Zeichnung der Gauchachtalbrücke

Zweite Gauchachtalbrücke im Bereich der B 31 Ortsumfahrung Döggingen

Fachinformation

Helmut Mayer
Projektleiter
helmut.mayer473@rpf.bwl.de

Das Projekt

Ausgangslage

​Im Zuge der B 31 wird auf den Gemarkungen Döggingen und Unadingen die zweite Gauchachtalbrücke geplant und gebaut. Es handelt sich um die Südbrücke über das Gauchachtal, die Nordbrücke wurde bereits realisiert und ist seit vielen Jahren unter Verkehr.

Die zweite Brücke verbessert die Verkehrssicherheit und erhöht die Leistungsfähigkeit der verkehrswichtigen B 31 zwischen Freiburg und Donaueschingen. Die Brücke ist das letzte noch fehlende Teilstück zur Fertigstellung der Ortsumfahrung Döggingen. Diese wurde 1991 planfestgestellt, die beiden Tunnelröhren und die erste Gauchachtalbrücke wurden 2001 dem Verkehr übergeben. Die neue Brücke soll ebenso wie die erste Gauchachtalbrücke als Stahlverbundbau hergestellt werden. Im äußeren Erscheinungsbild werden beide Brücken gleich sein.

Zusätzlich zum Neubau der rund 826 Meter langen Südbrücke müssen auch umfangreiche begleitende landschaftspflegerische Maßnahmen ausgeführt werden. Ebenso wird die B 31 auf einer Länge von rund 470 Meter von zwei auf vier Fahrstreifen einschl. Verziehung auf den westlich angrenzenden zweistreifigen Querschnitt ausgebaut.

Dem Projekt vorausgehend wurde bereits 2018 die Umleitungsstrecke für den Tunnel Döggingen durch das Gauchachtal umfangreich saniert. Nach Neubau und Inbetriebnahme der zweiten Gauchachtalbrücke ist vorgesehen, den direkt angrenzenden Abschnitt der B 31 im Bereich der Ortslage Unadingen verkehrsgerecht auszubauen.

Die erforderlichen verwaltungsinternen Genehmigungsverfahren sind eingeleitet. Parallel dazu werden die öffentlichen Ausschreibungen der Arbeiten vorbereitet. Der Start der Ausschreibungsphase ist nach derzeitigem Stand für 2020 vorgesehen, der Baubeginn wird 2021 angestrebt. Die Bauzeit wird mit rund drei Jahren veranschlagt. Erklärtes Ziel für die Planung der Bauzustände ist eine Minimierung der Verkehrsbeeinträchtigungen auf der bestehenden B 31.

Das Projekt ist im Rahmen des Stufenplanes Digitales Planen und Bauen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur eines der Pilotprojekte für Building Information Modelling (BIM) im Straßenbau.

Flankierend befindet sich der Ausbau der B 31 im Bereich der Ortslage Unadingen im Übergang vom bereits dreistreifig ausgebauten Abschnitt westlich von Unadingen auf den künftig vierstreifig ausgebauten Abschnitt über das Gauchachtal auf einer Länge von rund einem Kilometer, die grundhafte Sanierung der Betriebstechnik und Überarbeitung des Betriebskonzeptes des Tunnels Döggingen sowie der Rückbau des Straßendammes der ehemaligen B 31 in der Talaue in Bearbeitung. Diese Projekte sind noch in der Entwurfsphase. 


BIM - Building Information Modelling

Im Auftrag des Ministeriums für Verkehr des Landes Baden-Württemberg und des BMVI wird die zweite Gauchachtalbrücke als BIM-Pilotprojekt des Bundes geplant. Die Planung und Realisierung von Straßeninfrastrukturprojekten sollen mit Hilfe digitaler Tools strukturell verbessert werden.

Über die Einführung digitaler Methoden – Building Information Modeling (BIM) sollen Baukostenüberschreitungen und Terminproblemen wie sie bei einer Reihe von großen Bauprojekten in Deutschland aufgetreten sind, minimiert werden.

Die Einführung der BIM-Methode war vom BMVI in mehreren Stufen vorgesehen, um bis zum Jahr 2020 ein gemeinsames Verständnis aller am Bau Beteiligten zu erzeugen, Anforderungen klar zu formulieren und einen ausreichenden Zeithorizont zu schaffen, damit sich die öffentlichen Auftraggeber und die Privatwirtschaft darauf vorbereiten können. Ziel des Bundes ist die Anwendung der BIM-Methode bei allen neu zu planenden Projekten ab 2020.

Über das Pilotprojekt „Gauchachtalbrücke“ werden Erfahrungen bei der aktiven Anwendung der BIM-Methode gesammelt. Die operative Zuständigkeit für das Projekt liegt beim Regierungspräsidium Freiburg.

Im BIM werden über vorhandene und neue Software-Programme die geometrischen und semantischen Informationen von Bauwerken, Bauteilen, Flächen etc. miteinander verknüpft und dargestellt So wird die Gauchachtalbrücke im aktuellen Projekt nicht wie bisher üblich in einem CAD-System konstruiert um zweidimensionale Pläne erzeugen zu können, sondern vollständig dreidimensional modelliert. Die einzelnen (Bau)teile dieses Modells werden zusätzlich mit Informationen versehen (Materialgüten, Kosten etc.)

Idealerweise erfolgt diese Modellierung im Gesamtprojekt nach einheitlichen Standards für alle beteiligten Sparten, so dass ein Zusammenführen der einzelnen Fachmodelle in einem sog. Koordinationsmodell Schnittstellen und Konflikte frühzeitig und vollständig sichtbar macht.

Wichtige Aspekte sind dabei die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten in einem gemeinsamen Datenraum, die Definition leistungsfähiger Schnittstellen und die hohen Anforderungen, die an die Strukturen der Modellierung und der Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten zu stellen sind.

Ziele sind eine Qualitäts- und Effizienzsteigerung sowie Erhöhung von Termin- und Kostensicherheit durch eine transparentere Zusammenarbeit der Projektbeteiligten und eine durchgängigere Verwendung aller Daten im Projekt.

Die Vermittlung von Projektinhalten für extern Beteiligte und Interessierte wird durch die Möglichkeiten der Visualisierung von modellierten Fachplanungen ebenfalls wesentlich erleichtert.

Im Pilotprojekt Gauchachtalbrücke lag der Fokus in der bisherigen Entwurfsphase auf folgenden Themen:

  • modellierter Bauwerksentwurf,
  • BIM-koordinierte Bearbeitung Vermessung/ Brücke/ Straße,
  • Schnittstellen, Prüfung externer Leistungen, Planableitung für Genehmigungsunterlagen.

Im weiteren Projektverlauf wird angestrebt,

  • die Ausschreibungsvorbereitung aus den Modelldaten heraus zu unterstützen,
  • die BIM-koordinierte Bearbeitung auf weitere Sparten im Projekt auszuweiten sowie
  • in BIM Anwendungsfällen in der Bauausführung und -abrechnung Erfahrungen zu sammeln.

Weitere Informationen rund um das Thema BIM finden Sie auch auf den Seiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.

​Fachinformationen erhalten Sie auf Nachfrag eauch bei Dipl.-Ing. Karl Kleemann (karl.kleemann@rpf.bwl.de).


Zahlen und Fakten

  • ​Lage: Zwischen dem Schwarzwald-Baar-Kreis, Stadt Bräunlingen, Ortslage Döggingen und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Stadt Löffingen, Ortslage Unadingen
  • Bauherr: Bundesrepublik Deutschland
  • Planungsträger: Land Baden-Württemberg, Regierungspräsidium Freiburg
  • Projektstart: 2016
  • Baubeginn der Brücke: vorauss. 2021
  • Geplante Fertigstellung: vorauss. 2024
  • Projektkosten: noch in Bearbeitung
  • Aktueller Stand: Entwurfsplanung

​Projektdaten

  • Geotechnik: umfangreiche Neu- und Nacherkundung des gesamten Baufeldes einschl. Neubewertung
  • Rechtsverfahren, Grunderwerb: Ergänzung der vorliegenden bestandskräftigen Planfeststellung für die Ortsumfahrung Döggingen (Schwerpunkt Artenschutz), Sicherung der bauzeitlich vorrübergehend und für zusätzliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dauerhaft benötigter Flächen.
  • Natur- und Artenschutz: Durchführung von faunistischen Kartierungen, Erstellung unterschiedlicher Fachgutachten (Artenschutzbeitrag, Natura2000-Verträglichkeitsprüfung, Landschaftspflegerischer Begleitplan). Entwicklung von Maßnahmen und Suche nach geeigneten Flächen, Umsetzung der vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen (begonnen).
  • Ingenieurbau: Neubau der zweiten Gauchachtalbrücke, temporäre Verlängerung der Durchlässe für Mauchach und Gauchach
  • Straßenbau: rund 470 Meter Anpassungslänge im vierstreifigen Ausbau westl. der Gauchachtalbrücke, Anpassung des Tunnelvorfeldes östlich der Gauchachtalbrücke, Neuplanung von Betriebs- und Behelfsausfahrt und Umfahrt am westlichen Widerlager

Daten zur Gauchachtalbrücke

  • Gesamtlänge: 826 Meter
  • Stützweiten: 50 – 80 – 4x100 – 85 – 85 – 75 – 51, bis zu 44 Meter über Grund
  • Gesamtbreite: 11,15 – Meter
  • Tragsystem: Stahlverbund – Hohlkasten