Blick auf das Bergkiefern Hochmoor mit Blindsee

Feuchtgebietskomplexe nördlich Isny (FFH 8226-341)

Charakteristik

Das 606 ha große Natura 2000-Gebiet liegt zu großen Teilen im Naturraum »Westallgäuer Hügelland«, im Norden reicht es in die »Riß-Aitrach-Platten« hinein. Davon sind ca. 400 ha als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Ein weiteres Drittel der Fläche ist Teil zweier Landschaftsschutzgebiete.

Die sieben Teilflächen des Natura 2000-Gebietes verteilen sich auf die Gemeinden Leutkirch im Allgäu, Isny im Allgäu und Argenbühl, welche zum Landkreis Ravensburg gehören.

Charakteristisch für die Landschaft des südlichen Alpenvorlandes und so auch für das FFH-Gebiet ist die Überprägung der Landoberfläche durch die Gletscher der Riß- und Würmkaltzeiten.

Die Tätigkeit der Gletscher führte nach der Vereisung zur Ausbildung von vernässten und vermoorten Senken. Diese waren Ausgangsbasis für die Entstehung zahlreicher Moore, wie das »Taufach-Fetzach-Moos mit Urseen« und das »Rimpacher Moos«, die heute Naturschutzgebiete sind.

Kontakt

Regierungspräsidium Tübingen

Referat 56
Renate Riedinger
07071 757-5211
renate.riedinger@rpt.bwl.de

Die Grafik zeigt drei Pfeile mit Text : Managementplan (MaP) geplant, MaP aktuell, MaP fertiggestellt. MaP fertiggestellt ist rot umrandet - Hinweis, dass es sich hier um ein fertiggestelltes Verfahren handelt.

Blick auf einen Ausschnitt einer typischer Moorvegetation mit Rosmarinheide

Lebensraumtypen

Das FFH-Gebiet besteht aus mehreren Teilflächen mit unterschiedlichen Lebensraumtypen der Feuchtgebiete. Herauszustellen sind dabei die Moore, wie z. B. das »Taufach-Fetzach-Moos«. Es gibt beinahe alle Formen der Moortypen. Dazu zählen Hoch-, Nieder-, Übergangsmoore, aber auch Schwingrasenmoore. Jeder Moortyp weist andere Pflanzengesellschaften auf.

Die größten Flächenanteile nehmen die Hochmoore ein. Sie stehen nicht mit dem Grundwasser in Verbindung, sondern werden ausschließlich vom Regenwasser gespeist. Diese gewaltige Wasserhaltekraft ist insbesondere den verschiedenen Torfmoosarten zuzuschreiben, die aufgrund ihres Aufbaus wie ein Schwamm funktionieren. Intakte Hochmoore sind in ihrem Zentrum baumfrei und oft durchzogen von trockenen Bulten und regenwassergefüllten Schlenken.

Außerhalb der Moore gibt es weitere Lebensraumtypen wie beispielsweise natürliche, nährstoffreiche Seen, Fließgewässer mit flutender Wasservegetation und begleitenden Auenwäldern, Pfeifengraswiesen, feuchte Hochstaudenfluren sowie magere Flachland-Mähwiesen.

Ein Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer schwimmt in einem Gewässer zwischen Wasserpflanzen

FFH-Arten

Der Schmalbindige Breitflügel-Tauchkäfer lebt im Wasser und ist an seiner gelben, breiten Halsbinde zu erkennen. Er besiedelt dystrophe Seen und toleriert schwach saueres Milieu.

Die Große Moosjungfer ist eine Libelle und besiedelt u. a. kleine Wasserflächen in Mooren. Sie profitiert rasch von Renaturierungsmaßnahmen in Mooren. Die Standortbedingungen bieten zudem Lebensraum für das Sumpf-Glanzkraut, eine Orchidee. Sie wächst auf nassen, schwach-sauren Torfböden und besiedelt überwiegend den Lebensraumtyp der kalkreichen Niedermoore. In Deutschland liegt das Hauptverbreitungsgebiet der Art, woraus sich ebenfalls eine besondere Verantwortung für Baden-Württemberg ergibt.

Über die genannten Arten hinaus finden auch Kammmolch, Biber, Großes Mausohr, Skabiosen-Scheckenfalter, Schmale und Vierzähnige Windelschnecke sowie das Firnisglänzende Sichelmoos hier einen Lebensraum.

Blick auf eine einzelne Große Moosjungfer Leucorrhinia pectorialis

Extremstandorte erhalten

Die Tier- und Pflanzenwelt ist speziell an die Nährstoffarmut und das saure Milieu der Hochmoore angepasst. In Moorkomplexen herrschen auch klimatisch besondere Bedingungen. Daher können hier Arten vorkommen, die ursprünglich in anderen Regionen, wie der Arktis oder den Alpen, beheimatet sind. Dazu zählt z. B. die Arktische Smaragdlibelle und die Mehlprimel.

Hochmoor-Bläuling und Kreuzotter sind weitere typische Vertreter der Tierwelt. Der Sonnentau ist eine fleischfressende Pflanze. Er kommt mit den extremen Bedingungen zurecht, indem er seinen Nährstoffbedarf durch das Fangen und »Verdauen« von Insekten deckt.

Entwässerung und Torfabbau sowie der Eintrag von Nährstoffen zerstören die Moore innerhalb kurzer Zeit. Aufgrund ihrer extrem langen Entstehungszeit und den nur eingeschränkt wieder herstellbaren äußeren Bedingungen, können diese Lebensräume lediglich unter großem Aufwand wieder hergestellt werden. Daher ist es besonders wichtig, diese letzten Gebiete zu erhalten.

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Weitere Informationen

DateitypBeschreibungGröße
pdf Mitteilung vom März 2009 33 KB
pdf Flyer vom Juni 2009 371 KB