Albvorland bei Mössingen und Reutlingen (FFH 7520-311)

Charakteristik

Das FFH-Gebiet »Albvorland bei Mössingen und Reutlingen« erstreckt sich mit 18 Teilflächen von Hechingen über Mössingen, Reutlingen bis nach Metzingen auf über 3.000 ha.

Kontakt

Regierungspräsidium Tübingen

Referat 56
Katrin Voigt
07071 757-5217
katrin.voigt@rpt.bwl.de

Die Grafik zeigt drei Pfeile mit Text : Managementplan (MaP) geplant, MaP aktuell, MaP fertiggestellt. MaP fertiggestellt ist rot umrandet - Hinweis, dass es sich hier um ein fertiggestelltes Verfahren handelt.

Landschaft mit Zeugenbergen

Den Untergrund der sanft modellierten, dicht besiedelten Landschaft des Albvorlands bilden die Gesteinsschichten des Schwarzen und Braunen Juras. Sie ziehen sich als zwei schmale Bänder am nördlichen Fuß der Schwäbischen Alb entlang: unmittelbar am Albtrauf das Band des Braunen Jura, der seinen Namen von bräunlichen, meist eisenhaltigen Sandsteinen hat, im Unterschied zum nördlich angrenzenden Band des Schwarzen Jura mit seinen dunkelgrauen Gesteinen. Der Braune Jura hat zusätzlich mächtige tonige Gesteinsschichten, wie den Opalinuston. Dieser ist in weiten Teilen des FFH-Gebiets der Grund für die schweren Böden und rutschungsgefährdeten Hänge. Als Nutzung kommt hier nur Wald, Grünland oder Streuobstwiese in Frage.

Bei Reutlingen ragt die Achalm markant aus dem Albvorland auf, der Reutlinger Hausberg, der u. a. wegen seinen Kalk-Magerrasen Teil des FFH-Gebiets ist. Die Achalm hat denselben Gesteinsaufbau wie die Albhochfläche mit Kalkgesteinen des Weißjura. Dies zeugt davon, dass die Alb einst weiter nach Norden gereicht hat. Durch Abtragung weicht der Albtrauf um etwa zwei Meter in tausend Jahren zurück.

Slideshow

Streuobstwiesen

Streuobstwiesen

Eine Augenweide: die blumenbunten Streuobstwiesen

Das Grünland auf den Braunjura-Hängen blüht oft noch blumenbunt und entspricht dem Typ der Mageren Flachland-Mähwiesen, die mit der FFH-Gebietsausweisung geschützt werden sollen. Ein Großteil der Wiesen ist mit Obstbäumen bepflanzt und als sogenannte Streuobstwiesen doppelt nutzbar: die Wiesen als Weide oder Heulieferant und die Obstbäume für den Obstbedarf. Aus Äpfeln und Birnen wird nicht nur Most, das schwäbische Nationalgetränk, gekeltert, die vielfältigen Obstsorten werden auch zu Marmelade, Saft, Kompott, Dörrobst und Obstbrand verarbeitet.

Magere Flachland-Mähwiesen werden traditionell wenig gedüngt und nur ein- bis zweimal jährlich gemäht, deshalb sind sie so blütenreich. Nur dort, wo diese extensivere Nutzung bis heute beibehalten wird, finden wir die vielen buntblühenden Blumen wie Margerite, Glockenblume und Wiesen-Salbei. Wenn die Wiesen aber aufgegeben oder zu intensiv genutzt werden, verdrängen Gräser die Wiesenblumen. Die Augenweide verschwindet und mit ihr die Nahrungsgrundlage für die Tierwelt: Insekten finden keinen Nektar und Pollen mehr, Vögel keine Insekten und Samen. Im Albvorland bei Mössingen und Reutlingen sind die charakteristischen Vogelarten der süddeutschen Streuobstwiesen wie Halsbandschnäpper oder Wendehals jedoch noch regelmäßig zu beobachten.

Zwei Gelbbauchunken im Wasser

Die Unke in der Pfütze

Vogelgezwitscher, Insektensummen – auf den Streuobstwiesen können wir im Frühling bei genauem Hinhören auch das leise, dumpfe »uh... uh... uh« der Gelbbauchunke wahrnehmen. Von oben betrachtet ist dieser kleine Froschlurch unscheinbar graubraun. Dagegen ist die Bauchseite auffällig gelb und dunkel marmoriert – dieses Muster ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck!

Ursprünglich bewohnte die Gelbbauchunke kleine Gewässer und Pfützen in regelmäßig überschwemmten Bach- und Flussauen. Da diese Lebensräume immer knapper werden, ist die Art stark zurückgegangen. Ihre Anspruchslosigkeit bewahrt sie vor dem Aussterben, denn sie begnügt sich mit Ersatzbiotopen, wie Kies- oder Tongruben, Steinbrüchen oder militärischen Übungsplätzen. Ihr genügen schon Pfützen und kleine Wasserrillen, die von Pferdetritten oder Fahrzeugspuren herrühren. Meist sind diese Miniatur-Tümpel frei von konkurrierenden Arten und Fressfeinden und erwärmen sich schnell, was die Entwicklung von Laich und Larven beschleunigt. Als Zentrum der Gelbbauchunken-Vorkommen in Europa hat sich Baden-Württemberg nach der FFH-Richtlinie verpflichtet, die Art und ihre Lebensräume dauerhaft zu erhalten und zu fördern.

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