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  • Abteilung 3
    16.10.2019
    Rettung des Süßwasserdorsches in Zeiten des Klimawandels: Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder und Verbandspräsident Thomas Wahl stellten Bericht zur Situation der Quappe vor

    ​Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder und Verbandspräsident Thomas Wahl stellten heute (16. Oktober 2019) im Vereinsheim des Anglervereins in Linkenheim-Hochstetten die Ergebnisse der Untersuchung zur Quappe vor. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte gemeinsam mit dem Landesfischereiverband Baden-Württemberg eine Untersuchung zur Quappe beauftragt, die Antwort auf die Frage nach den Überlebenschancen der Quappe liefert. Im Anschluss an die Vorstellung des Berichtes wurden in einen nahegelegenen Bach und weitere Projektgewässer rund 3000 Quappen besetzt.

    Baden-Württemberg steht im Zeichen des Klimawandels vor enormen Herausforderungen. Die seit jeher wärmebegünstigte Oberrheinregion des Regierungsbezirks Karlsruhe entlang der Rheinniederung mit seinen vielgestaltigen Lebensräumen wird von dem zu erwartenden Temperaturanstieg besonders betroffen sein. „Wenn Sie mich noch vor wenigen Tagen gefragt hätten, ob es Dorsche in Gewässern unseres Regierungsbezirks gibt, hätte ich sicher mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn und einem deutlichen Nein geantwortet“, sagte Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder bei ihrer Begrüßung.

    Die Quappe (Lota lota L.), eine mit dem Dorsch in der Nord- und Ostsee eng verwandte Fischart, toleriert Wassertemperaturen von über 23°C lediglich über eine kurze Zeit. In Gewässern des Regierungsbezirks wird diese besondere Fischart aus der Ordnung der Dorschartigen langfristig nur eine Überlebenschance haben, wenn weiter an der ökologischen Entwicklung der Gewässer gearbeitet wird. Quappen sind aufgrund ihrer hohen Anforderungen an den Lebensraum geeignete Indikatoren für Temperaturveränderungen und Gewässerstrukturen. Aufgrund von historischen Gewässerverunreinigungen und dem naturfernen Gewässerausbau wurde diese Art im Regierungsbezirk an den Rand des Aussterbens gebracht. Nach der Roten Liste Baden-Württembergs ist die Quappe im Rheineinzugsgebiet stark gefährdet. In den vergangen 20 Jahren wurden Quappen sehr selten und nur noch in Einzelexemplaren nachgewiesen. Zwar bildete die Quappe auch in früheren Zeiten nie Massenvorkommen aus wie andere Arten. Aber sie war regelmäßig anzutreffen und auch in den Fängen der Angel- und Erwerbsfischerei vertreten. In erster Linie müssen die Lebensräume der nachtaktiven Quappe gut strukturiert sein und geeignete Unterschlüpfe bieten. „Dies ist eine klare Handlungsanweisung für die Verbesserung der Strukturausstattung unserer Gewässern“, bekräftigte Thomas Wahl, der Präsident des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg. Zur Wiedervernetzung der Gewässer sind sowohl das Regierungspräsidium Karlsruhe als auch der Landesfischereiverband bereits seit vielen Jahren aktiv tätig. Die biologische Durchgängigkeit der Gewässer wurde in den letzten Jahren stark verbessert und dadurch Fischlebensräume erweitert. Parallel dazu wurde die Strukturvielfalt in zuvor naturfernen Gewässerabschnitten erhöht. Mit der Landesstudie Gewässerökologie werden federführend durch die Wasserwirtschaftsverwaltung künftig zahlreiche weitere gewässerökologische Maßnahmen umgesetzt werden.

    Die ersten Ergebnisse dieses aus Mitteln der Fischereiabgabe finanzierten Projekts sind sehr vielversprechend. Selbst im warmen und trockenen Sommer 2019 konnten nach dem Frühjahrsbesatz mit kleinen Quappen an den ausgewählten Besatzgewässern zahlreiche wohlgenährte Tiere nachgewiesen werden. Der Besatz hat gewirkt und die jungen Quappen haben sich sehr gut entwickelt. Die Jungquappen stammen aus einer Zuchtanlage des Ruhrverbandes aus Nordrhein-Westfalen. Das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen und der Ruhrverband sind Partner in diesem Projekt und unterstützen auch mit der Lieferung von Besatzfischen die angestrebte Sicherung der Quappe im Regierungsbezirk Karlsruhe.

    Die Wiederansiedlung der Quappe wird allerdings erst dann als Erfolg bewertet werden können, wenn der biologische Zyklus der Art geschlossen wird. Quappen müssen sich wieder natürlich in unseren Gewässern vermehren. Daher wird das Projekt weiterhin sachkundig von der Gesellschaft für angewandte Ökologie und Umweltplanung (GefaÖ) aus Walldorf begleitet werden, um schließlich auch eine nachhaltige natürliche Fortpflanzung nachweisen zu können. Quappen führen eine Art Sommerruhe durch. Warmes Wasser behagt Ihnen grundsätzlich nicht, am wohlsten fühlen sie sich bei 16-18°C. Ein geeigneter Lebensraum für die Quappe weist daher auf lange Sicht zum Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels kühle Rückzugsrefugien auf. Dazu hat die Fischereibehörde in diesem Jahr ein Pilotprojekt mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) auf den Weg gebracht, um tiefe Kolke als solche kühlen Rückzugsrefugien für Quappen und andere Fischarten in Gewässern kontrolliert bauen zu können. Diese müssen für die Fische auch erreichbar sein – daher ist die Wiederherstellung der Durchgängigkeit unserer Gewässer zwingend weiter voranzubringen. Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder: „Wenn wir weiterhin gemeinsam tatkräftig an Projekten dieser Art arbeiten, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir auch Erfolg haben werden. Dies zählt nicht nur für die Quappe, sondern für alle Fischartenschutzmaßnahmen, die wir in Zukunft fachlich initiieren und begleiten werden“. Die Sicherung und Entwicklung unserer heimischen Fischbestände gelingt nach Überzeugung der Regierungspräsidentin insofern nur in bewährter und guter Zusammenarbeit mit den engagierten Kräften der ehrenamtlichen Fischerei. Die Unterstützung der Anglervereine Linkenheim, Rastatt, Karlsruhe, Plittersdorf, Knielingen, Eggenstein und Iffezheim sowie von Erwerbsfischern ist daher eine wesentliche Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts. „Ohne die Kenntnisse und Arbeit der Angler und Fischer stünde es nicht nur um die Quappe in unseren Gewässern schlecht“, zeigten sich Regierungspräsidentin Felder und Verbandspräsident Wahl überzeugt. Gemeinsam wurden in der Vergangenheit im Regierungsbezirk Karlsruhe zusammen mit den Anglern bereits zahlreiche Artenschutzprojekte gefährdeter Fischarten angegangen, wie mit der Karausche, dem Steinbeisser und dem Schlammpeitzger. Die für die Veranstaltung gastgebende Interessengemeinschaft Angelfischerei Hardt ist im Fischartenschutz besonders aktiv und arbeitet mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und der Fischereiforschungsstelle des Landes in Langenargen auch an einem Schutzprojekt zum Wildkarpfen.

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