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Erst die Daten, dann die TatenDatengrundlagen

Moore sind hochkomplexe Ökosysteme, deren Zustand maßgeblich durch Wasserhaushalt, Torfmächtigkeit und Nutzung geprägt wird. Für eine erfolgreiche Planung und Umsetzung von Moorschutzmaßnahmen ist daher eine fundierte Datenbasis unerlässlich. Nur durch die Kombination verschiedener Datengrundlagen lassen sich geeignete Maßnahmen ableiten, priorisieren und bewerten – vom Flächenpotenzial, über Besitzverhältnisse bis zur konkreten Wiedervernässung.

Zur Planung von Maßnahmen im Moorschutz sind insbesondere folgende Fragen entscheidend:

  • Verortung und Zustand: Wo liegen Moorflächen und in welchem Zustand befinden sie sich?
  • Torfkörper: Wie mächtig ist der Torfkörper und wie stark ist er degradiert?
  • Hydrologie: Wie ist der aktuelle Wasserhaushalt (Grundwasser, Entwässerung)?
  • Flächennutzung: Welche Nutzungen liegen vor (z. B. Landwirtschaft, Naturschutz)?
  • Klimawirkung: Welche Klimaschutzpotenziale bestehen (CO₂-Emissionen / -Speicherung)?

Zur Beantwortung dieser Fragen stehen in Baden-Württemberg bereits teils Datengrundlagen zur Verfügung, teils befinden sich Datensätze noch in der Entwicklungen oder wurden bisher nicht angegangen. 

Praxis-Tipp: Beginnen Sie früh mit einer einfachen Vor-Ort-Bewertung/Begehung, bevor aufwendige Planungen gestartet werden.

Zentrale Datengrundlagen im Moorschutz in Baden-Württemberg

Die räumliche Lage von Mooren in Baden-Württemberg lässt sich über mehrere Kartengrundlagen ermitteln. Zentrale Datensätze sind:

  • Historische Moorbodenkarte - Gibt Aufschluss über die historische Verbreitung von Moorböden im Land und stellt diese inselartig dar.
  • Moorkarte BK50-Moor - Weist Moorböden, mooranverwandte Böden und weitere kohlenstoffreiche Grund- und Stauwasserwasserböden im Maßstabsbereich 1 : 25 000 bis 1 : 50 000 aus.
  • LGRB-Kartenviewer - Das fachübergreifende Karten- und Erläuterungswerk des LGRB, über das die Moorgeodaten interaktiv eingesehen werden können.
  • Online-Karte Paludikultur-Potenziale - Zeigt potenziell geeignete Moorflächen für die Paludikultur auf kommunaler Ebene in Deutschland mit konkreten Hektar-Angaben.
  • GLÖZ 2 Kulisse: Ein agrarpolitischer Datensatz zum Schutz von Feuchtgebieten und Moorböden auf landwirtschaftlichen Flächen

Ein Informationsschreiben der LUBW mit einer Einordnung des vorhandenen Kartenmaterials finden Sie hier. 

Praxis-Tipp:
Nutzen Sie zunächst die BK50-Moor zur groben Flächenabgrenzung und kombinieren Sie diese mit aktuellen Luftbildern (z. B. im Geoportal BW). Gerade kleinere Moorreste sind oft nicht vollständig erfasst.

Die Torfmächtigkeit ist eine zentrale Kenngröße für das Klimaschutzpotenzial eines Moores.

Die Daten sind nicht flächendeckend, sondern nur für gut untersuchte Moorbereiche interpoliert verfügbar.

Praxis-Tipp:
Verwenden Sie Bohrdaten zur Ersteinschätzung. Für konkrete Projekte (z. B. Wiedervernässung) immer ergänzende Sondierungen im Gelände durchführen.

Der Wasserhaushalt ist der entscheidende Faktor für den Zustand eines Moores:

  • Intakte Moore sind dauerhaft nass #nässerischbesser
  • Entwässerte Moore setzen CO₂ frei

Relevante Datengrundlagen:

  • Grundwasserdaten, inklusive Wasserstände, finden sich bei der LUBW
  • Wasserstandsmessungen in ausgewählten Mooren durch die LUBW
  • Entwässerungsgräben / Drainagen
  • Oberflächengewässer

Praxis-Tipp:
Diese Daten sind selten vollständig verfügbar und müssen erhoben werden. Hydrologische Gutachten, Geländeaufnahmen (Gräben, Staue, Abflüsse) sowie einfache Pegelmessungen liefern einen großen Mehrwert. Hierfür gibt es vielfach Fördermöglichkeiten.

Moore sind häufig Teil von Schutzgebieten:

  • ca. 82 % der Moorbiotope liegen in FFH- oder Naturschutzgebieten

Relevante Datensätze:

Praxis-Tipp:
Prüfen Sie frühzeitig den Schutzstatus, da dieser entscheidend für Genehmigung & Förderung von Wiedervernässungsmaßnahmen ist. Biotopdaten geben oft Hinweise auf das Renaturierungspotenzial.

Moore speichern große Mengen Kohlenstoff, verlieren diesen aber bei Entwässerung:

  • Entwässerte Moore sind relevante Treibhausgasquellen
  • Intakte Moore wirken als Kohlenstoffsenken

Datengrundlagen:

  • Torfmächtigkeit
  • Nutzung
  • Wasserstand

Die 2025 veröffentlichte Studie "Treibhausgasemissionen aus organischen Böden in Baden-Württemberg" der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen wurden die Emissionen organischer Böden berechnet, die wiederum als Grundlage für die Entwicklung eines landesweiten Emissionskatasters dienen soll. Für moorreiche Landkreise werden auch Karten zu Treibhausgasemissionen und Wasserstufen bereitgestellt. Zudem gibt es u.a. für alle Naturschutzgebiete innerhalb der Moorkulisse eine Schätzung der THG-Emissionen. 

Praxis-Tipp:
Für Förderanträge ist eine Einschätzung der Klimawirkung oft wichtig. Eine grobe Abschätzung der Einsparpotenziale reicht vielfach aus. Der Klimaschutzrechner des Greifswald Moor Centrums kann hier weiterhelfen. 

Neben den naturräumlichen Daten sind für die Umsetzung entscheidend:

Von Ende 2024 bis Ende 2025 arbeitete die Universität Hohenheim im Auftrag des Landes am Projekt „Ökonomische und hydrologische Analyse zum Wiedervernässungs- und Treibhausgasminderungspotenzial von landwirtschaftlich genutzten Mooren in Baden-Württemberg (LandMoRe BW)“. Der Endbericht wird aktuell ausgewertet und ist somit hoffentlich bald öffentlich zugänglich. 

Praxis-Tipp:
Klären Sie die Flächennutzung früh, da dies häufig der limitierende Faktor bei Wiedervernässungsvorhaben ist. Gespräche mit Flächeneigentümern oder Flächenbewirtschaftern oft zielführend. 

Grenzen und Herausforderungen der Datengrundlage

Grenzen und Herausforderungen der Datengrundlage

Die verfügbaren Datengrundlagen bieten eine wichtige Grundlage für die Planung von Moorschutzmaßnahmen. In der Praxis stoßen sie jedoch häufig an Grenzen, die bei der Bewertung und Umsetzung berücksichtigt werden müssen. Die Qualität und Verfügbarkeit von Daten ist je nach Datensatz unterschiedlich:

  • Unvollständige Abdeckung: Moorflächen sind nicht überall flächendeckend kartiert
  • Unterschiedliche Aktualität: Viele Datensätze basieren auf älteren Erhebungen
  • Maßstabsbezug: Karten (z. B. BK50-Moor) sind für die Übersicht geeignet, aber nicht für Detailplanung
  • Modellierte Daten: z. B. Torfmächtigkeit oft interpoliert, nicht gemessen und geben auf Grund des Alters der Erhebungen vielfach nicht mehr die aktuellen Gegebenheiten wider. 

Untere anderem Daten zu aktuellen Wasserstände und saisonale Schwankungen, dem Zustand von Entwässerungsstrukturen sowie zur aktuellen Nutzung und Bewirtschaftungsintensität müssen vielfach projektbezogen erhoben werden. 

Kontakt FaMoos und ANK

Fachstelle Moor und Natürlicher Klimaschutz, ANK-Regionalbüro für Baden-WürttembergLandesweit zuständig!

Fachstelle Moor und Natürlicher Klimaschutz, ANK-Regionalbüro für Baden-Württemberg Landesweit zuständig!

Leitung 

Dr. Simone Beck
Fachstelle Moor und Natürlicher Klimaschutz
zuständig für Netzwerkarbeit, Berichtswesen Förderung
07071 757-6566
E-Mail senden

Lorenz Blume
Regionalbüro ANK
zuständig für Netzwerkarbeit und Förderung | Moor
07071 757-6695
E-Mail senden

 

Pauline Bode
Regionalbüro ANK
zuständig für Netzwerkarbeit und Förderung | Wald
0761 208-1482
E-Mail senden



Sergi Grebenyuk
Fachstelle Moor und Natürlicher Klimaschutz
zuständig für Datenmanagement
07071 757-6618
E-Mail senden

 

Wie gehe ich in der Praxis vor?

Die vorhandenen Datengrundlagen bieten eine wichtige erste Orientierung. Für die konkrete Planung von Moorschutzmaßnahmen sollten sie jedoch immer mit einer Einschätzung vor Ort kombiniert werden.

Ein bewährtes Vorgehen ist:

  1. Fläche identifizieren
    Moorflächen und potenzielle Maßnahmenräume über vorhandene Karten und Luftbilder eingrenzen.
  2. Datengrundlage prüfen
    Informationen zu Moorboden, Torfmächtigkeit, Schutzstatus, Nutzung und Wasserhaushalt zusammenführen.
  3. Vor-Ort-Begehung durchführen
    Entwässerungsstrukturen, Wasserstände, Vegetation und aktuelle Nutzung im Gelände erfassen sowie bodenkundliche Kartierungen durchführen.
  4. Maßnahmenpotenzial bewerten
    Prüfen, ob Wiedervernässung fachlich sinnvoll, hydrologisch möglich und mit der aktuellen Nutzung vereinbar ist.
  5. Nächste Schritte ableiten
    Bei geeigneten Flächen frühzeitig Fachbehörden, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Bewirtschaftende einbinden.
  6. Finanzierung sicherstellen
    Frühzeitig klären, ob Finanzmittel zur Verfügung stehen oder ob Fördergelder akquiriert werden müssen.