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RP Tübingen, Schule und Bildung
  • Abteilung 7
    07.07.2020 | SCHULE: Die Anerkennungsstelle stellt sich vor
     Drei Lehrerinnen im Gespräch; Quelle: RP Tübingen

    ​Das Regierungspräsidium Tübingen führt für alle Schularten in ganz Baden-Württemberg die Bewertung und die Anerkennung ausländischer Lehrerdiplome – weltweit – durch. Wir sind ausschließlich für die Anerkennung von Lehrerdiplomen zuständig, für die Anerkennung anderer ausländischer Abschlüsse, wie etwa Erzieher/Erzieherin, sind wir nicht zuständig. In der Anerkennungsstelle arbeiten drei Kolleginnen, die Lehrerinnen sind.

    Die Anerkennung von Lehrerdiplomen ist für alle Staaten der Welt nötig, aber nicht innerhalb der Bundesrepublik Deutschland bei einem Wechsel des Bundeslandes.

    Die deutsche Lehramtsausbildung ist mit den zwei Phasen, in der ein wissenschaftliches Studium bis zum Master of Education und danach ein eineinhalbjähriges Referendariat zu absolvieren ist,  sehr spezifisch. Auch, dass man als Lehrer zwei Fächer studieren muss, ist im Ausland eher selten. Infolgedessen gibt es dazu in anderen Ländern kein wirkliches Äquivalent.

    Hürden bei der Anerkennung ergeben sich häufig aus einer fehlenden Berufspraxis – man muss drei Jahre nachweisen können, dabei müssen auch die Schulart und die Fächer stimmen. Und – wie oben erwähnt – sollen auch zwei Fächer studiert worden sein. Ausbildung und Praxis in „DAF“ (Deutsch als Fremdsprache) reichen nicht aus, um in Baden-Württemberg das Fach Deutsch unterrichten zu können.

    Die Kolleginnen berichten, dass manche Antragsstellerinnen und Antragsteller gar nicht als Lehrkraft arbeiten wollen, sondern nur einen Bescheid für berufliche Zwecke benötigen, also einen Titelnachweis. In solchen Fällen ist das ZAB (Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen) in Bonn die bessere Anlaufstelle, dort werden Bewertungen vorgenommen.

    Eine Anerkennung läuft wie folgt ab:

    • Wünscht eine Lehrkraft aus dem Ausland eine baden-württembergische Anerkennung ihrer Lehrerausbildung, muss sie am Regierungspräsidium Tübingen einen Antrag stellen.
    • Wenn alle geforderten Unterlagen vollständig (darunter zum Beispiel amtlich beglaubigte Übersetzungen von Zeugnissen) sind, dauert die Bearbeitungszeit ca. 12 Wochen.
    • Bei der Bearbeitung wird entschieden, ob und wie die Qualifikation einer Antragstellerin oder eines Antragstellers anerkannt werden kann. Es wird ein Bescheid erstellt, der den Antragssteller darüber informiert, was er noch nachweisen muss, um anerkannt zu werden. Dabei kann der Bescheid auf drei Arten ausfallen: vollständige Anerkennung, Teilanerkennung oder Ablehnung.
    • Mit einer vollständigen Anerkennung können sich die Lehrkräfte dann um eine Stelle bewerben, müssen dabei aber Sprachkenntnisse auf C2-Niveau nachweisen, sie müssen also Deutschkenntnisse auf dem Niveau eines Muttersprachlers vorweisen – die Anerkennungsstelle prüft die Sprachkenntnisse nicht, das wird erst bei der Bewerbung gemacht.
    • Bei einer Teilanerkennung kann man Auflagen bekommen, die erfüllt werden müssen, um noch eine Anerkennung zu erhalten – zum Beispiel kann das bedeuten, dass noch einmal die Universität besucht oder dass noch ein Anpassungslehrgang besucht werden muss, oder sogar beides.
    • Pro Jahr sind etwa 480 neue Anträge zu bearbeiten, etwa 35 vollständige Anerkennungen im Jahr spricht die Anerkennungsstelle durchschnittlich in der Zeit aus; meistens kommen die Antragsstellerinnen und Antragssteller aus Österreich oder der Schweiz. Bei den 35 vollständigen Anerkennungen sind auch die Anerkennungen inkludiert, die nach erfolgreichem Absolvieren von Ausgleichsmaßnahmen ausgesprochen werden können. Die Kolleginnen berichten, dass sie die Antragstellerinnen und Antragssteller oft über Jahre hinweg in telefonischen und persönlichen Beratungsgesprächen begleiten und sich sehr freuen, wenn dann schließlich ein Arbeitsvertrag unterzeichnet ist.


    Auf die Frage nach Ländern, bei denen die Anerkennung besonders schwierig ist, antworten die Kolleginnen, dass es insgesamt immer dann schwierig ist, wenn eine Lehramtsausbildung in einem bestimmten Land nicht vollständig abgeschlossen wurde. In Serbien beispielsweise gilt man erst dann als eine „fertig ausgebildete“ Lehrkraft, wenn man neben einem wissenschaftlichen Studium eine Praxisphase mit einer Fachprüfung abgelegt hat. Wenn eine solche Lehrkraft eine Anerkennung wünscht und diese Praxisphase nicht vorweisen kann, muss sie bei uns ein grundständiges Studium absolvieren, da ein Anerkennungsverfahren in einem solchen Falle nicht durchgeführt werden kann.
    „Solche Fälle sind besonders bitter. Uns bleibt aber nichts anderes übrig, als die angestrebte Anerkennung abzulehnen“, so die Kolleginnen.

    Von den Antragstellern wünschen sich die Kolleginnen in der Anerkennungsstelle neben Deutschkenntnissen, die auf dem C2-Sprachniveau liegen sollten, auch ein Gespür für die hiesige Mentalität. Wer bisher in seiner Heimat rein frontal unterrichtet hat, muss sich mit den viel partnerschaftlicheren Unterrichtsformen in Baden-Württemberg auseinandersetzen, wer nur ruhige und gehorsame Schüler gewohnt ist, muss sich den aktiveren Schülerinnen und Schülern hierzulande anpassen. Das Wichtigste ist, für den Traumberuf des Lehrers zu brennen, um eventuelle Hürden, die es bei der Anerkennung immer wieder einmal geben kann, zu meistern.

    Hier finden Sie weitere Informationen für Antragssteller

    Ein Erfahrungsbericht