Weil-Breisach

Der Rückhalteraum (tiefergelegtes Rheinvorland) wird im Westen vom Rhein und im Osten von einem neu errichteten, hochliegenden Randweg begrenzt.

Er beginnt im Süden bei Märkt an der Kandermündung und endet an der Karpfenhodschlut südlich von Breisach.

Für die Gesamtemaßnahme liegt ein positiver Raumordnungsbeschluss vor.

 

 

 

 

Der Rückhalteraum ist in vier Planfeststellungsabschnitte unterteilt:

Abschnitt I - Planfeststellungsbeschluss vom 28. Mai 2008: aktuell im Bau
Abschnitt II - zurückgestellt (gem. Raumordnungsbeschluss v. 21. Oktober 2002)
Abschnitt III - Planfeststellungsbeschluss vom 19. März 2013: aktuell im Bau    
Abschnitt IV - Prüfung von Planungsalternativen im Zuge der Vorbereitung der Genehmigungsplanung

    Ansprechpartner

    Regierungspräsidium Freiburg, Referat 53.3
    Projektgruppe Freiburg

    Peter Gültner
    0761 208-4256
    peter.gueltner@rpf.bwl.de


    Teilabschnitt I

    Anke Kollmer
    0761 208-4279
    anke.kollmer@rpf.bwl.de


    Teilabschnitt II 

    N.N.
    0761 208-0


    Teilabschnitt III

    Lario Tarnawiecki Waitkuwait
    0761 208-4297
    lario.tarnawieckiwaitkuwait@rpf.bwl.de


    Teilabschnitt IV

    Konstantin Radkovsky
    0761 208-4295
    konstantin.radkovsky@rpf.bwl.de

    Zahlen und Fakten

    Verfahrensstand: positiver Raumordnungsbeschluss für Gesamtmaßnahme
    Fläche: 596 Hektar
    Lage: von Rh-km 175,3 bis Rh-km 218,8
    Max. Retentionsvolumen: 25 Mio. Kubikmeter

    Informationen zu den einzelnen Planfeststellungsabschnitten

    Bau Weil-Breisach- Abschnitt I

    Oktober 2020

    Mit dem Abschnitt zwischen Märkt und Kleinkems ist der erste und südlichste der vier Planfeststellungsabschnitte des Rückhalteraums Weil - Breisach fertig. Mit der Tieferlegung (Auskiesung) der Flächen wurde in diesem Abschnitt neuer Naturraum für den Hochwasserschutz geschaffen. Weil die offizielle Einweihungsfeier dieses Abschnitts des Hochwasserrückhalteraums Weil - Breisach wegen der aktuellen Coronaentwicklung kurzfristig abgesagt werden musste, hat Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer am 30. Oktober 2020 zusammen mit Harald Klumpp, Referatsleiter des Integrierten Rheinprogramms (IRP) und der für den Bau zuständigen Ingenieurin Anke Kollmer den ersten Abschnitt des Rückhalteraums besichtigt. Dabei wurde auch ein neuer Aussichtspunkt mit Infotafel und Ruhebank vorgestellt. 

    Infoblatt 4

     

    2017 bis 2019

    Seit 2017 werden die Erdarbeiten auf einer ca. 300 Meter langen Fläche südwestlich des flächenhaften Naturdenkmals „Kiesgrube Huttingen“ fortgeführt. Der entlang des Rheins verlaufende Leinpfad ist aufgrund der Erdbauarbeiten gesperrt. Der neue Randweg steht als durchgängiger Weg zur Verfügung.
     
    Nördlich der Kandermündung wurde in 2018 das letzte ca. 300 Meter lange Teilstück tiefer gelegt. Mit Fertigstellung dieses letzten Teilstücks wurde die südlichste Teilfläche 1 komplettiert. Der Leinpfad und der hochwassersichere Randweg sind nun nach zeitweise erforderlichen Sperrungen, genauso wie die dortige Autobahnunterführung, die als Zufahrt diente, wieder geöffnet.

    2010 bis 2016

    Die Erdbauarbeiten in der Tieferlegungsfläche 2 mit der neuen Feuerbachmündung nördlich der Isteiner Schwellen und ein weiterer Abschnitt der Teilfläche 3 auf Höhe des Flächennaturdenkmals „Kiesgrube Huttingen“ wurden 2016 fertig gestellt.

    In der Teilfläche 3 wurde auf Höhe des Autobahnanschlusses Efringen-Kirchen (Übersichtskarte Abschnitt I) im Winter 2012/2013 der Leinpfad auch im südlichen Bereich auf einem Teilstück abgetragen, sodass das Rheinwasser jetzt die gesamte bereits tiefergelegte Fläche durchströmen kann. Die natürliche Wiederbewaldung dieser in den Jahren 2010 und 2011 tiefergelegten Flächen verläuft planmäßig und der Vegetationszuwachs von jungen Weiden und Pappeln erfolgt mit beachtlicher Geschwindigkeit.

    Ab 2012 erfolgten die Tieferlegungsarbeiten in der Teilfläche 2 nördlich der Isteiner Schwellen im Bereich der dortigen Autobahnunterführung. Hier wurde zunächst Erdmaterial abgetragen und als Schutzwall entlang der Autobahn aufgeschüttet. Krone und Ostseite des Walls zur Autobahn hin wurden mit heimischen Sträuchern und Bäumen bepflanzt. Zwischen der Westseite des Schutzwalls und dem östlichen Ende der Tieferlegungsflächen entstand der neue, hochwassersichere Randweg. Dieser ist Ersatz für den Leinpfad, der ebenfalls tiefergelegt und somit häufiger von Hochwasser überflutet wird.

    Die Arbeiten zur Tieferlegung der Teilfläche 1 sind im Bereich zwischen Kandermündung und Autobahnunterführung bei Efringen-Kirchen abgeschlossen. Der neue Randweg als durchgängige rheinnahe Verbindung ist eröffnet, das neue Kanderbett samt naturnahem neuen Mündungsbereich ist fertig gestellt. Bereits im Herbst 2011 wurden die ersten Flächen aufgeforstet.

    Im Winter 2012/2013 wurden die Arbeiten zur Tieferlegung der Flächen nördlich der Autobahnunterführung Efringen-Kirchen in der Teilfläche 1 (Übersichtskarte Abschnitt I) fortgeführt.

    2008 und 2009

    Am 28. Mai 2008 hat das Landratsamt Lörrach den Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt I des Rückhalteraums Weil-Breisach erlassen. Mit den bauvorbereitenden Maßnahmen wurde im Dezember 2008 begonnen. Frau Ministerin Tanja Gönner führte am 20.November 2009 den Spatenstich zum offiziellen Baubeginn durch. Damit wird ein weiterer Baustein zum Hochwasserschutz am Rhein im Rahmen des Integrierten Rheinprogramms (IRP) umgesetzt. (INFOblatt 1 und INFOblatt 2).


    Weil-Breisach Abschnitt II

    Abschnitt II wird gemäß des Raumordnungsbeschlusses vom 21. Oktober 2002 bis auf Weiteres zurückgestellt.


    Weil-Breisach Abschnitt III

    Sachstand


    Mit einem Spatenstich am 26. September 2014 wurde der Baubeginn des Abschnittes III gefeiert. Der Abschnitt III befindet sich nahezu vollständig auf Gemarkung der Stadt Neuenburg am Rhein (Übersichtskarte Abschnitt III). Er besteht aus insgesamt acht Teilflächen, in denen das vorhandene Gelände 7 bis 10 Meter tief abgegraben wird. Zusätzlich wird der Baggersee Steinenstadt an den Hochwasserrückhalteraum angebunden. Dadurch entsteht auf einer Fläche von etwa 182 Hektar ein Rückhaltevolumen von 7,8 Mio. Kubikmeter Hochwasser.

    Die gesamte Bauzeit für den Abschnitt III wird etwa 15 Jahre betragen. Hierbei werden die Tieferlegungsflächen, Sonderbauwerke und Wege hergestellt. Ebenso werden innerhalb dieser Zeit die Leinpfadabschnitte nach und nach abgetragen, die zunächst erhalten werden. Sie schützen die tiefergelegten Flächen in den Anfangsjahren bei Hochwasser vor zu starker Strömung und damit vor Erosion.

    Der Leinpfad wird intensiv als Radwanderweg genutzt. Während der Bauarbeiten wird der Rad- und Wanderweg über den neuen Randweg geführt. Nach Abschluss der gesamten Bauarbeiten wird eine landschaftlich abwechslungsreiche  Wegführung auf Abschnitten des verbleibenden Leinpfades und auf dem neuen Randweg entstehen.

    2016 bis 2019

    Im Jahr 2017 wurde für die derzeit laufende Rekultivierung der Deponie Neuenburg Bodenmaterial aus der Tieferlegung zur Verfügung gestellt. 

    Der als Ausgleichsmaßnahme angelegte Naturerlebnispfad Käfigecken wurde 2016 eingeweiht. Zudem wurden 2018 die Zäune des ehemaligen Militärgeländes Storenkopf (nördlich von Zienken) abgebaut. Somit ist dieses für Wildtiere zugänglich.

    Teilfläche 7

    Die südlichste Teilfläche im Abschnitt III wurde im Mai 2019 fertiggestellt.  Die als Erosionsschutz zum Teil noch verbleibenden Leinpfadabschnitte werden nach ca. 2 bis 3 Jahren komplett abgetragen. In diesem Zuge wird auch die Auffahrt der A 5 zurückgebaut und rekultiviert.

    Teilfläche 13

    Die Teilfläche 13 ist in ein südliches und ein nördliches Baufeld unterteilt und wird voraussichtlich im Herbst 2021 fertiggestellt. Derzeit finden die Wege- und Erdbauarbeiten im südlichen Baufeld statt.

    2013-2015

    Die Tieferlegung der Vorlandflächen im Abschnitt III begann Ende 2013. Die wesentlichen Arbeitsschritte (INFOblatt 3) waren dabei die Rodung des Waldes, der Abtrag des Erd- und Kiesmaterials sowie landschaftspflegerische Begleitmaßnahmen. Der bei der Flächentieferlegung anfallende Kies wurde als Baustoff verwertet, geeigneter Oberboden als Erdschicht für Pflanzungen und Aufforstungen wiederverwendet. Bodenmaterial wurde auch für die Rekultivierung der Deponie Neuenburg im Zuge von Ersatzmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

    Noch vor Beginn der eigentlichen Baumaßnahmen wurden bis Mitte 2015 die „IRP-Rheingärten" hergestellt, die in der Region einen neuen Erholungsschwerpunkt bilden. Diese rheinnahe Freizeitanlage besteht aus vielfältigen gestalterischen Elementen wie Liegewiesen, Sitzstufen, einer Freilichtbühne sowie einer Aussichtsplattform. Damit wurden die mit der Umsetzung der Gesamtmaßnahme baubedingten Beeinträchtigungen der Erholung für den Abschnitt III konzentriert ausgeglichen. 2022 werden die „IRP-Rheingärten" den westlichen Ausläufer des Landesgartenschaugeländes der Stadt Neuenburg am Rhein bilden.


    Weil-Breisach Abschnitt IV

    Aktuell keine Informationen.

     


    Hintergrundinformationen zum Rückhalteraum Weil-Breisach

    Konzeption der Tieferlegung

    Durch die Tieferlegung von Vorlandflächen auf wenige Dezimeter über den normalen Grundwasserstand wird auf einer Fläche von rund 596 Hektar ein naturnahes, bewaldetes Überschwemmungsgebiet geschaffen. Bei einem Bemessungshochwasserabfluss von 4.500 m³/s beträgt das dadurch zusätzlich gewonnene Rückhaltevolumen etwa 25 Mio. Kubikmeter. Auf dem überwiegenden Teil der Tieferlegungsflächen wird sich eine ökologisch wertvolle und für die Hochwasserrückhaltung wirksame Weichholzaue (v.a. Weiden und Pappeln) entwickeln, wie sie seit dem Bau des Rheinseitenkanals im Rheinbett durch natürliche Sukzession (Eigenentwicklung) entstanden ist. Weiden und Pappeln sind Pioniergehölze, die sich auf kiesigen Standorten nahe am Grundwasser schnell von alleine entwickeln können. Die Vegetation, insbesondere die Gehölze, bilden einen Widerstand gegen das strömende Wasser. Die dadurch erhaltene Verzögerung des Abflusses führt zusammen mit der vergrößerten Überflutungsfläche zu der gewünschten Hochwasserrückhaltung.

    Bei den nördlich von Breisach gelegenen Rückhalteräumen kann das Wasser nur über gesteuerte Bauwerke in die Rückhalteräume fließen. Hier im Rückhalteraum Weil-Breisach kann dem Fluss selbst mehr Raum und damit Überflutungsfläche gegeben werden.
    Die Tieferlegung von Vorlandflächen erfolgt in mehreren Schritten über 20 Jahre hinweg. Der Anteil an vegetationsfreien Flächen wird so gering wie möglich gehalten. In den Wintermonaten wird jeweils nur so viel Waldfläche gerodet, wie im darauf folgenden Jahr abgetragen werden kann. Die natürliche Wiederbewaldung kann unmittelbar und stetig nach dem Abbau des Kieses beginnen. In Teilbereichen der Tieferlegungsflächen wird das beim Abtrag anfallende Oberbodenmaterial zur Anlage von höher gelegenen Terrassen verwendet, auf denen Hartholzauewälder (v.a. Eiche und Esche) angepflanzt werden.

    Die Hochwasserschutzmaßnahmen werden zusammen mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes finanziert.


    Berücksichtigung von ökologischen und forstlichen Aspekten

    Ökologisch wertvolle und schutzwürdige Flächen werden von der Tieferlegung ausgespart. Dennoch unvermeidbare Eingriffe, vor allem die Rodung der gegenwärtigen Wälder, werden durch die Entstehung von ökologisch hochwertigen Auenwäldern auf den Tieferlegungsflächen mittelfristig ausgeglichen. Zudem werden in geringem Umfang heute unbewaldete Flächen einbezogen und in Auenwälder umgewandelt. Derzeit für Fische und Wirbellose nicht durchwanderbare Mündungsbereiche von Seitengewässern werden naturnah durch die Tieferlegungsflächen geführt, verlängert und durchwanderbar gestaltet. Als weitere auentypische Elemente werden in den Tieferlegungsflächen Schluten, Seitengerinne und Kleingewässer angelegt. Als Ausgleich für die Eingriffe in wertvolle Trockenlebensräume werden im Bereich der Böschungen Ersatzstandorte geschaffen.


    Auswirkungen auf die Bevölkerung

    Die tiefer gelegten Flächen der Weichholzaue werden anfangs je nach Höhenniveau an durchschnittlich 28 bis 65 Tagen im Jahr überflutet. Die höher gelegenen Hartholzauenbereiche werden an weniger als ein Tag pro Jahr überflutet. Dies sind gleichzeitig die Hochwasserereignisse, bei denen die Rückhaltewirkung des überfluteten Auenwaldes benötigt wird.

    Erholung
    Erholungsschwerpunkte wie die Isteiner Schwellen werden von der Tieferlegung grundsätzlich ausgespart. Um die verbleibenden Beeinträchtigungen für die Erholungsnutzung zu kompensieren, sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geplant. So wird zum Beispiel an der Ostseite der Tieferlegung zusätzlich ein durchgängiger Randweg angelegt. Dieser Weg kann, unabhängig von Überflutungen der Tieferlegungsflächen bei Rheinhochwasser, ganzjährig genutzt werden.

    Grundwasser
    Insgesamt wird die Tieferlegung keine nachteiligen Auswirkungen auf die Grundwassersituation und auf bebaute Gebiete haben. Die Grundwasserstände bleiben an ca. 300 Tagen im Jahr unverändert. Lediglich im unmittelbaren Tieferlegungsbereich wird es bei Hochwasser zu einer geringfügigen zusätzlichen Anhebung der Grundwasserstände kommen.

    Einschränkungen während der Bauzeit
    Während der Bauzeit kommt es zeitweise zu Beeinträchtigungen im Bereich der Baustellen und Baustraßen. Es werden Umleitungen eingerichtet, um weiterhin Ausflüge an den Rhein zu ermöglichen. Der Baustellenverkehr verläuft grundsätzlich nicht auf Wegen für die Naherholung. Über die jeweils geltenden Umleitungen werden die Besucher vor Ort aktuell mit Hinweisschildern informiert oder über die Seite Umleitungen auf diesen Internetseiten.


    Fragen und Antworten zum Rückhalteraum Weil-Breisach

    Nein, durch die geplante Tieferlegung wird auf der Kiesfläche ein natürlicher Wald entstehen.

    Beispiele hierfür sind die Kiesbänke im Rheinbett. In den Jahren 1930 bis 1960 wurde der Rheinseitenkanal gebaut. Das für den Kanal entnommene Wasser aus dem Rhein ließ die Kiesbänke im Rheinbett sichtbar werden (trockenfallen). Auf den Kiesbänken wuchsen innerhalb weniger Jahre neue Weiden- und Pappelwälder heran.

    Von der Tieferlegung sind über einen Zeitraum von ca. 15 Jahren jährlich etwa 25 ha Wald betroffen. Auf den tiefergelegten, dann an die Überflutungen des Rhein angeschlossenen Flächen, - entsteht wie auf den Buhnenfeldern - in wenigen Jahren ein neuer Wald.

    Die wertvollen Naturschutzgebiete und Trockengebiete sind von der Tieferlegung weitestgehend ausgenommen und bleiben erhalten. Auf den neu entstehenden Abtragsböschungen können sich neue Trockenstandorte mit Magerrasen entwickeln.

    Die Stabilität der tiefergelegten Fläche im Hinblick auf Erosionsgefahr hängt von einer raschen Begrünung ab. Um auf den tiefergelegten Flächen ungestörtes Pflanzenwachstum ermöglichen zu können, ist geplant, den Leinpfad zum Schutz gegen zu starke Strömung bereichsweise zunächst stehen zu lassen. Sobald sich auf dem tiefergelegten Gelände die Vegetation ausreichend entwickelt hat, soll der verbliebene Leinpfad dann in einem zweiten Schritt bis auf Höhe der Buhnenoberkanten abgetragen werden.

    Die Rheinsohle zwischen Weil und Breisach ist überwiegend stabil. Das haben umfangreiche Untersuchungen des Institutes für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik der Universität Karlsruhe ergeben. Örtliche Veränderungen können aus der Bewegung von Kiesbänken resultieren. Wie bereits heute in den verlandeten Buhnenfeldern zu beobachten ist, werden auch im Tieferlegungsbereich umfangreiche Ablagerungen von Feinsedimenten erwartet. Diese bilden mittelfristig den Boden für den neu entstehenden Auenwald. Eine Abschätzung der Sedimentmengen kann aus der Entwicklung der Buhnenfelder abgeleitet werden. Hier hat sich im Verlauf von 40 Jahren eine im Mittel ein Meter starke Auflandung gebildet. In den Berechnungen für das Rückhaltevolumen ist die zu erwartende Auflandung der tiefergelegten Flächen berücksichtigt.

    Das zukünftige Ufer braucht größtenteils nicht gegen Überflutung gesichert zu werden, weil die Strömung des Wassers dort infolge des Bewuchses geringer ist als im Hauptgerinne des Rheines. An einigen wenigen Stellen, den sogenannten Prallhängen, wo das Ufer dem direkten Strömungsangriff ausgesetzt ist, wird eine Böschungssicherung gebaut.

    Der tiefergelegte Leinpfad kann, wie im Bereich der freien Rheinstrecke zwischen Rastatt und Mannheim, auch weiterhin als Rad- und Wanderweg genutzt werden. Mit der Tieferlegung wird zusätzlich an deren Ostgrenze ein durchgängiger Radwanderweg angelegt. Dieser Weg kann ganzjährig genutzt werden, auch wenn der tiefergelegte Leinpfad überflutet wird.

    Zukünftig entstehen im Tieferlegungsbereich Auengewässer wie Buchten, Gewässerläufe, Quelltümpel etc. Diese werden wertvolle zusätzliche Lebensräume für den Fischbestand des Rheines sein. Kontrolluntersuchungen nach dem Mai-Hochwasser 1999 zeigten, dass Tümpel in den Buhnenfeldern keine Fischfallen für den größten Teil des Fischbestands sind. Die naturnähere Anbindung der Rheinzuflüsse sowie die Schaffung von kleinen Seitengerinnen führen im Bereich der Tieferlegungsfläche zu einer Verbesserung der Durchgängigkeit. Zur Zeit sind die Fischgewässer noch voneinander abgetrennt.

    Bei der Tieferlegung werden die Mündungsbereiche der Rheinzuflüsse so angepasst, dass die Durchwanderbarkeit der Gewässer für die Wasserorganismen von und zum Rhein verbessert wird.

    Die Hauptwildarten Reh und Wildschwein finden in den zukünftigen krautreichen Pappel/Weidenbeständen optimale Äsungs- und Deckungsbedingungen. Durch die Überflutungen der Standorte ist im Normalfall mit keiner größeren Gefahr zu rechnen, da entsprechende Fluchtmöglichkeiten in die überflutungsfreie Trockenaue gegeben sind. Die Strömungsgeschwindigkeiten im Tieferlegungsbereich liegen unter 1 m/s. So können beispielsweise Rehe und Wildscheine bei normalen Hochwassern auch schwimmend den Überflutungsbereich verlassen. In breiten Tieferlegungsbereichen sollen Wildrettungsinseln angelegt oder erhalten werden. Im Bereich von Seitengerinnen, Wasserflächen und Röhrichten wird im Tieferlegungsbereich zukünftig mit einer Zunahme von jagdbaren Wasservögeln, insbesondere der Stockente gerechnet. Die jagdlichen Möglichkeiten werden im Vergleich zu heute verbessert.

    Durch die Tieferlegung wird es keine höheren Grundwasseranstiege geben.

    Die Trinkwasserversorgung wird durch die Tieferlegung nicht beeinträchtigt. Die vorhandenen Trinkwasser- und Quellschutzgebiete (Zone I und Zone II) werden von der Tieferlegung ausgenommen.

    Die erforderlichen Kiestransporte werden nicht durch die Ortsdurchfahrten geleitet, auch wenn dadurch weitere Transportwege erforderlich werden. Im Bereich der Tieferlegungsflä-chen wird der Lkw-Verkehr auf die Abtragsflächen beschränkt. Der Leinpfad ist von der Befahrung ausgenommen und kann während der Abbauphase weiterhin uneingeschränkt als Fahrrad- und Wanderweg genutzt werden.

    Für den Abbau der gesamten Kiesmenge sind ca. 15 Jahre angesetzt. Der Abbau wird dabei aber nicht gleichzeitig entlang der gesamten Strecke stattfinden.

    Die Wehranlage in Märkt wird wie seither so geregelt sein, dass der Rheinwasserstand im Staubereich oberhalb des Wehres konstant gehalten wird. Bei ansteigendem Hochwasser wird wie heute mehr Wasser über das Wehr in den Restrhein weitergeleitet.

    Nein. Es sind keine neuen Regulierungsanlagen erforderlich.