Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln
Sie sind hier: RP Internet »Karlsruhe »Pressemitteilung
Startwebsite des Internetauftritts des Regierungspräsidiums Karlsruhe
  • Abteilung 5
    07.08.2017
    PFC: Vorerntemonitoring 2017 für frühe Kulturen und Getreide abgeschlossen
    Anbauempfehlungen führen zu deutlich weniger positiven Proben

    Das Vorerntemonitoring (VEM) ist ein unverzichtbares Instrument für den vorsorglichen Verbraucherschutz und ein zentrales Element des vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) finanzierten Projektes „Umgang mit PFC-belasteten Flächen – Lösungen für den Anbau von landwirtschaftlichen Produkten und zur vorbeugenden Verbrauchersicherheit“, welches nunmehr im dritten Jahr durchgeführt wird.

    „Durch die Untersuchungen und begleitende Beratung der Betriebe im Raum Baden-Baden/Rastatt und Mannheim ist es gelungen, dass die dort erzeugten und auf den Markt gebrachten Lebensmittel für den Verbraucher unbedenklich sind“, so Regierungspräsidentin Nicolette Kressl zu den Ergebnissen der diesjährigen Untersuchungen.

    Auch beim diesjährigen Vorerntemonitoring wurden und werden rechtzeitig vor der Ernte Pflanzenproben von mit PFC belasteten Flächen gezogen und beim Landwirtschaftlichen Technologiezentraum Augustenberg (LTZ) auf ihre Gehalte an verschiedenen PFC-Verbindungen untersucht. Liegen die Ergebnisse über den vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz festgelegten Beurteilungswerten, darf das Erzeugnis nicht vermarktet werden.

    Die Erntesaison für Spargel und Erdbeeren ist abgeschlossen, alle Ergebnisse lagen unterhalb der Bestimmungsgrenze und damit weit unterhalb der Beurteilungswerte für Lebensmittel. Dies ist letztlich darauf zurückzuführen, dass die Landwirte die Konsequenzen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gezogen haben und mit diesen empfindlichen Kulturen auf unbelastete beziehungsweise geringbelastete Flächen ausgewichen sind.

    Bei der Untersuchung von Gemüse und Salat wurde im Vorerntemonitoring bis heute lediglich in einem Fall bei Tomaten eine geringe Überschreitung des Beurteilungswertes von Perfluorpentansäure (PFPeA) festgestellt. Auch in diesem Fall sind keine Früchte in den Verkauf gelangt.

    "Das Vorerntemonitoring in Verbindung mit der amtlichen Lebensmittelüberwachung hat sich als ein funktionierendes System etabliert, welches wirkt und eine weitgehende Sicherheit bietet“, betont Nicolette Kressl.

    Auch im Getreide sind die Untersuchungen nahezu abgeschlossen. Wenn hier auch teilweise Überschreitungen der Beurteilungswerte festgestellt wurden, so zeigt sich doch die erfreuliche Entwicklung, dass die absolute Anzahl gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken ist. Wie in den Vorjahren hat sich der Weizen als sensibel bezüglich der Aufnahme von PFC gezeigt, die entsprechenden Partien sind nicht als Lebensmittel vermarktet worden.

    Das Vorerntemonitoring war und ist das wichtigste Instrument, um eine hohe Verbrauchersicherheit zu gewährleisten. Viele Erkenntnisse konnten aus dem Monitoring abgeleitet und für die Erzeuger umgesetzt werden. Ergänzt um die Ergebnisse aus den Versuchen des LTZ im Labor und Freiland, können auf der Basis der entwickelten Anbauempfehlung die landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe Strategien und Konzepte für die künftige Bewirtschaftung ihrer Flächen entwickeln. Darin wird langfristig die einzige Möglichkeit gesehen, mit der Belastung der Böden umzugehen und eine Bewirtschaftung der Flächen zu ermöglichen.

    Diese Empfehlungen gelten analog für eine kleingärtnerische Nutzung, welche nicht durch das VEM erfasst wird. Auch dort können die Pflanzen PFC einlagern, welche entweder über den Boden oder das Gießwasser aufgenommen werden können. Bisherige Erkenntnisse haben gezeigt, dass besonders im Gieß- oder Beregnungswasser vorhandene PFC von den Pflanzen bevorzugt aufgenommen werden. Insofern sollte in den betroffenen Regionen anstelle Brunnenwasser eher auf gesammeltes Regenwasser oder Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung zurückgegriffen werden. Weitere Informationen und die tabellarischen Ergebnisse finden Sie auf der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe unter www.rp-karlsruhe.de / Der schnelle Klick… / Stabsstelle PFC.

    Hintergrundinformationen:

    Im Raum Rastatt/Baden-Baden und im Norden der Stadt Mannheim wurden landwirtschaftliche Flächen, vermutlich durch Aufbringen verunreinigten Kompostes, mit PFC belastet. Erste Untersuchungen von auf diesen Flächen erzeugten Lebensmitteln ergaben, dass die verschiedenen PFC unterschiedlich von Pflanzen aufgenommen werden können. Zum Schutz der Verbraucher können die Erzeugnisse bei Überschreitung der festgelegten Beurteilungswerte nicht mehr vermarktet werden. Hierdurch sind die dort wirtschaftenden Landwirte stark betroffen und haben ggf. große finanzielle Einbußen.

    Daher haben die baden-württembergischen Behörden im Jahr 2015 das Projekt „PFC-belastete Flächen in Nordbaden - Lösungen für den Anbau von landwirtschaftlichen Kulturen und zur vorbeugenden Verbrauchersicherheit“ initiiert. Das Regierungspräsidium Karlsruhe koordiniert das Projekt, das Landratsamt Rastatt, Landwirtschaftsamt, betreut es in Abstimmung mit den Bewirtschaftern vor Ort. Ziel des Projektes ist insbesondere der vorsorgende Verbraucherschutz und die Risikoabschätzung für den weiteren Anbau auf mit PFC belasteten Flächen.

    Das PFC-Vorerntemonitoring ist Teil des Projektes und beinhaltet außerdem Gefäß- und Feldversuche des LTZ, um weitere fachliche Kenntnisse über das Verhalten von kurzkettigen PFC in Pflanzen und damit auch Lösungen für die landwirtschaftliche Produktion zu erhalten.

    Im PFC-Vorerntemonitoring werden seit dem Jahr 2015 Pflanzenaufwüchse für die Lebensmittel- und Futtermittelgewinnung sowie ggf. sonstige Pflanzen von bekannten mit PFC belasteten landwirtschaftlichen Nutzflächen – in der Regel Ackerflächen – rechtzeitig vor der Ernte untersucht. Die Ergebnisse werden den Bewirtschaftern dieser Flächen mitgeteilt, die somit Aufschluss über PFC-Werte in ihren Pflanzen und über die mögliche weitere Verwendung ihrer Produkte erhalten.

    Die Untersuchungen zeigen, dass langkettige PFC kaum, kurzkettige jedoch in gewissem Umfang von den Pflanzen aufgenommen werden. Im Rahmen des Projekts werden sowohl Bodenproben als auch Proben des Beregnungswassers genommen und den jeweiligen Pflanzenproben gegenübergestellt. Dies geschieht rechtzeitig vor der Ernte, so dass zur Ernte die Untersuchungsergebnisse vorliegen. Neben den Erkenntnissen zum Verständnis des Transportverhaltens der Stoffe in Pflanzen liegt das Hauptaugenmerk dabei auf dem Verbraucherschutz. Es soll verhindert werden, dass Erzeugnisse mit PFC-Gehalten über den festgelegten Beurteilungswerten auf den Markt gelangen. Für die Landwirte sollten ausreichende Hinweise gefunden werden, damit der Anbau entsprechend gesteuert werden kann. Die Kombination aus Vorerntemonitoring und davon unabhängiger Lebensmittelüberwachung bietet ein hohes Maß an Sicherheit, damit keine Lebensmittel mit überhöhten PFC-Gehalten auf den Markt kommen.

    Für kurzkettige PFC in Lebensmittel gibt es bislang weltweit keine toxikologisch abgeleiteten Grenzwerte. Da insoweit offizielle Grenzwertempfehlungen fehlen, wurden vom MLR übergangs- und hilfsweise lebensmittelrechtliche Beurteilungswerte (BUW) festgelegt. Die Beurteilungswerte wurden ausgehend von den bestehenden Orientierungs- bzw. Leitwerten des Umweltbundesamtes für Trinkwasser unter Berücksichtigung der statistisch erfassten Verzehrsmengen von Obst, Gemüse, Getreide und tierischen Lebensmitteln errechnet. Die Festlegung der Beurteilungswerte beinhaltet außerdem ein Minimierungskonzept für die Belastung der Lebensmittel mit PFC. Lebensmittel, deren Gehalte an kurzkettigen PFC analytisch gesichert über den jeweils geltenden BUW liegen, sind nicht verkehrsfähig.

    Nach den Erkenntnissen des Vorerntemonitorings des vergangenen Jahres sind die Landwirte zwischenzeitlich im Rahmen ihrer betrieblichen Möglichkeiten auf unbelastete Flächen ausgewichen. Die bereits im Jahr 2016 erarbeiteten und aktuell fortgeschriebenen Anbauempfehlungen haben sich als richtig erwiesen. Damit sind wir bei dem wichtigen Ziel des Projektes, nämlich einer Änderung bzw. Anpassung der angebauten Kulturen und Verlagerung auf unproblematische Flächen, schon weit vorangekommen.

​​​Pressestelle

Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
Pressestelle@rpk.bwl.de


Pressesprecher

Uwe Herzel, Pressesprecher
Uwe Herzel
0721 926-4051

Stellvertretung


Irene Feilhauer
0721 926-6266 ​​​​​​​