Pressemitteilung

Begleitausschusssitzung des europäischen Programms INTERREG am 19. Januar 2021 - Neun neue europäische Projekte für die grenzübergreifende Oberrheinregion

Die Europäische Union (EU) fördert neun neue grenzüberschreitende Projekte am Oberrhein mit insgesamt 10 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Entscheidung über die Bereitstellung der Mittel fiel gestern, 19. Januar 2021, in der Sitzung des Begleitausschusses des Programms INTERREG Oberrhein. Im Rahmen des Programms sind damit mehr als 100 Prozent des 102-Millionen-Euro-Budgets für 2014 bis 2020 vergeben.

Kleinprojekte fördern Bürgerbegegnungen und zielen auf eine Steigerung der Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit dem Oberrhein als grenzüberschreitende Region ab. Seit 2017 wurden mehr als 60 Kleinprojekte umgesetzt und ermöglichten mehreren hundert Bürgerinnen und Bürgern, grenzüberschreitende Zusammenarbeit selbst einmal hautnah zu erleben. Insgesamt stehen dafür noch über 200.000 Euro an EU-Fördermitteln zur Verfügung. Interessierte können sich für mehr Informationen zur Antragstellung an das INTERREG-Programm Oberrhein oder direkt an den zuständigen Eurodistrikt bis zum 2. Februar 2021 wenden.

Die neuen geförderten Projekte im Einzelnen:

1. Resc/kUE: Innovative klinische Studien und wissenschaftliche Kooperation auf höchstem Niveau
Ziel des Resc/kUE-Projekts ist die Durchführung einer Therapiestudie zur Prüfung der Wirkung von Spironolacton bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und kardiovaskulärem Risiko. Zu diesem Zweck plant das Projekt die Einrichtung einer E-Kohorte zur Überwachung der Patienten während der Therapieversuche. Die E-Kohorte wird auch nach dem Ende des Projekts weitergeführt und ermöglicht so ein langfristiges, grenzüberschreitendes Monitoring der Patienten. Bei erfolgreichem Verlauf der Therapiestudie kann die Zulassung für den Einsatz von Spironolacton auf die Behandlung kardialer Risiken bei Patienten mit rheumatoider Arthritis erweitert werden.

Projektträger: Hôpitaux Universitaires de Strasbourg
Europäische Fördermittel: 1.160.040 Euro


2. CRICETUS-Projekt: Erhaltung der Feldhamster
Aufgrund der Veränderungen hinsichtlich der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung und des Bodendrucks am Oberrhein ist der Feldhamster in Frankreich und Deutschland bedroht, wie auch die Artenvielfalt der Tiefebene insgesamt. Im Juli 2020 wurde der Feldhamster auf der Roten Liste der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) als "Critically Endangered" eingestuft. Angesichts der gemeinsamen Herausforderungen für den Schutz der Art plant das CRICETUS-Projekt neue Methoden zur gemeinsamen Inventarisierung der Feldhamsterpopulationen zu entwickeln und das Wissen über seine Raumnutzung zu verbessern. Weitere Maßnahmen sind vorgesehen, darunter die Festlegung neuer, für die Art und die Artenvielfalt in der Ebene günstiger Kulturverfahren in Absprache mit der Landwirtschaft, die Stärkung der Hamsterpopulationen durch Freilassungsmaßnahmen oder eine Machbarkeitsstudie zur Schaffung eines zusätzlichen Zuchtzentrums am Oberrhein.

Projektträger:  Collectivité européenne d’Alsace
Europäische Fördermittel: 1.042.125 Euro


3. Coradia Polyvalent: Zusammenarbeit der Territorien für mehr grenzüberschreitende Mobilität
Die Région Grand Est in Frankreich und die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg sowie das Saarland in Deutschland haben sich verpflichtet, gemeinsam an der Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität zu arbeiten. Die sieben Bahnstrecken entlang der 451 Kilometer langen deutsch-französischen Grenze sind das Herzstück dieses Projekts. Um dieses Ziel bis 2024 zu erreichen, sind mehrere Leitmaßnahmen geplant. Die wichtigste ist, dass die Züge über die notwendigen Zulassungen verfügen und technisch in der Lage sind, sowohl in Deutschland als auch Frankreich zu fahren. Dies ist das Ziel des Projekts Coradia Polyvalent. Es geht um die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Version des Zuges Coradia Polyvalent, der bereits in Frankreich fährt. Im Rahmen des Projekts werden die Entwicklungsphasen der Züge bis zu ihrer Freigabe für die Tests durchgeführt, die für die Erteilung der Verkehrszulassung erforderlich sind.

Projektträger: Région Grand Est
Europäische Fördermittel: ca. 3.000.000 Euro


4. Projekt THNS COLMAR-BREISACH: Grenzüberschreitende Buslinie
Nach der von INTERREG-kofinanzierten Vorstudie ist das Projekt THNS COLMAR-BREISACH zur Einrichtung einer hochwertigen Linienbusverbindung zwischen Colmar (F) und Breisach (D) der letzte Schritt vor der Fertigstellung der Linie. Die Projektpartner führen die abschließenden Studien durch, vergeben die Aufträge für den Betrieb der Strecke und führen die notwendigen Arbeiten aus. Am Ende des Projekts, das für Juni 2023 geplant ist, werden die Bewohner des Grenzgebiets eine Buslinie zum Überqueren der Grenze haben, die eine schnellere Verbindung, erweiterte Fahrpläne und eine höhere Frequenz bietet.

Projektträger: Région Grand Est
Europäische Fördermittel: 1.397.061 Euro


5. Chalampé / Neuenburg à Vélo: Neue Wege für den Rad- und Fußverkehr
Das neue Projekt Chalampé / Neuenburg à Vélo hat zum Ziel, eine sichere Passage für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende über die drei Brücken zwischen Chalampé (FR) und Neuenburg (DE) zu schaffen. Als wichtige Verbindung zwischen dem Südelsass und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sowie als gemeinsames Bindeglied zu mehreren grenzüberschreitenden Radwegen verfügen die drei Brücken, die Chalampé in Frankreich und Neuenburg in Deutschland verbinden, derzeit über keine speziellen Radverkehrsanlagen. Im Anschluss an die Machbarkeitsstudie, die die praktikabelste Option für die Realisierung der Fahrradübergänge bis Ende 2020 ermittelt hat, wird die zugewiesene Kofinanzierung die Durchführung der notwendigen Arbeiten ermöglichen. Von der neuen Infrastruktur werden auch die Touristen profitieren, die im Jahr 2022 zur Landesgartenschau in Neuenburg erwartet werden.

Projektträger: Collectivité européenne d’Alsace
Europäische Fördermittel: 1.132.115 Euro


6. KLIMACO: Unterstützung der Landwirte am Oberrhein bei der Anpassung an den Klimawandel
Das Projekt KLIMACO soll Landwirten in der Oberrheinregion helfen, ihre Tierhaltungsbetriebe an den Klimawandel anzupassen. Dank einer Diagnosephase werden die Partner konkrete Empfehlungen formulieren, die an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) weitergegeben werden, mit dem Ziel, ihren Kohlenstoff-Fußabdruck zu reduzieren und ihre Geschäftsmöglichkeiten zu erhöhen. Dieses Projekt schließt an das Projekt ELENA an, das von 2017 bis 2019 von INTERREG kofinanziert wurde und sich auf die Beratung von Viehzüchtern konzentrierte, wie sie ihre Fähigkeiten steigern und bewährte Praktiken auf beiden Seiten des Rheins austauschen können.

Projektträger: Chambre d’Agriculture d’Alsace
Europäische Fördermittel: 897.477 Euro


7. Projekt Business Sourcing: Vernetzung von Unternehmen für einen Wirtschaftsaufschwung nach der Corona-Krise
Um den Bedürfnissen von Unternehmen bei der Suche nach Märkten und lokalen Partnern in der Post-Covid-19-Periode gerecht zu werden, wird das Projekt Business Sourcing eine Web-Plattform für Unternehmen entwickeln. So können sie schnell andere Unternehmen oder Dienstleister identifizieren, die eine bestimmte Fähigkeit, ein bestimmtes Know-how oder eine bestimmte Dienstleistung in der Region Oberrhein anbieten oder suchen. Ziel des Projekts ist die Förderung von kurzen Wegen und die Begünstigung von Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen in Frankreich, Deutschland und der Schweiz im grenzüberschreitenden Bereich.

Projektträger: CCI Alsace Eurométropole
Europäische Fördermittel: 219.515 Euro


8. CinEuro – Oberrhein: Förderung des Oberrheins und der Großregion als führender Filmstandort
Im Rahmen des Projekts "Film am Oberrhein" (2018-2020) haben verschiedene audiovisuelle Akteure in der Oberrheinregion begonnen, grenzüberschreitend zu kooperieren. Es ist nun das Projekt „CinEuro – Oberrhein", das diese ersten Ergebnisse in die Tat umsetzt. Es ist komplementär zum Projekt „CinEuro – Großregion", das durch das INTERREG-Programm Großregion kofinanziert wird. Beide Projekte zielen darauf ab, das gegenseitige Wissen der Akteure zu verbessern, den Austausch zu entwickeln und Synergien zwischen den beiden geografischen Gebieten zu nutzen. So werden die Partner gemeinsam an Themen wie der Filmfinanzierung oder der grenzüberschreitenden Verbreitung und Öffentlichkeitsarbeit arbeiten. Darüber hinaus wird auch das "Greenshooting" beziehungsweise die nachhaltige Filmproduktion ein fester Bestandteil des Projekts sein. Die Projekte sollen den Oberrhein und die Großregion als Filmstandort fördern.

Projektträger: Région Grand Est
Europäische Fördermittel: 315.985 Euro


9. Projekt „Alle Akteure mit dem Eurodistrikt Region Freiburg Mitte und Südelsass“: Stärkung der Bürgerversammlungen
Die 2006 gegründete Eurodistrict Region Freiburg Centre & Sud Alsace erfuhr im April 2020 einen neuen Impuls durch den Erwerb der Rechtspersönlichkeit in Form eines Europäischen Verbunds für grenzüberschreitende Zusammenarbeit (EVGZ). Diese neue Struktur vervollständigt die Landschaft der grenzüberschreitenden Kooperationsgremien am Oberrhein. Neben den drei anderen Eurodistrikten, die von Lauterbourg über Straßburg und Kehl bis Basel vertreten sind, verfügt der Eurodistrikt Region Freiburg Centre & Sud Alsace nun über ein eigenes Budget, das es ihm ermöglicht, mit finanzieller Unterstützung des INTERREG-Programms ein Team aufzustellen, das eine Reihe von Veranstaltungen umsetzen wird, die für Begegnungen und den Austausch zwischen Bürgern auf beiden Seiten der Grenze gedacht sind. Auf dem Programm des Projekts „Alle Akteure mit dem Eurodistrikt Region Freiburg Mitte und Südelsass“ stehen für die nächsten drei Jahre Bürgerversammlungen, insbesondere von jungen Menschen, und Austauschmaßnahmen, die sich mit der Beseitigung der im Gebiet festgestellten grenzüberschreitenden Hindernisse befassen. Im Fokus stehen Fragen der Beschäftigung, der Gesundheit sowie die institutionelle Handlungsmöglichkeit.

Projektträger: GECT Eurodistrict Region Freiburg Centre & Sud Alsace, Europäische Fördermittel: 436.863 Euro

Hintergrund
Der Begleitausschuss des Programms INTERREG V Oberrhein setzt sich aus den politischen Vertreterinnen und Vertretern aus der Südpfalz, Baden, dem Elsass und der Nordwestschweiz zusammen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe ist offizieller Programmpartner im INTERREG Oberrhein. Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder ist Mitglied des Begleitausschusses. Die EU hat dem Begleitausschuss die Vergabe der Fördermittel für regionale Kooperationsprojekte übertragen. Gefördert werden Projekte, die einen besonders dauerhaften Effekt für die grenzübergreifende Oberrheinregion haben. Das europäische Programm verfügt für den Zeitraum von 2014 bis 2020 über insgesamt 102 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Seit 2014 wurden in den Bereichen Forschung, Mobilität, Umweltschutz, Arbeit, Tourismus und Zusammenarbeit der Verwaltungsbehörden und der Zivilgesellschaft bereits 175 Projekte auf den Weg gebracht. Eine neue INTERREG-Programmperiode für den Oberrhein wird derzeit vorbereitet.

Weitere Informationen zu INTERREG sind auf der Homepage https://www.interreg-oberrhein.eu/
bereitgestellt.

Das INTERREG-Programm am Oberrhein feierte im Jahr 2020 sein 30-jähriges Bestehen. Information dazu finden sich unter https://www.interreg-oberrhein.eu/interreg-feiert-30-jahre/.

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