Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2018 wird die Fischkinderstube in Edingen-Neckarhausen durch die Fischereibehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe jährlich kontrolliert. Dabei wurde im letzten Jahr festgestellt, dass die Zahl der Jungfische zurückging, was auf das naturgemäße Verschwinden des Totholzes zurückzuführen ist. In 2024 war nur noch die Hälfte des ursprünglich in die Fischkinderstube eingebrachten Geästs vorhanden. In den letzten zwei Wochen wurde deshalb die 320 Meter lange und bis zu 55 Meter breite Fischkinderstube in Edingen-Neckarhausen mit neuem Totholz aufgefüllt.
Das Seitengewässer ist eines der größten am Neckar und nur über einen schmalen Durchgang mit dem Fluss verbunden. So bietet es Jungfischen vieler heimischer Arten einen geschützten Lebensraum. Die Maßnahme wurde von der Fischereibehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe mit der Gemeinde Edingen-Neckarhausen abgestimmt und durch ein Privatunternehmen aus Ladenburg mit Unterstützung der Gemeinde umgesetzt. Finanziert wird der Einsatz von neuem Totholz aus dem fischereilichen Hedgefonds des Landes.
Das Totholz erfüllt in der Fischkinderstube einen wichtigen Zweck: Seine engmaschigen Lückenräume bieten kleinen Fischen Schutz vor Fressfeinden sowie ausreichend Nahrung. Im flachen, warmen Wasser können Larven und Jungfische somit sicher aufwachsen, bis sie flink genug sind, um Räubern im Freiwasser auszuweichen. In dem Seitengewässer sind sie außerdem vor den negativen Auswirkungen der Neckar-Schifffahrt, insbesondere vor Sog und schädigendem Wellenschlag, geschützt. Später im Jahr sind die jugendlichen Fische dann bereit, die Kinderstube zu verlassen und in den Neckar auswandern. Dass die Fischkinderstube damit eine hohe Wirksamkeit für den Fischnachwuchs im Neckar hat, haben die Kontrollen der Fischereibehörde wiederholt bestätigt.
Um den Fischbestand im Neckar nachhaltig zu sichern, sind jedoch weit mehr solcher Kinderstuben erforderlich. In dem kanalisierten, naturfernen Fluss sind zu wenige Schutzräume und zu wenig Nahrung vorhanden, um ausreichend Jungtieren die Entwicklung zum erwachsenen Fisch zu ermöglichen. Während im Frühjahr noch große Mengen an Fischbrut entlang der Neckarufer vorhanden sind, sind diese schon einige Wochen später weitgehend verwaist. Neben der Schifffahrt wirken sich auch fischfressende Räuber und die Konkurrenz mit anderen Arten negativ auf den Fischbestand aus.
Zusätzlich fehlt im Unteren Neckar eine angemessene biologische Durchgängigkeit: Damit Fische aus dem Rhein die Laichgebiete im Unteren Neckar und auch die Fischkinderstube in großer Zahl erreichen können und ein genetischer Austausch erfolgen kann, ist der Bau von Fischpässen an den Wasserkraftwerken Feudenheim und Schwabenheim notwendig.
Weitere Informationen zur Fischkinderstube sind auf der Homepage der Gemeinde Edingen-Neckarhausen zu finden.
Bild 1: Neu eingebrachtes Totholz in der Fischkinderstube Edingen-Neckarhausen
Bild 2: Viele Jungfische verstecken sich im Totholz
Bild 3: Jungfische aus der Fischkinderstube