten-vielfalt und die empfindlichen Lebensräume hier weiterhin erhalten werden können, müssen im Naturschutzgebiet aber unbedingt die Verhaltensregeln beachtet wer-den“, so Reimer weiter.

    Das Naturschutzgebiet beherbergt eine reiche Pflanzen- und Tierwelt mit vielen sel-tenen, schutzbedürftigen Arten. Rund 400 Tierarten, von Landschnecken über Käfer, Schmetterlinge, Heuschrecken, Amphibien und Vögel bis zu Säugetieren, wurden hier bereits gezählt. Die Pflanzenwelt weist Besonderheiten wie Trauben-Steinbrech, Türkenbund und Schwertblättriges Waldvöglein auf. Nicht ohne Grund ist das Eybtal zu seinem Namen gekommen, denn hier befindet sich das größte natürliche Vor-kommen der selten gewordenen Eibe im nördlichen Württemberg.

    Schutz der Felsen hat oberste Priorität
    Mehr als 25 Felsen schmücken das Naturschutzgebiet. Viele liegen an den Wan-derwegen und sind jetzt im Winter besonders gut sichtbar. An den Felsen kommen 165, teils sehr seltene Pflanzenarten wie Pfingst-Nelke, Alpen-Pippau und Kleines Habichtskraut vor. Sie widerstehen Hitze, Kälte und Trockenheit mit speziellen An-passungsmerkmalen – dicke, fleischige Blätter zum Wasserspeichern, behaarte, le-derartige oder wachsüberzogene Blätter gegen die Austrocknung oder tiefreichende Wurzeln. Auch Relikte aus der Eiszeit, wie das Immergrüne Felsenblümchen oder der Graue Löwenzahn kommen im Eybtal vor. Dabei handelt es sich um Pflanzen, die sich in der Eiszeit abseits der Vergletscherung halten konnten. Nach der Erwär-mung des Klimas wurden sie durch die Konkurrenz anderer Pflanzen auf wenige Extremstandorte wie Felsen zurückgedrängt. Die Vegetation an den Felsköpfen ist daher besonders sensibel. Damit die Felsflora nicht geschädigt oder unwiederbring-lich zerstört wird, ist es wichtig, dass Wandernde sich an die Besucherregeln halten und ausschließlich die dafür vorgesehenen Wanderwege nutzen. Rasten ist an die-sen Stellen nicht gestattet und auch Lagerfeuer sind verboten. Auch etliche Vogelar-ten sind auf die Felsen als Brutplatz angewiesen. Dazu zählen Uhu, Wanderfalke, Kolkrabe und Dohle. Für diese Tierwelt können häufige Störungen durch Besuche-rinnen und Besucher lebensbedrohlich sein. Wenn sich ein Brutpaar durch zu häu-fige Störungen nicht mehr sicher fühlt, kann dies zum Abbruch der Aufzucht und damit zum Tod der Jungen führen. Zudem verbringen Fledermäuse ihren Winter-schlaf in Höhlen und Felsspalten. Im Sommer tummeln sich Schmetterlinge, Schwebfliegen und Wildbienen auf den Blütenpflanzen der Felsbänder und Fels-köpfe, die nicht gestört werden dürfen.

    Naturschutz und Erholung in Einklang
    Um die Ziele des Naturschutzgebiets und die Erholungsbedürfnisse der Bevölke-rung in Einklang zu bringen, hat die Naturschutzverwaltung in der Vergangenheit verschiedene Maßnahmen zur Besucherlenkung ergriffen. Einzelne Wege mussten gesperrt werden, um sensible Lebensräume zu schützen. Viele andere Wanderwege werden regelmäßig gepflegt und sind entsprechend ausgeschildert. Diese Wege dürfen beim Durchwandern des Naturschutzgebietes nicht verlassen werden, Hun-de sind an die Leine zu nehmen. Auch für das Klettern wurde ein Kompromiss ge-funden. An 13 Felsen darf, teils mit jahreszeitlicher Einschränkung, geklettert wer-den. Besucherinnern und Besucher dürfen darüber hinaus ausschließlich die offi-ziellen eingerichteten Feuerstellen nutzen, wie bei der Ruine Helfenstein oder am Wanderparkplatz Mordloch.
    Bei Einhaltung dieser Regeln kann das Naturschutzgebiet mit gutem Gewissen er-kundet und seine wunderbare Natur erlebt werden.

    Landschaftspflege im Naturschutzgebiet
    Auch im Naturschutzgebiet ist Landschaftspflege notwendig, um die vielfältigen Le-bensräume zu erhalten. Deshalb hat das Regierungspräsidium gemeinsam mit der Forstverwaltung einen Pflege- und Entwicklungsplan erstellt, der für jeden Lebens-raum Pflegeziele und Maßnahmen beschreibt. Um die wärmeliebende Felsflora und -fauna zu erhalten, werden beispielsweise zugewachsene Felsen wieder freigestellt. So wurde der Kamelfelsen im Winter 2017/2018 ringsum von beschattenden Bäu-men befreit, um der Pfingst-Nelke und anderen wärmliebenden Arten wieder mehr Licht und Sonne zu verschaffen. Im Magentäle und am Weitenberg fanden 2019 umfangreiche Pflegearbeiten auf den Wacholderheiden statt, die auch dazu führen, dass die Wacholderheiden sich vergrößern können.


    Hintergrundinformationen:

    Hinweise für Besucherinnen und Besucher
    Das Naturschutzgebiet ist mit der Bahn zu erreichen. Vom Bahnhof Geislingen an der Steige gelangt man in wenigen Minuten zu den markierten Wanderwegen, die zur Ruine Helfenstein und zum Ödenturm führen. Busse fahren nach Eybach, Steinenkirch, Böhmenkirch, Treffelhausen, Schnittlingen und Stötten. Wer mit dem Auto kommt, kann von verschiedenen Wanderparkplätzen starten. Die wichtigsten Verhaltensregeln im Naturschutzgebiet sind: Auf den Wegen bleiben, Felsköpfe nicht betreten, Pflanzen stehen lassen, Tiere nicht stören, Hunde an die Leine nehmen, ausschließlich die offiziellen Feuerstellen benutzen, Abfall mit nach Hau-se nehmen, im Wald nur auf mehr als zwei Meter breiten Wegen Radfahren, nur auf ausgewiesenen Reitwegen reiten und beim Klettern die aktuelle Kletterregelung be-achten.

    Daten und Fakten
    Das Eybtal ist mit 1.331 Hektar das größte Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Stuttgart. Drei seiner schluchtartigen Seitentäler – Magentäle, Teufelsküche und Felsental – sind bereits zwischen 1978 und 1982 zu Naturschutzgebieten erklärt worden. 1995 wurde der gesamte Talraum einschließlich der Hänge des Geislinger Längentals und des rechten Talhangs des Rohrachtals vom Regierungspräsidium Stuttgart zum Naturschutzgebiet ernannt. Die großräumige Unterschutzstellung zielt darauf ab, Natur, Landschaft und Kultur als Einheit zu sehen und das gesamte Na-turpotenzial mit belebter und unbelebter Natur zu schützen. Wertgebende Lebens-räume sind naturnahe Waldgesellschaften, Schluchten, Quellen, Bäche, Felsen, Höhlen, Waldsäume, Hecken, Wacholderheiden, Obstbaumwiesen und Feuchtwie-sen. Diese oftmals eng miteinander verbundenen Biotope beherbergen hunderte von Tier- und Pflanzenarten, insbesondere eine große Anzahl bedrohter Arten der Roten Listen.

    Faltblatt „Naturschutzgebiet Eybtal mit Teilen des Längen- und Rohrachtals“
    Das Regierungspräsidium Stuttgart hat ein Faltblatt zu diesem und weiteren Natur-schutzgebieten herausgegeben. Es ist über den Bestellshop der LUBW kostenlos erhältlich. Auf der Internetseite des Regierungspräsidiums ist außerdem eine digitale Version des Faltblatts abrufbar.


    Roggennadel (Quelle: RP Stuttgart, Erich Klotz)


    Roggenstein und Roggennadel (Quelle: RP Stuttgart, Erich Klotz)


    Pfingst-Nelke (Dianthus gratianopolitanus) (Quelle: Ingo Depner)

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