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RP Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege
  • Abteilung 8
    22.10.2019
    Ein symbolisch aufgeladener Bau: Krematorium und Friedhof in Leinfelden unter Denkmalschutz gestellt
     Außenansicht Krematorium, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, A. Dubslaff

    ​Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat kürzlich den Friedhof in Leinfelden unter Denkmalschutz gestellt. Die Aussegnungshalle mit dem Krematorium wurde 1971 bis 1973 vom renommierten Stuttgarter Architekten Max Bächer entworfen. Der bekannte Landschaftsarchitekt Hans Luz, ebenfalls aus Stuttgart kommend, zeichnete für die Friedhofsgestaltung verantwortlich.

    „Wir sind stolz darauf, einen echten ‚Bächer‘ und damit ein weiteres schützenswertes Ensemble der Nachkriegsmoderne in Leinfelden-Echterdingen zu besitzen und freuen uns über die Wertschätzung unseres Friedhofes in Leinfelden“, kommentiert die Erste Bürgermeisterin Eva Noller die Nachricht zum jungen Kulturdenkmal in der Stadt.
     
    Max Bächer, der sich bereits seit Mitte der 1960er Jahre intensiv mit der Frage der Friedhofsarchitektur auseinandersetzte, hatte zuvor in unmittelbarer räumlicher Nähe, in Leonberg, einen Friedhofsneubau ausgeführt. Viele der hier erstmals ausgeführten Elemente und Ideen entwickelte er bei dem Leinfeldener Bau weiter und konkretisierte sie. Insgesamt fünf Friedhofsanlagen stammen von Bächer, das „Bauen für die letzten Dinge“ war damit ein wichtiger Schwerpunkt in seinem architektonischen Werk. „Als Material verwendete Bächer – für die Zeit typisch – Beton! Heute besteht vielfach eine ablehnende Haltung gegenüber diesem Baustoff, aber bekanntlich kommt es ja darauf an, was man daraus macht. Und Bächer hat den Beton gekonnt ein- und eigenständig in Szene gesetzt.“, so Andreas Dubslaff vom Landesamt für Denkmalpflege, der den Bau genau untersucht hat. Das Krematorium hat außen einen wehrhaften Charakter, dominiert von fünf senkrecht aufragenden, skulptural gestalteten „Lichtkanonen“, die subtiles Licht in die Aufbahrungszellen bringen. Überlegt gewählte farbige Akzente setzte der Künstler Georg Karl Pfahler bei der Eingangstüre, bei der textilen Bespannung in der Feierhalle und sogar beim Krematoriumsofen. Die Friedhofsgestaltung von Hans Luz schließlich folgt einem schlüssigen Konzept, das die umliegenden Bereiche ebenso wie die topographische Lage berücksichtigt sowie die Gebäude miteinbezieht. Die zurückhaltende Bepflanzung unter Verwendung weniger Arten, sowie die Erschließung der Gräberfelder und die bereits bei der ersten Planung berücksichtigten Erweiterungen, verleihen der Anlage eine besondere Qualität.
     
    Beim Leinfeldener Friedhof lassen sich Entwicklungen und Tendenzen der Sepulkralkultur im Nachkriegsdeutschland anschaulich nachvollziehen, so das Urteil der Denkmalpfleger. Die gesteigerte ästhetische Qualität der Gebäude zeigt sich besonders in dem Einfügen der Baukörper in die Landschaft sowie in ihrer plastischen Gestaltung. „Die Bauten können als exemplarisch für die Zeit der 1970er Jahre gelten. Max Bächer gelang es hier einen symbolisch aufgeladenen Bau zu schaffen, dessen Nutzungskonzept auch nach 40 Jahren noch funktioniert“, so Martin Hahn, zuständiger Landeskonservator im Landesamt für Denkmalpflege. Die große Wertschätzung der Anlage in Leinfelden-Echterdingen zeigt sich auch in der sorgfältigen und bestandsgerechten Instandsetzung in den vergangen Jahren.

    Feierhalle, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, A. Dubslaff
    Abbildung 2: Feierhalle, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, A. Dubslaff

    Farbig gestalteter Krematoriumsofen, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, A. Dubslaff
    Abbildung 3: Farbig gestalteter Krematoriumsofen, Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, A. Dubslaff