Das Bild zeigt Teile des zu überplanenden Ufers mit Acker und Böschung.

Vorplanung für Strukturverbesserung des Neckarufers in der Gemeinde Neunkirchen im Neckar-Odenwald-Kreis

Überblick

Das Ziel der WRRL ist es, bei allen Gewässer einen guten ökologischen und chemischen Zustand herzustellen oder zu erhalten. Der Wasserkörper 4-05 „Neckar (BW) unterhalb Kocher“ ist laut der aktuellen WRRL-Bestandsaufnahme 2019 bei den Qualitätskomponenten Fischen, Makrozoobenthos (Kleinlebewesen) und Makrophyten und Phytobenthos defizitär. Auch der Chemische Zustand ist als nicht gut bewertet. Das Ziel des Projekts ist es daher den Zustand des Neckars zu verbessern und am Standort in Neunkirchen fehlende Habitate für Fische und Kleinlebewesen zu schaffen.

Zahlen & Fakten

Lage: Gemeinde Neunkirchen

Gewässer: Bundeswasserstraße Neckar

Projektabschnitt: Neckar-km 67+750 bis 69+550

Typ der Maßnahmen: Uferstrukturierung des linken Ufers

Finanzierung der Vorplanung: Land Baden-Württemberg

Auftraggeber der Vorplanung: Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat 52 Gewässer und Boden

Auftragnehmer: Björnsen Beratende Ingenieure GmbH, Niederlassung Speyer

Aktueller Stand

Vergabe der Vorplanung ist erfolgt.

Kontakt

Dr. Berthold Kappus, 0721 926-7536, berthold.kappus@rpk.bwl.de
Manuela Böck, 0721 926-7699, manuela.boeck@rpk.bwl.de​​​

Das Projekt

Ausgangslage

Im Bereich der Gemeinde Neunkirchen ist der Neckar durch das Wehr mit Schleuse Rockenau bei Eberbach gestaut. Der Lauf des Neckars ist sehr geradlinig, da er rechtsseitig von einer Straße begrenzt wird und hat hier keine Entwicklungsmöglichkeiten. Linksseitig fällt das Neckarufer steil ab und ist durch Steinschüttung stark befestigt. Landwirtschaftliche Flächen grenzen an. Eine Flurneuordnung wurde begonnen, sodass die Chance genutzt werden kann, notwendige Flächen für das Projekt gezielt zu erwerben.

Durch diese Begrenzung hat der Neckar derzeit keine Möglichkeit regelmäßig über die Ufer zu gehen und so Land und Gewässer zu vernetzen.

Der Aufstau führt dazu, dass sich keine typischen Fließwasser-Lebensräume ausbilden können, da die Strömungsdynamik im Gewässer praktisch fehlt und dadurch die Gewässersohle eintönig ist. Als Lebensraum werden v.a. flache Uferzonen zum Laichen und für Jungfische und Versteckmöglichkeiten vor Feinden (meist Wurzeln oder ähnliches) oder Rückzugsräume bei Hochwasser benötigt.

Der Neckar ist im Untersuchungsraum Bundeswasserstraße, wodurch dem Einfluss der Schifffahrt auf die Gewässerstruktur und die Lebensräume eine besondere Bedeutung zukommt. Fährt ein Schiff vorbei, schiebt dieses eine kleine Welle vor sich her, welche zu einer geringen Erhöhung des Wasserstandes führt. Durch das Schiff verengt sich der Fließquerschnitt, sodass die Fließgeschwindigkeit links und rechts vom Schiff steigt und der Wasserspiegel sinkt, was sich an den Ufern deutlich bemerkbar macht. Ist das Schiff vorbei, erhöht sich der Wasserspiegel wieder. Es entsteht jeweils Schwall und Sunk. Durch diesen Prozess treten am Ufer sehr hohe Kräfte auf, denen Jungfische, die sich vermehrt im Uferbereich aufhalten, ausgesetzt sind und dadurch geschädigt werden. Auch das ufernahe Feinsediment wird dadurch umgelagert, wodurch der Laich von Fischen, die Brut und auch Kleinlebewesen zerstört werden.

Im Projektgebiet ist daher die Schifffahrt als bestimmende Größe zu berücksichtigen. Es ist geplant, den Fischen als auch den Kleinlebewesen an der Sohle (Makrozoobenthos) geeignete (Teil-)Lebensräume zu schaffen. Dies soll erreicht werden, in dem die Uferbefestigung (diese dient zum Schutz vor Erosion), dort wo dies möglich ist, rückgebaut wird und vom Wellenschlag geschützte Bereiche, geschaffen werden.

Neben der ökologischen Aufwertung soll untersucht werden, ob ein Teil dieses Neckarabschnitts auch für die Bevölkerung zugänglich gemacht werden kann.


Ziele des Projekts

Hauptziel der Maßnahme ist es Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Verbesserung des Lebensraums Neckarufer, z.B. durch:

  • Schaffung von vor Wellenschlag geschützten Bereichen,
  • Schaffung von nachhaltigen Fortpflanzungs-, Jungfisch- und Nahrungshabitaten durch dauerhaft überströmte Flachwasserzonen
  • Erhöhung der Strukturvielfalt und somit des Anteils an typischen Fließwasserfischarten
  • Ausbildung von tieferen Wasserbereichen (Winterhabitaten)
  • Herstellung von Zugängen zum Gewässer für die Bevölkerung durch Abflachung der steilen Böschungen zum Natur- und Gewässererleben

erreicht werden kann.

Synergien ergeben sich für:

  • Attraktivitätssteigerung der Flächen für Vogelarten; Auwaldbildung
  • Steigerung der Selbstreinigungskraft des Gewässers.

Neben den ökologischen Zielen kann auch das Gewässererleben für die Bevölkerung der Gemeinde Neunkirchen und Umgebung durch die Umsetzung von identifizierten Maßnahmenvorhaben wesentlich gefördert werden.


Inhalte des aktuellen Planungsschrittes

Durch umfangreiche Untersuchungen (z.B. Hydraulik, Vermessung) soll das Ingenieurbüro BCE Varianten betrachten und aus den Möglichkeiten des Standorts eine favorisierte Planvariante entwickeln. Dies wird von den zuständigen Behörden eng begleitet. Ziel ist es, bereits in frühen Planungsschritten die Nachhaltigkeit der Maßnahme sicherzustellen, damit weitere Planungen und auch die Umsetzung der Maßnahme als Beitrag für die EU-Wasserrahmenrichtlinie zielführend und zeitnah angegangen werden können.