Pressemitteilung

„Artenvielfalt vor der Haustüre erhalten“: Regierungspräsidium appelliert zum Schutz der Wiesenbrüter und Zugvögel in den Elzwiesen (Kreis Emmendingen)

Wässerung der Elzwiesen erfolgt zwei bis drei Mal jährlich – ursprünglich zur Verbesserung des Heuertrags/ Heute Futterquelle und Rastplatz für Vögel

Störche suchen Futter in den überschwemmten Elzwiesen

Die Bestände vieler Wiesenvogelarten sind im wahrsten Sinne des Wortes im Sinkflug. Auch Rastplätze für Vögel während des Vogelzugs sind in Mitteleuropa selten geworden. Doch direkt vor unserer Haustüre gibt es ein bedeutendes Gebiet für den Vogelschutz: die Elzwiesen bei Rheinhausen im Landkreis Emmendingen. Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) ruft die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, während der bevor stehenden Brut- und Vogelzugzeit auf die Vögel Rücksicht zu nehmen: „Bitte respektieren Sie die zum Erhalt der biologischen Vielfalt in den Elzwiesen notwendigen Regeln und tragen Sie damit zum Artenschutz vor unserer Haustüre bei. Nur so können wir die natürlichen Schätze dieses Gebiets auch für die Allgemeinheit und zukünftige Generationen erhalten.“

Bald ist es wieder soweit und die Elzwiesen stehen „unter Wasser“. Dann findet eine von zwei bis drei jährlichen Wiesenwässerungen statt, die unter anderem vom Wasserverband Elzwiesenwässerung Rheinhausen betrieben wird. Das bereits im 19. Jahrhundert angelegte Wiesenwässerungssystem wurde ursprünglich angelegt, um den Heuertrag zu verbessern. Die bei der Wässerung flach überstauten Wiesen spielen jedoch eine weitere wichtige Rolle: als Futterquelle und wichtiger Rastplatz vieler heute selten gewordener Vogelarten während des Vogelzugs. 

„Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen leider, dass manche Besucherinnen und Besucher nur wenig Verständnis für die Vogelwelt aufbringen und die Verbote missachten oder Verstöße dagegen als Kavaliersdelikte abtun“, berichtet Claudia Leitz vom Naturschutzreferat des RP: „Die daraus resultierenden Störungen der Vogelwelt haben gravierende negative Folgen für das Schutzgebiet aber auch für das Naturerlebnis der Mehrzahl der Besucherinnen und Besucher, die das Gebiet naturverträglich nutzen.“

Die Bedeutung der Elzwiesen für die Natur und deren Schutz wird ganz besonders deutlich, wenn sich im Frühjahr hunderte Vögel im Gebiet sammeln. Die Elzwiesen sind aber auch einer der wenigen verbliebenen Lebensräume von Wiesenbrütern wie dem Großen Brachvogel. Wiesenbrüter legen ihre Eier in Mulden oder Nester am Boden. Die Küken des Großen Brachvogels verlassen die Nester als Nestflüchter zudem bald nach dem Schlüpfen. Diese Lebensweise macht Wiesenbrüter besonders empfindlich.

Im Frühling und Sommer können freilaufende Hunde aber auch die Wiesen querende Spaziergänger dazu führen, dass Wiesenbrüter ihr Nest verlassen. Ihr Gelege wird dann nicht mehr versorgt und die Jungvögel verhungern oder fallen anderen Tieren zum Opfer. Zugvögel verlieren durch Störungen wichtige Ruhezeiten und Energie für den Weiterflug. Auch das unzulässige Befahren des Gebiets mit Autos oder Krafträdern auf gesperrten Wegen stört die Vögel. Sie fliegen auf und verlieren Energie oder halten Abstand zu den befahrenen Strecken. So verringert sich ihr Lebensraum.

Damit die Vögel ungestört Energie tanken oder ihren Nachwuchs aufziehen können, sind nur wenige Punkte zu berücksichtigen. Diese sind auch auf Schildern im Gebiet ersichtlich:

  • Es ist wichtig, dass Besucher das ganze Jahr über die befestigten Wege nicht verlassen. Die Elzdämme sind während der Brutzeit vom 1. März bis zum 30. Juni gesperrt.
  • Hunde sind ganzjährig und auch auf den geteerten Wegen an der Leine zu führen.
  • Die alte Ringsheimer Straße, die den sensibelsten Bereich des Schutzgebiets in Ost-West-Richtung durchquert, darf bereits seit vielen Jahren als Wirtschaftsweg nur durch land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge befahren werden. Dasselbe gilt für den Heuweg.
  • Lassen Sie keinen Müll im Gebiet zurück.

Die Elzwiesen sind eines der letzten verbliebenen großen Wiesengebiete in der Oberrheinebene. Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung stehen sie gleich unter vierfachem nationalem und internationalem Schutz: als Naturschutz-, Vogelschutz-, Fauna-Flora-Habitat (FFH)- und Ramsar-Gebiet.

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