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  • Abteilung 5
    27.04.2020
    Naturschutzgebiet „Lappen“: Erholungssuchende werden um Rücksichtnahme gebeten - Landschaftspflegetrupp stellt Schutzzäune für Wiesenbrüter auf

    ​Im Naturschutzgebiet „Lappen“ ist viel los: Auf dem Weg in den Norden zu ihren Brutplätzen legen Zugvögel an den ausgedehnten Wasserflächen eine Rast ein und die Wiesenbrüter, die hier den Sommer verbringen, haben in diesen Tagen bereits mit dem Nestbau in den feuchten Wiesen begonnen. Für Naturliebhaber, Spaziergänger und Fahrradfahrer heißt es deswegen im Naturschutzgebiet: Rücksicht nehmen! Das Regierungspräsidium bitte alle Erholungssuchende auf den befestigten Wegen zu bleiben und jede Störung der Tiere zu vermeiden. Auch für Hundebesitzer gelten besondere Regeln: Hunde müssen beim Spaziergang im Naturschutzgebiet angeleint werden.

    Kampfläufer, Grünschenkel und der bodenbrütende Kiebitz sind allesamt sehr seltene Vogelarten, die unter dem Schutz der Europäischen Vogelschutzrichtlinie stehen. „Der Lappen ist das wertvollste Vogelschutzgebiet im weiten Umkreis!“, betont Peter Rückert vom Naturschutzbund. Er ist täglich im Naturschutzgebiet unterwegs und kartiert seit 20 Jahren die hier lebenden Vogelarten. In Zusammenarbeit mit ihm, sowie in Abstimmung mit den Flächeneigentümern und Landwirten hat der Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums Karlsruhe zum Schutz der Wiesenbrüter flexible Zäune aus Kunststoff aufgestellt, die jährlich wiederverwendet werden. Durch die Schutzzäune werden beispielsweise Füchse und streunende Katzen davon abgehalten, die Nester zu räubern. Im sicheren Bereich des Schutzzaunes führen die Altvögel ihre Jungen noch drei bis vier Wochen und bringen ihnen bei, Insekten und Würmer zu fangen. „Jeder einzelne Vogel, der durch diesen Schutz flügge wird, zählt! Kiebitze sind vielen Gefahren ausgesetzt. Als Kurzstreckenzieher überwintern die Vögel im Mittelmeerraum. Mit dem Schutz der Nester ist ihre Zeit in Baden-Württemberg sicher“, resümiert Ralf Gramlich, der Leiter des Landschaftspflegetrupps. Im Juni, wenn die Jungvögel groß genug sind, um selbst für ihr Überleben sorgen zu können, werden die Zäune wieder abgebaut.

    Die Zäune sind auch ein sichtbares Zeichen für Erholungssuchende, Abstand zu halten und die Vögel nicht zu stören. Peter Rückert, der neben der Vogelbeobachtung auch Erholungssuchende über das Naturschutzgebiet informiert, weist darauf hin, dass es im Naturschutzgebiet „Lappen“ keinen Rundweg gibt. Spaziergänger müssen die Stichwege für den Hin- und Rückweg nutzen. Querfeldein wieder Zurückgehen ist zum Schutz der Tiere und Pflanzen verboten.

    So können die Schutzzäune und das rücksichtsvolle Verhalten der Erholungssuchenden in diesem Jahr hoffentlich gemeinsam dafür sorgen, dass die Brut- und Aufzuchtzeit für den Kiebitz sicher ist und die Kiebitzfamilie im August ihren ersten gemeinsamen Vogelzug in den Süden antreten kann. Zugvögel wie Kampfläufer und Grünschenkel ziehen bereits in den nächsten Wochen, gestärkt durch das reichhaltige Nahrungsangebot der Wasserflächen im Lappen, weiter in ihre Brutgebiete im Norden.


    Hintergrundinformationen zum Naturschutzgebiet „Lappen und Eiderbachgraben“
    Das Naturschutzgebiet „Lappen und Eiderbachgraben“ liegt zwischen Buchen und Waldürrn. Es ist über 60 Hektar groß und steht bereits seit über 40 Jahren unter Schutz (1979: Erste Ausweisung; 1996: Erweiterung und neue Ausweisung). Im Gebiet wächst ein Mosaik aus blumenbunten Mähwiesen, feuchten Sumpfdotterblumenwiesen, Seggenrieden und Feuchtgehölzen. Der Eiderbach durchfließt das Gebiet und speist einige kleinere Wasserflächen. Die Böden sind lehmig und wasserstauend. So entsteht im Frühjahr bis in den Sommer hinein eine ausgedehnte Wasserfläche. Die biologische Vielfalt ist groß: unzählige Insektenarten nutzen die vielfältigen Pflanzen, zahlreiche Amphibien laichen in den Wasserflächen und Wiesenbrüter bauen ihre Nester in den ausgedehnten Wiesenbereichen. Besondere Bedeutung hat das Gebiet als Rastgebiet für Zugvögel wie Kampfläufer, Bruchwasserläufer oder Grünschenkel. In Baden-Württemberg sind rund zwei Prozent der Landesfläche als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Wie in jedem Naturschutzgebiet gilt: Erholungssuchende müssen auf den Wegen bleiben und jede Störung der Tiere ist verboten. Schilder weisen in den Gebieten auf die besonderen Verhaltensregeln hin.

    Weitere Informationen bieten die Steckbriefe im Schutzgebietsverzeichnis der Landesanstalt für Umweltschutz unter

    www.lubw.baden-wuerttemberg.de> Themen Natur und Landschaft > Flächenschutz > Schutzgebietsverzeichnis Steckbriefe.

    Das Naturschutzgebiet steht außerdem unter europäischem Schutz. Es ist als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) und gleichzeitig auch als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Europäische FFH-Richtlinie von 1992 und die Vogelschutzrichtlinie von 1979 dienen dazu, das europäische Naturerbe über die Grenzen der Mitgliedsstaaten hinweg zu erhalten und einen günstigen Zustand zu entwickeln. Der „Lappen“ bei Walldürn ist Lebensstätte für zahlreiche heimische Vogelarten und darüber hinaus auch ein wichtiger Rastplatz für Wat- und Wasservögel. Auf ihrem Zug in nördliche Brutgebiete rasten im Frühjahr Kampfläufer, Grünschenkel und Bruchwasserläufer. Der Natura 2000-Managementplan zum FFH-Gebiet „Odenwaldtäler zwischen Schloßau und Walldürn“ und dem Vogelschutzgebiet „Lappen bei Walldürn“ mit Informationen zu den europäisch geschützten Lebensräumen und Arten wurde 2017 fertiggestellt und ist auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt unter

    https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de> Themen Natur und Landschaft > Europäische Naturschutzrichtlinien FFH-Richtlinie > Management und Sicherung > MaP Endfassungen zum Download verfügbar.


    Hintergrundinformationen zum Kiebitz
    Aktuell gibt es in Baden-Württemberg rund 2.000 bis 3.000 Kiebitz-Brutpaare. Die Bestände des Kiebitzes sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Grund dafür sind die Nutzungsintensivierungen der Landschaft und Entwässerung feuchter Flächen. Der Schutz der bestehenden Brutpaare ist daher vordringlich beim Schutz der biologischen Vielfalt in Baden-Württemberg. Der Kiebitz lebt auf feuchten Wiesen, die extensiv genutzt werden, das heißt erst spät im Jahr gemäht werden. Sein Nahrungsspektrum ist vielseitig und reicht von Insekten und Larven über Würmer und Schnecken bis hin zu Grassamen. Als Wiesenbrüter baut er ein Nest direkt auf dem Boden und hat es besonders schwer, seine Brut großzuziehen. Viele Störungen und Nesträuber gefährden die Aufzucht. Schutzzäune sind eine Möglichkeit, das Überleben zu sichern.

    Der kurze Film des Regierungspräsidiums Stuttgart „Eine Insel für den Kiebitz“ zeigt, neben der Lebensweise des Vogels, mit welchen Maßnahmen ihm geholfen werden kann. Abrufbar ist der Film auf der Homepage des RP Stuttgart unter

    https://rp.baden-wuerttemberg.de/rps/Abt5/Ref56/Seiten/Film_Kiebitz.aspx.


    Hintergrundinformationen zum Landschaftspflegetrupp des RP Karlsruhe
    Der Landschaftspflegetrupp ist Teil des Naturschutzreferates des Regierungspräsidiums Karlsruhe und besteht aus drei ausgebildeten Landschaftspflegern. Sie werden regelmäßig durch Stellen des Freiwilligen Ökologischen Jahres unterstützt. Der Landschaftspflegetrupp ist das ganze Jahr in Schutzgebieten unterwegs und übernimmt besondere Aufgaben, um seltenen Tier- und Pflanzenarten das Überleben zu sichern. Über die praktische Arbeit und auch über die Mitarbeit können sich Interessierte auf der Homepage des Regierungspräsidiums unter

    www.rp-karlsruhe.de> Abteilung 5 > Referat 56 > Landschaftspflegetrupp informieren.

    Direkter Link:

    https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Abt5/Ref56/Seiten/Landschaftspflegetrupp.aspx

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    Der Landschaftspflegetrupp unterstützte Peter Rückert beim Aufstellen des Schutzzaunes im Naturschutzgebiet Lappen, Copyright: RP Karlsruhe

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