Pressemitteilung

Ausbau Leimbach-Unterlauf zwischen dem Hochwasserrück- haltetebecken in Nußloch und der Kirchheimer Mühle in Heidelberg (Maßnahme 4 der Leimbach-Hardtbach-Projekte)

Interessierte Bürgerinnen und Bürger informierten sich gestern Abend (7. Juli 2022) in der Kurpfalzhalle in Leimen-St. Ilgen über das Hochwasserschutz-, Dammsanierungs- und Gewässerökologieprojekt am Leimbach-Unterlauf. Die Planerinnen und Planer des Landesbetriebs Gewässer im Regierungspräsidium Karlsruhe stellten den geplanten Ausbau des Leimbachs im Abschnitt zwischen dem Hochwasserrückhaltebecken in Nußloch und der Kirchheimer Mühle in Heidelberg vor. Das Vorhaben befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren.

Mit dem Ausbau des Leimbach-Unterlaufs werden Nußloch, Leimen-St. Ilgen und Sandhausen künftig vor einem 100-jährlichen Hochwasser aus dem Leimbach geschützt. Ein 100-jährliches Hochwasser tritt statistisch einmal in 100 Jahren auf. Anhand der Überflutungskarten konnte eindrücklich gezeigt werden, welche Flächen bisher unter Wasser stehen würden, wenn ein solches Hochwasser käme. Durch die Maßnahmen bleibt ein solches Hochwasser zukünftig überwiegend im Gewässerbett des Leimbachs und den entsprechenden Rückhalteflächen. Dazu sind Maßnahmen im und am Gewässer durchzuführen. So wird die Sohle des Gewässers im Abschnitt zwischen der Kirchheimer Mühle und dem bisherigen Gewässerabsturz in Nußloch nahe der Massengasse tiefergelegt. Dadurch können die Dämme durch das höhere Schutzniveau niedriger werden oder sogar ganz entfallen. In einem tieferen Gewässerbett können Hochwasser bereichsweise auch ohne Hochwasserschutzdämme schadlos abfließen. In ausgewählten Bereichen werden Dammrückverlegungen umgesetzt und dadurch der Abstand der Hochwasserschutzdämme zum Leimbach vergrößert. Der Leimbach kann sich dann auf den neu entstandenen Flächen ausbreiten.

Auch die Gewässerökologie profitiert von dem Vorhaben. Mit dem Gewässer-ausbau werden die Zielsetzungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt, indem die Gewässerökologie wesentlich verbessert wird. Der Leimbach wird für Fische und Kleinstlebewesen durchgängig gemacht und bekommt dort, wo es möglich ist, mehr Raum. Sogenannte ökologische Trittsteine werden angelegt, die gezielt mit Totholz und Steinschüttungen vielfältige Strömungsbedingungen im Gewässer erzeugen. Dadurch können neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen am Leimbach entstehen. Darüber hinaus werden durch das Vorhaben die Unterhaltung des Leimbaches und der Hochwasserschutzdämme deutlich erleichtert. Für die Öffentlichkeit werden der Leimbach und sein Umfeld insgesamt wieder attraktiver und erlebbarer werden.

Ganz ohne Eingriff geht es leider nicht. So müssen in Teilbereichen für das Vorhaben Bäume gerodet und dafür im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen neue Bäume gepflanzt werden. Die Umsetzung der Maßnahme hat außerdem Auswirkungen auf vielfältige umliegende Grundstücke. Deren Eigentümerinnen und Eigentümer wurden, neben der interessierten Öffentlichkeit, gezielt zur Informationsveranstaltung eingeladen

Nach der Begrüßung durch den Leimener Oberbürgermeister Hans D. Reinwald, der stellvertretend für die Oberbürgermeister beziehungsweise Bürgermeister der Städte Heidelberg und Leimen sowie der Gemeinden Nußloch und Sandhausen sprach, wurde das Projekt vorgestellt.

Das Planungsteam des Landesbetriebs Gewässer stellte den Planungsverlauf sowie den aktuellen Planungsstand vor. Angesichts der vielfältigen Nutzungsansprüche und der ökologischen Anforderungen hat es sich das Planungsteam nicht leicht gemacht eine technisch gute Lösung zu finden.

Im Anschluss an die jeweiligen Vorträge kamen die anwesenden Bürgerinnen und Bürger zu Wort.

Neben Fragen zum Hochwasserschutz, kam auch Bauzeit und die voraussichtlichen Kosten des Vorhabens zur Sprache. Die Bauzeit wird auf etwa sieben bis acht Jahre geschätzt. Nach der Genehmigung des Planfeststellungsantrags durch das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis sind zunächst noch etwa zwei bis drei Jahre Vorbereitung der Bauausführung nötig, bevor der eigentliche Bau beginnen kann. Über den Baubeginn sowie die weiteren Schritte wird das Regierungspräsidium Karlsruhe erneut informieren.

Die Herstellungskosten betragen rund 35,5 Millionen Euro (Stand: Januar 2022). Die Projektkosten werden gemeinschaftlich vom Land und den beteiligten Kommunen getragen.

Viele Teilnehmende nutzten auch im Anschluss an die Vorträge die Gelegenheit, um sich mit den Planerinnen und Planern direkt zu ihren Einzelfragen auszutauschen.

Die Vertreterinnen und Vertreter des Regierungspräsidiums Karlsruhe wiesen zum Abschluss der Veranstaltung auf die voraussichtlich ab Juli/ August 2022 vorgesehene Offenlage der Antragsunterlagen für die Öffentlichkeit hin. Damit erhält die Öffentlichkeit die Gelegenheit der Einsichtnahme und Beteiligung. Termin und Ort der Auslegung werden durch die Genehmigungsbehörde, das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises, ortsüblich bekannt gegeben. Aktuell bereitet die Genehmigungsbehörde diese gesetzlich vorgeschriebene, formelle Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vor.

Hintergrundinformationen zu den Leimbach-Hardtbach-Projekten

Das Projekt „Ausbau Leimbach-Unterlauf“ (Maßnahme 4) ist ein Teilprojekt der Hochwasserschutzkonzeption Leimbach-Hardtbach. Ziel der Konzeption ist es, den Hochwasserschutz am Leimbach zwischen den Ortslagen Wiesloch und Oftersheim erheblich zu verbessern und gleichbedeutend die Gewässerökologie am Leimbach im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie deutlich aufzuwerten. Mit fünf Teil-Maßnahmen werden je nach der räumlichen Lage und Situation auch weitere Ziele ermöglicht, zum Beispiel die verbesserte Erlebbarkeit des Gewässers für Bürgerinnen und Bürger sowie die Erleichterung der Gewässerpflege und der Mahd der Dämme durch den Landesbetrieb Gewässer.