Wandern in der Wutachschlucht

Naturschutzgebiet Wutachschlucht

Die rund 30 Kilometer lange Wutachschlucht im Alb-Wutach-Gebiet ist ein faszinierendes Wildflusstal und eines der ältesten Naturschutzgebiete in Baden-Württemberg. Sie steht als Natura 2000-Gebiet unter europäischem Schutz.

Die geologisch und klimatisch sehr abwechslungsreichen Schluchten beherbergen ein höchst artenreiche Tier- und Pflanzenwelt, darunter viele vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Arten. Diese biologische Vielfalt und deren Lebensräume in der landschaftsgeschichtlich bedeutenden Grundgebirgs- und Muschelkalkschlucht zu erhalten, ist Zweck des Naturschutzgebiets. 

Kontakt

Friederike Tribukait
Gebietsreferentin Landkreis Waldshut
0761 208-4136
friederike.tribukait@rpf.bwl.de

Joshua Petelka
Projektkoordinator „Zukunft Naturraum Wutachschlucht“
0761 208-4147
Joshua.Petelka@rpf.bwl.de

Martin Schwenninger
Ranger im Naturschutzgebiet Wutachschlucht
07703/919412
Martin.Schwenninger@landkreis-waldshut.de

Besuch und Anfahrt

Besucherinnen und Besucher erreichen die Region Wutachschlucht zu Fuß, mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. 

Generell sind die verfügbaren Parkplätze besonders in den Sommermonaten zwischen Mai und September schnell belegt. Deswegen empfehlen wir die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Sowohl von Freiburg als auch von Donaueschingen kommen Sie mit dem Zug stündlich bis Rötenbach, Löffingen, Bachheim oder Döggingen. Von hier verkehren dann drei auf die Bahnanschlüsse getaktete Wanderbuslinien, welche Sie bequem zu den wichtigsten Einstiegspunkten in die Wutachschlucht bringen. Der Wanderbus verkehrt an Wochenenden und an Feiertagen in der Wandersaison von April bis Oktober.

Fahrplan für den Wanderbus

Flora in der Wutachschlucht

Die abwechslungsreichen Schluchten der Haslang, Wutach und Gauchach beherbergen rund 40 Prozent der in Süddeutschland erfassten 2.800 Farn- und Blütenpflanzen. An den schattigen, feuchten Nordhängen der Muschelkalkschlucht wächst der artenreiche Ahorn-Eschen-Schluchtwald. Märzenbecher und Bärlauch überziehen hier im Frühjahr den Waldboden in ausgedehnten Beständen. Im Sommer werden sie abgelöst durch die Mondviole, das Christophskraut und andere Stauden, die humusreichen, feuchten Boden lieben. Dichte Moos- und Flechtenpolster auf älteren Bäumen lassen diese Waldbestände wie einen Märchenwald erscheinen.

In der Flussaue am Grunde der Schlucht bietet sich ein völlig anderes Bild: Bei Hochwasser vermag die Wutach Kiesinseln neu aufzuschütten, auf denen sich Pionierpflanzen wie Wildkresse und Barbarakraut ansiedeln. Auf gefestigten Kiesflächen kommen Rohrglanzgras und die weit verbreitete, durch ihre großen Blätter auffällige, Pestwurz vor.

Fauna in der Wutachschlucht

Auch die Tierwelt der Wutachschlucht ist sehr artenreich: Zoologen schätzen ein Vorkommen von ca. 10.000 Arten an Wirbel-, Glieder-, und Weichtieren. Charakteristische Arten sind zum Beispiel die Wasseramsel mit ihrem weißen Brustfleck, der nach Regen anzutreffende Feuersalamander und der Faulrüssler, ein kleiner Rüsselkäfer.

Jede dieser Arten hat ihre Besonderheiten: Wussten Sie, dass die Wasseramsel unter Wasser auf Beutefang geht, oder dass der Faulrüssler viele Löcher in die Pestwurzblätter schneidet?

Geologische Besonderheiten in der Wutachschlucht

Wenn Sie die Wutach entlangwandern, treten Sie eine abwechslungsreiche Reise durch mehrere 100 Millionen Jahre Erdgeschichte auf etwa 30 Kilometer Wanderstrecke an. Die Wutach schneidet heute in ihrem Lauf nahezu alle Gesteinsschichten Südwestdeutschlands an. Aus der engen Grundgebirgsschlucht mit Schwarzwälder Gneisen und Graniten fließt sie über den auffallend gefärbten Bereich des Buntsandsteins in die Muschelkalkschlucht, die mit ihren hellen, oft steil aufragenden Wänden an einen „Canyon“ erinnert. Etwa bei der Gauchachmündung gelangt die Wutach schließlich in den Keuper und noch weiter flussabwärts in die Schichten des Unter- und Mitteljuras.

Schuhe und Rucksack vor einem Gewässer

Sicherheit in der Schlucht

Eine Wanderung durch die Wutachschlucht darf keinesfalls unterschätzt werden! Schmale, unebene Steige und enge Wege machen die Wutachschlucht zu einer abenteuerlichen und streckenweise gefährlichen Wanderung durch das Wildflusstal. Romantische Wasserfälle und die außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt verführen zu erlebnisreichen Wandertouren – doch ein Mindestmaß an Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist dringend erforderlich. Wir empfehlen eine Tour durch die Schlucht erst ab einem Alter von sechs Jahren. Die Wutachschlucht ist in der Regel von Mai bis in den Oktober gut zu begehen. Doch auch in den Sommermonaten ist bei starkem Regen absolute Vorsicht geboten. Bitte beachten Sie, dass im gesamten Naturschutzgebiet Hunde angeleint werden müssen. Entlang der Wege sind immer wieder Gitterroste und steile Gitterrosttreppen verbaut, die von Ihrem Hund überquert werden müssen.

Durch rücksichtsvolles Verhalten tragen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit und der anderer bei

Je nach Witterung sind die Wanderwege in der Schlucht streckenweise sehr matschig und es besteht Rutschgefahr. In den Wintermonaten ist die Schlucht für Wandernde gesperrt. Radfahren, Mountainbiken und Reiten sind generell verboten. Zudem sind Wege nicht für Kinderwagen und Rollstühle geeignet. Schöne Alternativen mit grandiosen Fernblicken bieten sich auf den Hochflächen. 

Auf Ihre Mithilfe kommt es an!

Bitte bleiben Sie im Naturschutzgebiet Wutachschlucht auf den ausgezeichneten Wegen. So helfen Sie mit, das einzigartige Naturschutzgebiet Wutachschlucht zu erhalten. Wenn Sie sich unsicher sind, wie Sie sich im Naturschutzgebiet Wutachschlucht richtig verhalten sollten, helfen Ihnen verschiedene Hinweistafeln im gesamten Naturschutzgebiet.

Die Schutzgebiete in der Wutachregion

Das heutige, erweiterte Naturschutzgebiet Wutachschlucht mit einem Teil des Gauchachtals umfasst 950 Hektar, das umgebende Landschaftsschutzgebiet weitere 415 Hektar.

Die erste Schutzgebietsverordnung für das Naturschutzgebiet „Wutachschlucht“ stammt aus dem Jahr 1939. Dennoch wurde 1941 geplant, den Fluss aufzustauen und sein Wasser zur Gewinnung elektrischer Energie abzuleiten. Dank der Bürgerinitiative „Rettet die Wutachschlucht“ und der Unterstützung durch den Schwarzwaldverein konnte dieses Projekt verhindert und das Naturschutzgebiet erhalten werden.

Wegen ihrer Vielfalt an Tieren (Fauna), Pflanzen (Flora) und Lebensräumen (Habitaten) erhielten die Wutachschlucht und die weitere Wutachregion am 5. Februar 2010 die Auszeichnung als Natura 2000-Gebiet.

Natura 2000 soll dazu beitragen, dass auch kommende Generationen noch eine vielfältige und artenreiche Natur erleben können. Das Besondere an diesem ca. 14.000 Hektar großen Gebiet ist die tief eingeschnittene Wutach sowie die offenen Hochflächen außerhalb der Schlucht. Von herausragender Bedeutung sind die Auenwälder im Übergangsbereich zwischen den regelmäßig überfluteten Flussufern und den teils urwaldartig anmutenden Schluchtwäldern. Obwohl das Offenland nur einen kleinen Anteil einnimmt, stellen die nur schwach gedüngten blumenbunten Mähwiesen wertvolle Rückzugsräume für viele Pflanzen- und Tierarten dar. Zusammen bieten diese Lebensräume gefährdeten Arten, wie zum Beispiel der Kleinen Traubenhyazinthe, der Arznei-Schlüsselblume, verschiedenen Fledermausarten und dem Eisvogel, ein zu Hause.

Die südexponierte Hochfläche bei Göschweiler, das sogenannte Löffinger Muschelkalkhochland, beschreibt eine besonders artenreiche und von Hecken durchzogene Wiesenlandschaft. Inmitten dieser liegen zahlreiche mulden- oder schachtförmige Dolinen, die durch Einbrüche im Muschelkalk entstanden sind. Sie verleihen dem Gebiet einen besonderen Charakter.

Herrliche Ausblicke über blühende Wiesen bis hin zu den Alpen laden zu einem Besuch des Natura 2000-Gebiets ein. Knapp außerhalb des ca. 474 Hektar großen Gebiets befindet sich östlich von Göschweiler im Gewann Rosshag die imposanteste Einsturzdoline. Der ursprünglich 38 Meter (heute 22 Meter) tiefe Schacht mit einem Durchmesser von 16 bis 18 Metern ist der jüngste von zahlreichen Einbrüchen im Muschelkalk. Dolinen stehen als geomorphologische Besonderheiten national und europaweit unter Naturschutz.

Den nährstoffarmen Feuchtwiesen und blumenbunten Mähwiesen der Hochfläche kommt aufgrund ihrer großen Anzahl an seltenen und zum Teil vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten eine landesweite Bedeutung zu. Das Gebiet beherbergt seltene Arten wie den Frühlings-Enzian und das Braunkehlchen und wird im Auftrag der Naturschutzverwaltung in Zusammenarbeit mit lokalen Landwirtschaftsbetrieben gepflegt.

Die Wutachflühen stellen den Teil des Wutachtals dar, der südlich des sogenannten Wutach-Knies zwischen Achdorf und Grimmelshofen liegt. In ihrem Landschaftscharakter und dem milderen Klima unterscheiden sich die Flühen deutlich von der Schlucht oberhalb der Wutachmühle.

Unmittelbar neben dem Fluss steigen die Talhänge in bis zu 80 Meter hohen Felswänden auf. Der Begriff Flühen leitet sich aus dem alemannischen fluh, flüe ‚Felswand‘ ab und nimmt Bezug auf die ausgedehnte Felswand gegenüber der Ortschaft Blumegg. Hier brüten Uhu, Wanderfalke und Kolkrabe.

Der Wanderfalke hatte Mitte der 1960er-Jahre hier eines seiner letzten Brutvorkommen in Baden-Württemberg, bevor sich die Art durch konsequenten Schutz wieder ausbreiten konnte. Von nationaler Bedeutung sind die Fledermaus-Überwinterungsquartiere in den Eisenbahntunneln der Sauschwänzlebahn.

Das Gebiet ist seit 1978 Naturschutzgebiet (ca. 374 Hektar) und seit 2004 Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 (ca. 6.325 Hektar). Die Hänge sind mit Schlucht- oder Orchideen-Buchenwäldern bestockt und das Offenland ist gekennzeichnet durch großflächige blumenbunte Wiesen. Von herausragender Bedeutung und gebietsprägendem Charakter sind die nicht oder nur schwach gedüngten Mähwiesen und die teils beweideten orchideenreichen Halbtrockenrasen. In lichten Nadelwäldern kommt als Besonderheit der Frauenschuh vor.

Wanderer in der Wutachschlucht

Wanderungen in und um die Wutachschlucht

Der sensible Naturraum Wutachschlucht mit dem tief eingeschnittenen Wildfluss Wutach und den offenen Hochflächen außerhalb der Schlucht bilden eine geologisch und landschaftsgeschichtlich einzigartige Landschaft. Die Besucherlenkung ist ein Schwerpunkt der Schutzgebietsbetreuung.

Seit Juni 2022 sind in der Wutachregion zehn neue Rundwanderwege ausgewiesen, auf denen Besucherinnen und Besucher das abwechslungsreiche Gebiet naturverträglich erkunden können.

Wanderbroschüre Eröffnung der zehn neuen Rundwanderwege in der Region Wutachschlucht Pocketguide Wutachregion

        

 

 

Ausrufezeichen

Wie verhalte ich mich im Naturschutzgebiet?

Bitte beachten Sie bei Ihrer Wanderung durch die Naturschutzgebiete folgende Regeln, um die hier lebenden Tiere und Pflanzen zu schützen:

  • Bitte bleiben Sie auf befestigten oder markierten Wegen.
  • Führen Sie Ihre Hunde an der Leine.
  • Bitte vermeiden Sie Lärm.
  • Das Fangen, Töten und Beunruhigen von Tieren ist untersagt.
  • Das Pflücken, Ausgraben und Beschädigen von Pflanzen ist verboten.
  • Abfälle bitte einpacken und bis zum nächsten Mülleimer mitnehmen.
  • Radfahren und Reiten ist verboten.
  • Flüsse und Bäche dürfen nicht betreten oder verunreinigt werden.
  • Das Zelten, Biwakieren, Lagern und Feuermachen ist im Naturschutzgebiet verboten.

Aktuelle Projekte im Naturschutzgebiet Wutachschlucht

Schulprojekt "Zukunft Naturraum Wutachschlucht": Tag der Bildungsmobile

63 Grundschülerinnen und -schüler waren in der Wutachschlucht als Entdecker unterwegs. 

Ein Mann hält eine Gartenschere in der Hand

Landschaftspflegetag

Ein Landschaftspflegetag in der Wutachschlucht wird in Kooperation mit dem Volutourismus-Projekt des Naturpark Südschwarzwald am Freitag, 7. Oktober 2022 erstmalig durchgeführt.

Alle Infos und Anmeldung unter www.voluntourismus-im-naturpark.de

Wutachschlucht mit Pferden

Mahd- und Weideprojekt 

Mit zwei Schwarzwälder Pferden mähen Werner und Simon Blattert die Naturschutzwiesen in der Wutachschlucht bei Bad Boll, da hier keine landwirtschaftlichen Geräte hinkommen. Unterstützt werden sie von Landschaftsökologe Florian Hertenstein. Das Pojekt wird vom Büro BHM / F. Hertenstein im Auftrag des Regierungspräsidiums durchgeführt.