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  • Abteilung 5
    16.07.2018
    Experten-Besuch vom Europarat: Verlängerung des Europa-Diploms für das vom NABU betreute Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried wird in Aussicht gestellt
    Verlängerung steht nach zehn Jahren an
     Höckerschwäne Ermatinger Ried

    ​Der Sachverständige des Europarats, Dr. Robert Brunner aus Wien, hat kürzlich das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried (Kreis Konstanz) besichtigt, da nach zehn Jahren eine Verlängerung des „Europa-Diploms“ für das Schutzgebiet ansteht. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Europarat die erfolgreiche Arbeit zur Erhaltung eines besonderen Naturerbes und überprüft diesen Status in regelmäßigen Abständen.

    Das Europa-Diplom für Schutzgebiete wurde 1965 geschaffen. Seitdem verleiht der Europarat in Straßburg dieses Prädikat angeschützte Gebiete, die auf Grund ihrer biologischen oder geologischen Vielfalt oder ihres Landschaftsbildes von außergewöhnlichem europäischem Interesse sind. Das Europa-Diplom ist befristet und kann nach erneuter Begutachtung durch einen Sachverständigen und durch Beschluss des Ministerkomitees beim Europarat versagt oder verlängert werden. Die Verleihung und die Verlängerung sind stets mit Empfehlungen oder Bedingungen verbunden. Der Europarat lässt sich jährlich über aktuelle Entwicklungen im Gebiet berichten. In Deutschland gibt es acht Gebiete, denen dieses Prädikat verliehen wurde. Zwei davon liegen in Baden-Württemberg: das Wurzacher Ried und das Wollmatinger Ried.

    Das Naturschutzgebiet "Wollmatinger Ried - Untersee - Gnadensee" ist mit einer Gesamtfläche von 774 Hektar das größte und mit einer überaus artenreichen Pflanzen- und Tierwelt auch das bedeutendste Naturreservat am deutschen Bodenseeufer. Darauf ist auch der NABU besonders stolz, wie Harald Jacoby herausstellte: „Das Wollmatinger Ried bietet mit seiner abwechslungsreichen Uferlandschaft, den Riedflächen und den Flachwasserzonen einer Vielzahl von Pflanzen und Tierarten einen wertvollen Lebensraum. Vor allem für Wasser- und Röhrichtvögel ist es als Brut-, Mauser-, Rast- und Überwinterungsplatz von herausragender Bedeutung.“

    1968 erhielt das Wollmatinger Ried das Europa-Diplom des Europarates zum ersten Mal. 1973 erklärte der Internationale Rat für Vogelschutz das Gebiet zum Europareservat und seit 1976 zählt die Riedlandschaft zusammen mit den an­ grenzenden Seebuchten zu den "Feuchtgebieten internationaler Bedeutung" aufgrund der Ramsar-Konvention von 1971. Das Wollmatinger Ried ist ebenfalls durch das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 als FFH- und Vogelschutzgebiet geschützt.

    „Das Europa-Diplom ist sozusagen das Sahnehäubchen“, erklärte Dr. Bernd Seitz, der Referatsleiter für Naturschutz im Regierungspräsidium Freiburg. Zusammen mit dem Umweltministerium sorgt er als staatliche Naturschutzverwaltung gemeinsam mit dem NABU für die Einhaltung der Schutzziele. „Die außerordentliche Vielfalt an seltenen Pflanzen der Streuwiesen kann nur durch intensive Landschaftspflegemaßnahmen erhalten werden, die vom Land finanziert und vom Landschaftserhaltungsverband Konstanz organisiert werden“, so Seitz. „Die Schilf- und Flachwasserzonen mit deren reichhaltiger Vogelwelt benötigen einen wirkungsvollen Schutz.

    Das Regierungspräsidium Freiburg hat dem NABU die Betreuung des Schutzgebietes übertragen. Hierzu gehören die Mitwirkung an den Pflegemaßnahmen, die Information der Öffentlichkeit mit Führungen, die Erfassung der Bestandsentwicklung von Pflanzen und Tieren des Gebiets und die Erstellung von Jahresberichten.

    Die Verleihung des Europadiploms war bereits bisher mit Empfehlungen verbunden, was zum Erhalt dieses wertvollen europäischen Naturerbes getan werden muss. Dies war auch beim diesjährigen Besuch des Sachverständigen wieder ein zentrales Thema. So wurden zu Wasser Fragen der grenzüberschreitenden Schutzgebietskategorien im Ermatinger Becken und der Wasserstandsdynamik des Sees behandelt sowie die Belange des Vogelschutzes, der Fischerei und des Wassersports diskutiert.

    Zu Lande führten der NABU und das Regierungspräsidium den Sachverständigen zur Grünbrücke, die das Schutzgebiet über die B33 hinweg mit dem hochwassersicheren Hinterland verbindet, und zur neuen Besucherplattform. In den artenreichen Streuwiesen wurden die umfangreichen Pflegemaßnahmen und in der ausgedehnten urwüchsigen Schilfzone deren zentrale Bedeutung für den Vogelschutz erläutert. Auch der im Oktober dieses Jahres einzuweihende Neubau des NABU-Bodenseezentrums wurde besichtigt.

    Dr. Brunner stellte im Abschlussgespräch die Verlängerung des Europa-Diploms in Aussicht. Allerdings wird es auch wieder mit Empfehlungen verbunden sein, denen das Land Baden-Württemberg nachkommen muss. Der Sachverständige des Europarats zeigte sich in einer ersten Einschätzung von der bisher geleisteten Arbeit beeindruckt. „Das Gebiet hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt“, sagte Dr. Brunner. Allerdings gebe es auch weitere Entwicklungspotentiale, die es zu nutzen gilt. Dr. Seitz betonte abschließend, dass die Naturschutzverwaltung und der NABU darauf angewiesen seien, dass sie von der Bevölkerung, den Behörden und Kommunen vor Ort, den Nutzern und Interessengruppen unterstützt werden, dieses wertvolle Naturerbe konstruktiv zu erhalten.


    Foto: Herr Brunner (links) mit Herrn Jacoby, NABU

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