Pressemitteilung

Rebhuhnschutz Schefflenztal: Landwirtinnen und Landwirte sind Dreh- und Angelpunkt für das Überleben des Rebhuhns

Heute, 28. März 2025, fand Infoabend zur finanziellen Förderung von Buntbrachen, Wildkrautäckern und artenreichem Grünland statt.

Stellvertretend für die Initiative Rebhuhnschutz Schefflenztal hatte die Landwirtschaftsbehörde am Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis für heute, 28. März 2025, Landwirtinnen und Landwirte zum Infoabend nach Schefflenz eingeladen. Die Veranstaltung fand bereits zum dritten Mal statt und stieß auch in diesem Jahr wieder auf großes Interesse.

Fachdienstleiter Dirk Büttner begrüßte die zahlreich erschienenen Landwirtinnen und Landwirte sowie Minister Peter Hauk MdL, der der Einladung der Rebhuhnschutz-Initiative gerne gefolgt war. Die Landwirtschaft hat in der heutigen Gesellschaft vielfältige Aufgaben zu erfüllen. Deshalb sei es wichtig, dass sie für ihren Beitrag zum Naturschutz angemessen entschädigt werde, leitete Dirk Büttner den Abend ein. Die landwirtschaftliche Sicht auf den Rebhuhnschutz sowie die Förderinstrumente aus Naturschutz und Landwirtschaft waren anschließend das Kernthema der Veranstaltung.

Für die erstmaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellte Judith Knebel vom Regierungspräsidium Karlsruhe die Rebhuhnschutz-Initiative vor. Da der Lebenszyklus des Rebhuhns vollständig an die Agrarlandschaft angepasst sei, müsse der Rebhuhnschutz in betriebliche Abläufe integriert werden, um zu gelingen. Besonders hervorzuheben sei im Schefflenztal die anhaltend gute Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure, die ein wichtiger Erfolgsfaktor im Naturschutz ist. Eine erfreuliche Entwicklung sei außerdem die positive Resonanz auf den gemeinsamen Newsletter, der seit Herbst 2023 im zweimonatigen Rhythmus erscheint und auf der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe barrierefrei zum Download zur Verfügung steht.

Dr. Elmar Werling von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Neckar-Odenwald gab einen Überblick über den aktuellen Rebhuhnbestand. Die bisherigen Beobachtungen aus dem Monitoring ließen für 2025 auf weniger Brutpaare als 2024 schließen. Dies sei vermutlich auf die ungünstigen Wetterbedingungen in der letzten Brutsaison zurückzuführen. Nach wie vor befindet sich aber im Schefflenztal die größte Rebhuhnpopulation des gesamten Regierungsbezirks, und auch im Vergleich mit anderen Regionen Deutschlands stehe das Projektgebiet gut da. „Wir haben in den letzten dreieinhalb Jahren viel erreicht, aber wir dürfen in unseren Schutzbemühungen nicht nachlassen“, lautete das Resümee.

Unkraut vergeht nicht? – Stimmt nicht! Das wurde im Vortrag von Judith Knebel vom Regierungspräsidium Karlsruhe deutlich. Von rund 220 Ackerwildkrautarten in Baden-Württemberg sind fast 100 ausgestorben, gefährdet oder stark im Rückgang begriffen. Ackerwildkräuter bilden aber gemeinsam mit dem Bodenleben die Basis der Nahrungspyramide für die Tiere der Feldflur. Jede einzelne Pflanzenart ist dabei ein wichtiges Glied im Ökosystem. Für die Landbewirtschaftung können „Wildkräuter“ jedoch durchaus zu „Unkräutern“ werden, etwa dann, wenn konkurrenzstarke Arten wie Acker-Fuchsschwanz oder Acker-Kratzdistel die Kulturpflanzen bedrängen und dadurch den Ertrag mindern. Naturschutzfachliches Potenzial von Ackerflächen erkennen und fördern, aber frühzeitig und angemessen auf problematische Entwicklungen reagieren – so lautet die große Herausforderung, für die vor allem eines wichtig ist: Landwirtschaft und Naturschutz müssen miteinander im Gespräch bleiben.

Individuelle Beratung, wie Landwirtinnen und Landwirte Rebhuhnschutz auf ihren Flächen umsetzen können, erhalten diese bei der Unteren Landwirtschaftsbehörde und dem Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis. Die Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung sind vielfältig: Lina Sauter, Naturschutzfachkraft, und André Heinbücher, Biodiversitätsberater, erläuterten die Palette an Fördermöglichkeiten aus der Landschaftspflegerichtlinie (LPR), den Ökoregelungen und dem Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT). 2024 wurden die Fördersätze der LPR angepasst, um den steigenden Kosten in der Landwirtschaft Rechnung zu tragen. Insgesamt wurden im Projektgebiet seit 2022 inzwischen auf rund 110 Hektar LPR-Verträge für das Rebhuhn abgeschlossen. Durch den Verzicht auf Düngemittel und Pflanzenschutzmittel, die Verringerung der Saatstärke und eine günstige Fruchtfolge können Äcker zu wahren Hotspots der Biodiversität werden. Auch ein später Stoppelumbruch trägt dazu bei. Ein wichtiger Bestandteil des Rebhuhnschutzes sind darüber hinaus die überjährigen Buntbrachen, die auch über den Winter nicht gemäht oder umgebrochen werden. Blütenbunt und strukturreich bieten sie Lebensraum für zahlreiche Insekten, die die Nahrungsgrundlage von brütenden Hennen und ihrem Nachwuchs sind, und gewähren gleichzeitig zu jeder Jahreszeit Deckung vor Beutegreifern. Davon profitieren nicht nur Rebhühner!

Nach Abschluss der Fragerunde sprach Minister Peter Hauk ein Schlusswort an die anwesenden Landwirtinnen und Landwirte. Beim anschließenden Ausklang kam auch der individuelle Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Initiative und den Gästen nicht zu kurz.

Hintergrundinformationen zu „Rebhuhnschutz Schefflenztal“

Die Initiative zahlreicher lokaler Akteure setzt sich seit 2021 unter der Federführung des Naturschutzreferats am Regierungspräsidium Karlsruhe für den Rebhuhnschutz im Schefflenztal ein. In dem rund 100 Quadratkilometer großen Projektgebiet zwischen Schefflenz, Billigheim, Mosbach, Elztal und Seckach soll das bedeutendste noch verbliebene Verbreitungsgebiet des Rebhuhns im gesamten Regierungsbezirk Karlsruhe erhalten und entwickelt werden.

In der Initiative engagieren sich Vertreterinnen und Vertreter des NABU, der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Neckar-Odenwald und des Hegerings Schefflenztal, unterstützt vom Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis. Viele Landwirtinnen und Landwirte beteiligen sich bereits an dem Projekt. Auch der Bauernverband macht mit, sowie die Kommunen Schefflenz, Billigheim, Elztal, Seckach und Mosbach, und die Naturschutz-, Landwirtschafts-, Jagd- und Flurneuordnungsbehörden des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis. Ziel der Initiative ist die langfristige Erhaltung der Rebhühner und die Stärkung der Bestände im Schefflenztal.

Weitere Informationen zur Initiative Rebhuhnschutz Schefflenztal