Pressemitteilung

Planungen für Vor-Ernte-Monitoring angelaufen - Aktivitäten zum Verbraucherschutz und zur Aufarbeitung der PFC-Problematik gehen weiter

Blaue Molekülstruktur 3D-Darstellung

Die großflächigen Verunreinigungen von Boden und Grundwasser mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) in Mittel- und Nordbaden stellen für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung dar und erfordern die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Boden und Grundwasser werden daher vom Land und den zuständigen Behörden umfangreiche Maßnahmen getroffen, um die Menschen vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu schützen. Bisher haben die Kommunal- und Landesbehörden aufgrund der PFC-Problematik über 11 Millionen Euro Sachkosten für Forschungsprojekte, Untersuchungen und mehr aufgewendet.

Planungen für Vor-Ernte-Monitoring angelaufen

Für die von PFC-Verunreinigungen betroffenen Flächen in Mittel- und Nordbaden haben, wie in den vorangegangenen Jahren auch, die Planungen für das diesjährige Vor-Ernte-Monitoring begonnen. Die punktgenaue Untersuchung von verschiedenen Kulturen noch vor der Ernte erfordert auch in diesem Jahr umfangreiche Vorbereitungen, um den Verbraucherschutz in der bewährten Art und Weise zu gewährleisten. Zunächst werden Spargel und Erdbeeren untersucht, danach folgen Raps und Getreide und ab Spätsommer der Körnermais. Weitestgehend ganzjährig werden die verschiedenen Gemüse- und Salatsorten beprobt.

Beim Vor-Ernte-Monitoring werden die Pflanzen etwa 14 Tage vor der Ernte auf PFC untersucht. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Erzeugnisse mit PFC-Gehalten über den vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) festgelegten Beurteilungswerten nicht als Lebensmittel vermarktet werden. Um die Betriebe bei der Bewirtschaftung PFC-verunreinigter Flächen zu unterstützen, wurde im Jahr 2018 das Bewirtschaftungs- und Minimierungskonzept (BeMiKo) eingeführt. Hierbei werden einzelbetriebliche Konzepte im Sinne eines Managementplans erarbeitet, wie zum Beispiel modifizierte Fruchtfolgen, der Anbau alternativer Kulturen oder die Verbesserung der Möglichkeiten der Bewässerung.

Als ergänzender Baustein zur Sicherstellung des Verbraucherschutzes wird auch in diesem Jahr das sogenannte Pflanzenscreening weitergeführt. Damit sollen die bodenschutzrechtlichen Untersuchungen der Umweltämter zur Ermittlung von PFC-verunreinigten Flächen flankiert und mögliche Risiken für die Verbraucher minimiert werden.

Boden- und Grundwasserschutz durch umfangreiche Untersuchungen

Parallel wird die bodenschutzrechtliche Aufarbeitung durch die zuständigen Behörden der Stadt- und Landkreise vorangetrieben. So sollen mit umfangreichen Untersuchungsprogrammen sowohl in Mittel- als auch in Nordbaden die Bodenuntersuchungen von Verdachtsflächen bis Jahresende abgeschlossen werden. Nach Auswertung dieser Untersuchungen wird dann ein Gesamtbild der PFC-verunreinigten Flächen der Region vorliegen. Aktuell wurde vom Landratsamt Rastatt gegenüber dem Störer eine Detailuntersuchung für das kreisübergreifende Teilbearbeitungsgebiet Steinbach-Bühl-Vimbuch angeordnet. Diese soll eine abschließende Gefährdungsabschätzung für den Wirkungspfad Boden – Grundwasser ermöglichen und als Erkenntnisgrundlage für die Ableitung weiterer Maßnahmen dienen. In Baden-Baden wird für die Altablagerung Siebrestedeponie derzeit eine Sanierungsuntersuchung zur Festlegung des weiteren Handlungsbedarfs durchgeführt. Für den Standort „Ehemaliger Sportplatz der französischen Streitkräfte“ bereitet die Stadt Baden-Baden in Hinblick auf die Lage im Zustrom zum Wasserwerk Sandweier ebenfalls eine Sanierungsuntersuchung vor.

Das Grundwassermodell der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) wird stetig fortgeschrieben und die Kartendarstellungen im öffentlich zugänglichen Internettool PFC-Karten Online wurden bereits aktualisiert. Die Überwachung der PFC-Gehalte in Oberflächengewässern und im Grundwasser wird durch die zuständigen Stellen fortgeführt.

Trinkwasser und Gesundheit

Zur Sicherstellung der Qualität des Trinkwassers finden ergänzend zu den Untersuchungen der Wasserversorger regelmäßig staatliche Kontrollen statt. Die Gesundheitsämter untersuchen Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorger sowie der Eigenwasserversorger und unterstützen beratend in Hinblick auf zukünftigen Anforderungen aus der EU-Trinkwasserrichtlinie.

Die Blutkontrolluntersuchungen im Raum Rastatt/Baden-Baden werden fortgeführt. Der Rekrutierungszeitraum musste auf Grund der COVID-19-Pandemie zunächst verschoben worden. An der zweiten Blutkontrolluntersuchung 2020 haben insgesamt 249 Personen teilgenommen. Eine detaillierte Auswertung der Labor- und Fragebogendaten wird im ersten Halbjahr 2021 erfolgen.

Unterstützung von betroffenen Kommunen

Die Stabsstelle PFC am Regierungspräsidium Karlsruhe unterstützt die Kommunen bei Fragen zur Entwicklung von Baugebieten auf PFC-verunreinigten Flächen. Grundlegende Aspekte bei der Erstellung von Bebauungsplänen wurden in einem Hinweispapier aufbereitet. Im Einzelfall werden die Kommunen bei komplexen rechtlichen Fragestellungen unterstützt. So beispielweise die Stadt Bühl bei der Erstellung eines integralen Sanierungsplans im Zusammenhang mit der Erweiterung des Gewerbegebiets Bußmatten.

Forschungsarbeit

Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Aufarbeitung der PFC-Problematik mit einer Reihe von Forschungsvorhaben, die Grundlagen für die Analytik der umfangreichen Stoffgruppe der PFC und der Vorläufersubstanzen, das Prozessverständnis und die Bewertung und Ableitung von Maßnahmen bereitstellen sollen. Neben diesen umfangreichen Vorhaben im Rahmen von BWPLUS werden kleinere Projekte durch die LUBW und das Regierungspräsidium Karlsruhe zur Unterstützung der im Vollzug auftretenden Fragen durchgeführt.

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Stabsstelle PFC am Regierungspräsidiums Karlsruhe unter https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/abt5/ref541/pfc/ und auf den Seiten der LUBW unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/wasser/pfc-karten-online

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