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  • Abteilung 3
    24.07.2015
    Vorernte-Monitoring: Auch Weizen zum Teil mit PFC belastet
    Ministerium legt Beurteilungswerte für Getreide fest

    ​Im Rahmen des Vorernte-Monitorings wurden in weiteren landwirtschaftlichen Erzeugnissen PFC gefunden. Rechtzeitig vor der Ernte wurden Getreidekörner auf PFC untersucht. Leider waren diese Analyseergebnisse teilweise positiv. Die Betriebe erhielten die PFC-Werte rechtzeitig vor der Ernte und können nun über das weitere Vorgehen entscheiden.
    „Damit zeigt sich ein weiteres Mal, dass mit dem Vorernte-Monitoring dem Risiko einer Belastung von Lebensmitteln mit PFC entgegengewirkt werden kann“, betonte Regierungspräsidentin Kressl. „Leider bedeutet dies für die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte einen weiteren herben Verlust, den sie betrieblich zu verkraften haben“, so Kressl weiter. Damit umschrieb die Regierungspräsidentin die schwierige Situation, da nach den aktuellen Ergebnissen für Getreide eine weitere Kultur für einen künftigen Anbau auf mit PFC-belasteten Böden kritisch zu betrachten ist.
    Bisher waren Spargel, Erdbeeren und stark wasserhaltiges Gemüse auf Böden mit hohen PFC-Ausgangswerten positiv beprobt worden. In einigen Fällen waren die Beurteilungswerte des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) überschritten. Diese Erzeugnisse wurden von den Landwirten auf freiwilliger Basis nicht in den Verkehr gebracht, zum Teil wurden die betroffenen Flächen sogar umgebrochen. Die ersten Werte von früh geernteten Gerstenproben ergaben sehr geringe, unbedenkliche PFC-Werte. Leider zeigen die jüngsten Ergebnisse, dass auch Getreide, insbesondere Weizen, PFC aufnehmen kann und dann eine Belastung der Getreidekörner möglich ist.
    Zwischenzeitlich hat das MLR nach den Beurteilungswerten für Obst und Gemüse sowie tierischen Erzeugnissen auch Beurteilungswerte für Getreide festgelegt. Analog der Vorgehensweise bei Obst und Gemüse wurden anhand der nationalen Verzehrsstudie Werte errechnet und mit einem entsprechenden Sicherheitsfaktor versehen. Erzeugnisse, die diese Werte analytisch gesichert überschreiten, dürfen als Lebensmittel nicht in den Verkehr gebracht werden.
    Wie bisher erhalten die Betriebe die Analysenergebnisse des Vorernte-Monitorings rechtzeitig vor der Ernte und können dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Das jetzt aktuell betroffene Getreide darf im Falle der Überschreitung der Beurteilungswerte nicht mehr als Brotgetreide oder anderes Lebensmittel verkauft werden. Die Einhaltung der Vorgaben wird im Rahmen der Lebensmittelüberwachung kontrolliert.
    Zusammen mit den betroffenen Betrieben im Raum Rastatt/Baden-Baden und Mannheim wird die Landwirtschaftsverwaltung nach Verwertungsmöglichkeiten suchen, um den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Ob zum Beispiel eine Verwendung als Futtermittel in Frage kommen kann, muss im Einzelfall entschieden werden. Der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher hat dabei oberste Priorität.
    Hintergrundinformationen:
    Im Raum Rastatt/Baden-Baden und im Norden der Stadt Mannheim wurden landwirtschaftliche Flächen, vermutlich durch Aufbringen verunreinigten Kompostes, mit PFC belastet. Erste Untersuchungen von auf diesen Flächen erzeugten Lebensmitteln ergaben, dass die verschiedenen PFC unterschiedlich von Pflanzen aufgenommen werden können. Hierdurch sind die dort wirtschaftenden Landwirte stark betroffen, da sie zum Teil ihre Erzeugnisse nicht vermarkten und dadurch große finanzielle Einbußen erleiden können.
    Nachdem seitens des zuständigen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) leider keine Aussagen über die gesundheitliche Einstufung der kurzkettigen PFC getroffen werden konnte, hatte das MLR auf der Basis der Verzehrsgewohnheiten für Obst und Gemüse Ausgangswerte errechnet und daraus Beurteilungswerte abgeleitet, welche entsprechend der rechtlichen Vorgaben zu Kontaminanten in Lebensmitteln gemäß eines dynamischen Minimierungskonzeptes jährlich verringert werden. Lebensmittel, deren Gehalte an kurzkettigen PFC analytisch gesichert über den jeweils geltenden Beurteilungswerten liegen, sind lebensmittelrechtlich nicht verkehrsfähig. Zwischenzeitlich wurden für Obst und Gemüse, für Lebensmittel aus tierischer Erzeugung (Fleisch, Milch, Eier) und für Getreide Beurteilungswerte für die kurz- und mittelkettigen PFC festgelegt. Erste Untersuchungen der Lebensmittelüberwachungsbehörden aus dem Vorjahr hatten gezeigt, dass langkettige PFC kaum, kurzkettige jedoch in gewissem Umfang von den Pflanzen aufgenommen werden.
    Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat im Frühjahr ein vom MLR finanziertes Projekt "PFC-belastete Flächen in Nordbaden, Lösungen für den Anbau von landwirtschaftlichen Kulturen und zur vorbeugenden Verbrauchersicherheit" gestartet, welches als einen wesentlichen Punkt das sogenannte Vorernte-Monitoring (Pflanzenuntersuchungen vor der Ernte) beinhaltet. Eine Beprobung geschieht rechtzeitig vor der Ernte, so dass zur Ernte die Untersuchungsergebnisse vorliegen.
    Das Projekt soll auch eine Zuordnung der Pflanzenproben zu den jeweiligen Böden ermöglichen. Dabei werden sowohl Bodenproben als auch Proben des Beregnungswassers genommen und den jeweiligen Ergebnissen der Pflanzenproben gegenübergestellt. Neben den Erkenntnissen zum Verständnis des Transportverhaltens der Stoffe in Pflanzen liegt das Hauptaugenmerk dabei auf dem Verbraucherschutz. Es soll verhindert werden, dass PFC-belastete Erzeugnisse auf den Markt gelangen.
    Die Ergebnisse des Vorernte-Monitorings für Spargel und Erdbeeren zeigten, dass auf belasteten Böden die Erzeugung von Spargel sehr kritisch zu sehen ist. Entgegen der ersten Untersuchungen zu Beginn der Erdbeersaison ergaben Analysen auch in Erdbeeren höhere PFC-Werte. Seitens der betroffenen Betriebe wurde sowohl bei Spargel als auch Erdbeeren entschieden, dass auch die Vermarktung von Erzeugnissen mit Werten nahe dem Beurteilungswert zu risikoreich ist. In den Fällen unterblieb eine weitere Beerntung bzw. die Flächen wurden umgepflügt.
    Zwischenzeitlich wurden auch in Gemüse mit hohen Wasseranteilen (Tomaten, Zucchini, Kohlrabi) zum Teil hohe Werte gefunden, auch hier wurden die Erzeugnisse nicht auf den Markt gebracht.
    Bei der Beprobung von Getreide waren bei Gerste kaum oder nur sehr niedrige Gehalte gefunden worden. Neueste Ergebnisse bei anderen Getreidearten insbesondere bei Weizen zeigen hier aber eine zum Teil hohe Aufnahme und Einlagerung von PFC, in einigen Fällen waren die Beurteilungswerte deutlich überschritten.
    In allen Fällen wurden die Betriebe rechtzeitig vor der Ernte informiert und diese konnten entsprechend reagieren. In einigen Betrieben führen die sich jetzt summierenden Ausfälle zu finanziellen Problemen, welche durch mangelnde Alternativen und Perspektiven noch verstärkt werden.
    Antworten auf die häufigsten Fragen zu PFC finden Sie auf der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

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