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  • Abteilung 5
    25.06.2015
    Ökomobil in Sandhofen
    Den Sand erleben

    ​„Wow, sind die Stacheln riesig!“ zeigt sich Jessica aus der Klasse 3b der Gustav-Wiederkehr-Schule in Mannheim-Sandhofen beeindruckt, als das Kamera-Mikroskop des Ökomobils die Brennhaare der Brennnessel in erstaunlicher Vergrößerung auf den Bildschirm bringt.

    Zwei dritte Klassen der Grundschule in Sandhofen brachen am vergangenen Dienstag, den 16. Juni, zum Parkplatz des Lehrgartens auf, um den Vormittag im mobilen Forschungslabor des Regierungspräsidiums Karlsruhe zu verbringen und unter Leitung von Dr. Daniel Baumgärtner die Besonderheiten der Pflanzen und Tiere ihrer Umgebung kennenzulernen.

    Und diese Umgebung ist sehr speziell, denn Sandhofen ist – wie der Name schon sagt – auf Sandgrund gebaut. Aber wo kommt der Sand her? „Vom Meer!“ „Vom Bodensee!“ „Vom Neckar!“ „Vom Rhein!“ kommen die Kinder gemeinsam auf die richtige Lösung: Der Sand wurde am Ende der letzten Eiszeit ausgeblasen aus dem Sediment, das der Rhein aus den Alpen mitgebracht und in seinem zu diesem Zeitpunkt sehr breiten Flussbett abgelagert hatte. Damals wie heute kam der Wind vorwiegend aus westlicher Richtung. Daher lagerte sich das ausgeblasene feine Sediment rechtsrheinisch ab. Der etwas grobere Sand verblieb in der Rheinebene und setzte sich auf der Niederterrasse (Hardtplatte) ab, der feinere Schluff legte vom Wind transportiert weitere Strecken zurück und bildet heute den fruchtbaren Lössboden des Kraichgaus.

    Nachdem die Drittklässler sich zu Teams zusammengefunden haben, geht es mit Scheren und Weidenkörbchen ausgestattet in die nähere Umgebung, um Pflanzen zu finden, die sich an die besonderen Bedingungen ihres Sandlebensraums angepasst haben. Schnell werden die vier- bis fünfköpfigen Teams fündig, und Sand-Wegerich (Plantago arenaria), Natternkopf (Echium vulgare) und Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) füllen die Körbchen. Auch wilde Spargelpflanzen werden gesammelt, die bei den Kindern große Begeisterung auslösen ob der kulinarischen Assoziation.

    Zurück im Ökomobil werden die Schätze unter dem Binokular ausgiebig betrachtet und die Pflanzen eifrig bestimmt. Nach einer halben Stunde konzentrierter Teamarbeit werden einige der Funde noch unter dem Auflicht-Mikroskop betrachtet, dessen Bilder von einer Kamera aufgenommen und an den großen Bildschirm übertragen werden.

    Spitze Stacheln, wie sie der Acker-Krummhals (Anchusa arvensis) aufweist, sind eine gute mechanische Abwehr gegen Fraßfeinde, eingelagerte Öle wie beim Johanniskraut (Hypericum perforatum) können den gleichen Schutz bieten, machen die Blätter jedoch zusätzlich weniger anfällig für Sonnenbrand. Der Milchsaft der Wolfsmilchgewächse macht die Pflanze giftig und ungenießbar. Dicht behaarte Blätter wie die der Königskerze (Verbascum) sind nicht nur unappetitlich, sondern vermindern auch den Wasserverlust durch Verdunstung.

    Die vielen Raupen auf den Spargelpflanzen wurden als Larven des Spargelhähnchens (Crioceris asparagi) bestimmt, eines Käfers, der durch Aneinanderreiben von Chitinleisten an Flügeldecken und Hinterleib ein zirpendes Geräusch erzeugen kann – wovon sich die Schüler unbedingt in ein paar Wochen selbst überzeugen wollen, wenn sie auf eigene Faust auf die Pirsch nach dem Spargelhähnchen gehen.

    Die Kinder der Gustav-Wiederkehr-Schule haben an diesem Tag einen Einblick bekommen in den Lebensraum, der ihre Heimat auszeichnet. Die Badischen Binnendünen und Flugsandgebiete beherbergen einzigartige Lebensgemeinschaften, die an die extremen Bedingungen ihres Lebensraumes optimal angepasst sind. Extreme Trockenheit aufgrund des geringen Wasserhaltevermögens des Bodens sowie große Temperaturunterschiede im Tageslauf prägen die Verhältnisse. Durch die geringe Wasserhaltekapazität ist auch die Versorgung mit Nährstoffen gering, der Boden ist mager. Nur eine speziell angepasste Flora und Fauna ist in der Lage, unter diesen Bedingungen zu überleben. Es sind Spezialisten, die angewiesen sind auf diesen extremen Lebensraum, denn unter veränderten Bedingungen werden sie verdrängt und ersetzt durch andere Arten, die konkurrenzstärker sind.

    In ihrer schönsten Ausprägung finden sich solche Sandlebensräume auf dem Gelände der Coleman-Kaserne. Um diesen Lebensraum zu schützen und dauerhaft zu pflegen, damit er auch für kommende Generationen erlebbar sein wird, möchte das Regierungspräsidium Karlsruhe einen großen Teil des Militärgeländes als Naturschutzgebiet ausweisen.

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