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Regierungspräsidum Karlsruhe, Referat 54.1
Stabsstelle für per- und polyfluorierte Chemikalien

Trinkwasser​​

Sicherstellung der Trinkwasserqualität und Bewertungsmaßstäbe​​

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Maßn​ahmen zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität​

Region Rastatt / Baden-Baden​

Die durch die Bodenbelastung hervorgerufene Grundwasserverunreinigung mit PFC führte zu einer Beeinträchtigung von Teilen der Trinkwasserversorgung der Region Rastatt/Baden-Baden, da mehrere Trinkwasserbrunnen der öffentlichen Wasserversorgung im Bereich der sich im Grundwasser ausbreitenden PFC-Verunreinigung liegen.

Nachdem das Gesundheitsamt im Landratsamt Rastatt als für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden zuständige Trinkwasseraufsichtsbehörde im Juli 2013 über erhöhte PFC-Werte im Grund- und Trinkwasser des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal informiert wurde, veranlasste es die Überprüfung von sämtlichen Wasserversorgungen der Region. Die in einem Teilbereich des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal nachgewiesenen hohen Werte führten im Frühherbst 2013 zu einer vorübergehenden Warnung für sensible Personengruppen, das Wasser nicht mehr zum Verzehr zu verwenden. Nachdem Maßnahmen des Wasserversorgers zur Senkung der Werte wirkten, konnte die Warnung nach wenigen Wochen aufgehoben werden.

Zur Sicherstellung der öffentlichen Trinkwasserversorgung im Raum Rastatt/Baden-Baden haben die Wasserversorger in enger Abstimmung mit den unteren Wasserbehörden, dem Gesundheitsamt, der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) sowie einem externen Gutachter weitere Maßnahmen ergriffen, um nach dem Minimierungsgebot des § 6 Abs. 3 Trinkwasserverordnung die Belastung des Trinkwassers mit PFC zu verringern.

Die öffentlichen Wasserversorger haben im Rahmen ihres Verantwortungsbereiches die Untersuchung von Wasser- und Bodenproben in Auftrag gegeben und finanziert. Die Untersuchungen von Roh- und Trinkwasser erfolgen dabei gemäß § 16 Abs. 2 Trinkwasserverordnung. Hiernach haben die Unternehmer und der sonstige Inhaber einer Wasserversorgungsanlage bei bekannt gewordenen Veränderungen des Trinkwassers unverzüglich Untersuchungen zur Aufklärung der Ursache und Sofortmaßnahmen zur Abhilfe durchzuführen oder durchführen zu lassen.

Die Wasserversorger haben im Rahmen ihrer Zuständigkeit mit weiteren vielfältigen Maßnahmen reagiert, um die Belastung des Trinkwassers möglichst gering zu halten.

Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem: 

  • Grundwassermonitoring
  • Entnahmemanagement
  • Außerbetriebnahme einzelner Brunnen
  • Aufbau von Verbundlösungen (übergreifende Verbindung der Versorgungsnetze)
  • Erschließung neuer, unbelasteter Brunnen
  • Wasserreinigung in den Wasserwerken

Durch diese Maßnahmen, die teils mit hohen Investitionen durch die Wasserversorger verbunden waren und sind, konnte sichergestellt werden, dass im Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgungen der Region die geltenden Leit- und Orientierungswerte des Umweltbundesamts für die nachgewiesenen PFC-Verbindungen (siehe Bewertungsgrundlagen für PFC-Trinkwasserbelastungen) eingehalten werden.

Die im Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden in öffentlichen Wasserversorgungen aktuell gemessenen Werte liegen (sofern überhaupt nachweisbar) deutlich unterhalb dieser Leit- und gesundheitlichen Orientierungswerte bzw. häufig sogar unter dem allgemeinen Vorsorgewert, so dass davon ausgegangen werden kann, dass von diesem Trinkwasser keine gesundheitliche Gefährdung zu besorgen ist.

Die betroffenen Wasserversorger der Region führen regelmäßig Beprobungen des Trinkwassers auf PFC durch, wodurch sichergestellt ist, dass etwaige Änderungen der Belastungssituation umgehend festgestellt und gegebenenfalls notwendige Maßnahmen eingeleitet werden können.

Eigenwasserversorgungen​​​

Bei Eigenwasserversorgungen in Bühl, Hügelsheim, Iffezheim, Sinzheim, Rastatt-Niederbühl und Baden-Baden wurden teilweise erhöhte PFC-Werte nachgewiesen. Die betroffenen Eigentümer wurden darüber unterrichtet. In mehreren Fällen wurde bisher die Nutzung des Wassers untersagt, in weiteren Fällen wurden Warnungen ausgesprochen. In diesen Fällen erfolgte eine Beratung zu Aufbereitungs- bzw. Umstellungsmöglichkeiten. Zusätzlich wurde allen Eigentümern bzw. Nutzern von Privatbrunnen, bei denen eine Belastung nicht aus grundsätzlichen Erwägungen ausgeschlossen werden kann, empfohlen, ihr Wasser aus Vorsorgegründen auf PFCs untersuchen zu lassen.

Stadt Mannheim

Der Bereich der Boden- und Grundwasserbelastung mit PFC im Norden Mannheims befindet sich im Abstrom und räumlich weit entfernt von den Brunnen des Wasserwerkes Käfertal, so dass eine Gefährdung des dort entnommenen Grundwassers ausgeschlossen ist. Gleiches gilt für das südlich des Neckars gelegene Wasserwerk Rheinau. Eine Belastung des Trinkwassers der öffentlichen Wasserversorgung ist bisher in Mannheim nicht festgestellt worden. Dessen ungeachtet wird neben dem Rohwasser und dem Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgung aus den Wasserwerken Käfertal und Rheinau vorsorglich auch das Einzugsgebiet für die Wassergewinnung durch Sonderuntersuchungen im Auftrag des örtlichen Wasserversorgers regelmäßig auf PFC untersucht.​​

Bewertungsgrundlagen für PFC-Trinkwasserbelastungen​​

Für PFC sind in der Trinkwasserverordnung keine Grenzwerte festgelegt. Wird dem Gesundheitsamt bekannt, dass in einem Wasserversorgungsgebiet chemische Stoffe vorkommen, die eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit besorgen lassen und für die keine Grenzwerte festgelegt sind, legt das Gesundheitsamt gemäß § 9 Abs. 6 Trinkwasserverordnung unter Beachtung von § 6 Abs. 1 Trinkwasserverordnung fest, bis zu welchen Konzentrationen und für welchen Zeitraum die chemischen Stoffe im Trinkwasser enthalten sein dürfen. Darüber hinaus gilt das Minimierungsgebot nach § 6 Absatz 3 dieser Verordnung.

Für Trinkwasser dienen dabei als Bewertungsgrundlage die vom Umweltbundesamt nach Anhörung der Trinkwasserkommission für einzelne PFC-Vertreter jeweils festgelegten Leitwerte, gesundheitlichen Orientierungswerte, Vorsorge-Maßnahmenwerte und der allgemeine Vorsorgewert. ​

Leitwerte und gesundhe​itliche Orientierungswerte​

Bei Leitwerten handelt es sich um toxikologisch abgeleitete Werte, bis zu deren Konzentration der jeweilige Stoff nach aktuellem Wissensstand für alle Bevölkerungsgruppen lebenslang gesundheitlich duldbar ist. Für Substanzen, für die keine hinreichenden Daten für eine humantoxikologische Bewertung vorliegen, hat das Umweltbundesamt gesundheitliche Orientierungswerte abgeleitet. Sie sind unsicherer als die Leitwerte, aber dafür vorsorglich so niedrig festgelegt, dass eine Unterschreitung ebenfalls die lebenslange Duldbarkeit für alle Personengruppen bedeutet. Sind mehrere PFCs mit jeweils festgelegtem Leitwert in relevanten Konzentrationen im Trinkwasser enthalten, wird die Gesamtbelastung anhand einer Quotientensumme errechnet (Additionsregel). Bei einer Quotientensumme unter 1 wird von einem ausreichenden Schutz für alle Bevölkerungsgruppen bei lebenslanger Aufnahme ausgegangen.

Im März 2017 wurde die „Fortschreibung der vorläufigen Bewertung von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) im Trinkwasser“ des Umweltbundesamtes im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht. Für 13 PFC-Verbindungen wurden gesundheitliche Orientierungswerte (GOW) und Leitwerte angepasst bzw. festgelegt. Unter anderem wird darin der bisherige Summen-Leitwert für PFOA und PFOS auf jeweils 0,1 µg/l abgesenkt. Für einzelne kurzkettige PFC-Vertreter erlaubten die toxikologischen Studien eine Anhebung des Leitwerts. Die Fortschreibung der vorläufigen Bewertung hat auch eine Änderung bei der Anwendung der Additionsregel zur Folge. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat die betroffenen Stellen im Regierungspräsidium Karlsruhe und Landratsamt Rastatt, bei der Stadt Mannheim sowie am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen (CVUA), das die Untersuchungen auf PFC in Wasser durchführt, auf Grundlage einer Vorab-Veröffentlichung dieser Empfehlung des Umweltbundesamts über die Fortschreibung informiert und Hinweise zu deren Umsetzung im Rahmen der Trinkwasserüberwachung gegeben.

Die Fortschreibung der vorläufigen Bewertung hat nicht zu einer Änderung der Gesamtsituation bei der öffentlichen Wasserversorgung in Mittelbaden geführt. Alle PFC-Gehalte im Trinkwasser liegen weiterhin unterhalb der jeweiligen Leitwerte bzw. Gesundheitlichen Orientierungswerten. Auch der Allgemeine Vorsorgewert von 0,1 µg/l wird für alle Einzelsubstanzen unterschritten. 


Vorsorge-Maßnahmenwert: 5 µg/l​ fü​r die Summe PFOS und PFOA ​​​​

Bei Überschreitung dieses Wertes ist das Wasser, auch bei kurzfristiger Überschreitung, nicht mehr als Trinkwasser und zur Herstellung von anderen Lebensmitteln verwendbar.​​

Vorsorge-Maßnahmenwerte für sensible Gruppen (Schwangere, Säuglinge, stillende Mütter): 0,5 µg/l für die Summe PFOS und PFOA

Bei Überschreitung dieses Wertes ist das Wasser für sensible Gruppen, auch bei kurzfristiger Überschreitung, nicht mehr als Trinkwasser und für die Herstellung von Lebensmitteln verwendbar.​​

Allgemeiner Vorsorgewert: 0,1 µg/l je Einzelverbindungen

Der allgemeine Vorsorgewert wird als langfristiges Mindestqualitätsziel unter dem Aspekt des vorsorgeorientierten und generationsübergreifenden Trinkwasserschutzes verfolgt. Bei Überschreitung des allgemeinen Vorsorgewertes im Trinkwasser werden durch den Wasserversorger und das Gesundheitsamt geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der PFC-Gehalte ergriffen. Ist bei einzelnen PFC ein Leitwert in Höhe, z.B. bei PFOA und PFOS, oder unterhalb des allgemeinen Vorsorgewerts, z.B. bei Perfluornanonsäure (PFNA) festgelegt, gilt der Leitwert.

Minimierungsgebot

​Darüber hinaus gilt das Minimierungsgebot der Trinkwasserverordnung. Dieses besagt, dass „Konzentrationen von chemischen Stoffen, die das Trinkwasser verunreinigen oder seine Beschaffenheit nachteilig beeinflussen können, so niedrig gehalten werden sollen, wie dies nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik mit vertretbarem Aufwand unter Berücksichtigung von Einzelfällen möglich ist.“ ​​​

Informationsmöglichkeiten

Informationen zur Trinkwasserqualität in der Region Rastatt/Baden-Baden erhalten Sie bei Ihrem örtlich zuständigen Wasserversorger oder dem Gesundheitsamt Rastatt. Allgemeine Auskünfte zur Trinkwasserbelastung kann Ihnen auch die Stabsstelle PFC am Regierungspräsidium Karlsruhe erteilen. ​​

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​Weitere Informationen​​

  
  
  
pfc_erlass_mlr_bewertung_trinkwasser.pdfErlass des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz vom 13.01.2017: Trinkwasserüberwachung - Fortschreibung der vorläufigen PFC-Bewertung durch das Umweltbundesamt   11 KB
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