Die neue BfC und ihre Stellvertreterin im Interview

In Zimmer N039 finden Sie die Beauftragte für Chancengleichheit, Sabine Mecke


 

Beauftragte für Chancengleichheit

Sabine Mecke Telefon:+49 7071 757 3074 bfc@rpt.bwl.de


 

Stellvertretende Beauftragte für Chancengleichheit

Swetlana BeyerReferat 47.2 Telefon: +49 7391 508-541 bfc@rpt.bwl.de

 

ROLLENBILDER ÜBERDENKEN

Ein Interview mit der neuen BEAUFTRAGTEN FÜR CHANCENGLEICHHEIT, Sabine Mecke, und ihrer Stellvertreterin Swetlana Beyer

 

Frau Mecke, Frau Beyer, wann und wie haben Sie gemerkt, dass Sie das Amt als Beauftragte für Chancengleichheit interessiert?

Mecke: Ich habe schon vor 25 Jahren bei meinem ersten Arbeitgeber, einem Tochterunternehmen eines internationalen Pharmakonzerns beobachtet, dass es unter Gleichaltrigen viel mehr Apothekerinnen als Apotheker gibt, dass diese jedoch selten eine höhere Position als das mittlere Management erreichen. Den Kolleginnen aus dem Konzern in den USA oder Großbritannien schien dies leichter zu fallen. Nach meiner Überzeugung haben diese Unterschiede daher weniger mit der Natur von Frauen und Männern zu tun, sondern lassen sich mit kulturellen und sozialpolitischen Unterschieden erklären.

Für mich ist Beruf nicht nur Lebensunterhalt, sondern Leben mit einer Art Berufung. Ich wollte und will mich beruflich engagieren und möchte, dass mein Beruf mir nicht nur Spaß macht, sondern dass meine Leistung auch Sinn macht und anerkannt wird. Ein Spruch, der mich aus früheren Führungsnachwuchsseminaren begleitet lautet „love it, change it, leave it“.

In der Landesverwaltung, für die ich „erst“ seit 5 Jahren arbeite, erlebe ich Sinn aber zu wenig Anerkennung von Leistung. Ein Aufgeben und „leave it“ kommt für mich jedoch erst in Frage, wenn alle Optionen des „change it“ ausgeschöpft sind. Insofern sehe ich das Amt der Chancengleichheitsbeauftragten als Chance, etwas für Andere und für mich zu tun, die ich gerne nutze.

 

Beyer: Ich bin als Jugendliche aus Kirgisistan nach Deutschland gekommen und habe hier ein ganz anderes Rollenverständnis von Frauen und Männern vorgefunden, als in meiner ehemaligen Heimat. Das hat dazu geführt, dass ich mich immer wieder damit auseinandergesetzt habe, wie sich Männer und Frauen selbst definieren, wie sie auftreten und welche Rechte sie für sich selbst in Anspruch nehmen. Die Rolle, die Männer und Frauen in der Gesellschaft einnehmen, ist so für mich zu einem ganz persönlichen Thema geworden. Ich möchte mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass Männer und Frauen ihr Rollenverständnis hinterfragen und erweitern.

 

Welche Erfahrungen bringen Sie für Ihr Amt mit?

Mecke: Durchaus vielfältige. Ich bin Apothekerin und habe noch einen MBA-Abschluss in internationaler Betriebswirtschaft von einer amerikanischen Universität .Vor meiner Zeit am RP Tübingen war ich 14 Jahre in der Pharmaindustrie im mittleren Management tätig, 6 Jahre in einer Projektleitungs- und Führungsaufgabe in einem Uniklinikum und ich habe  Erfahrung mit der Start-Up-Phase als selbständige Unternehmensberaterin. Privat habe ich eine Fortbildung zum systemischen Coach absolviert und mich ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge Freiburg engagiert. Meine Rolle als Mutter eines jetzt pubertierenden Sohnes ist eine der schönsten Erfahrungen, die mich jedoch am leichtesten an meine Grenzen bringt. Meine unterschiedlichen Rollen als berufstätige Frau und Mutter waren bisher sehr unterschiedlichster Natur, bescherten mir aber auch einen reichen Erfahrungsschatz, so dass ich denke, dass ich mich gut mit den verschiedenen Lebenssituationen der Kolleginnen hier am Regierungspräsidium einfühlen kann.

 

Beyer: Wie gesagt, ich stamme ursprünglich aus einem Kulturkreis, in dem Traditionen, die Frauen zum Nachteil gereichen, gar nicht in Frage gestellt werden. Umso positiver überrascht nahm ich zur Kenntnis, wie anders das in Deutschland ist. Aber dennoch fallen mir heute auch noch viele Beispiele ein, wo Männer und Frauen ihre angestammte Rolle zugewiesen wird. Noch heute arbeiten viel mehr Frauen als Männer in Teilzeit und die Chefs sind hauptsächlich Männer, um nur ein Beispiel zu nennen.  Besucht man einen Elternabend, begegnet man hier zu fast 100 Prozent nur den Müttern, weil die sich zu Hause noch immer intensiver um die Kinder kümmern. Sagen wir: Aus meiner persönlichen Geschichte heraus beobachte ich seit langem das Rollenverständnis von Männern und Frauen.

 

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Frau Mecke, Frau Beyer, welches sind Ihre Hauptanliegen?

Mecke: Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Gleichstellung nicht als Thema nur für Frauen, sondern als ein Thema angesehen wird, dass uns alle angeht und uns alle weiterbringt. Unsere Gesellschaft investiert viel in die Aus- und Fortbildung sowohl von Mädchen als auch von Jungen. Trotzdem werden wir im Berufsleben von stereotypen Rollenbildern für Mann und Frau dominiert. Diese prägen sich schon in der Kindheit fest ein und beeinflussen uns unterbewusst unser Leben lang.

Damit sich angestammte Rollenbilder zumindest hier in unserem „Lebensraum“ Regierungspräsidium weiterentwickeln, möchte ich Denkprozesse anstoßen und mit daran arbeiten, dass viele weitere Vorbilder dazukommen und der Mensch an sich die Rolle freier wählen kann, die er im Leben spielen will.

 

Beyer: Das Rollenverständnis in unserer Gesellschaft ist ein Punkt, über den wir beide uns regelmäßig austauschen. Hier möchten wir ansetzen, um Rechte und Pflichten von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft zu hinterfragen und Denkprozesse in Gang zu bringen.

 

 

Mecke: Und nicht nur das. Damit sich Bilder von Geschlechterrollen nicht nur im Kopf ändern, sondern auch Realität werden, wollen wir ganz praktisch arbeiten, z.B. Kolleginnen Wege aufzeigen, wie sie  nach der Geburt ihres Kindes wieder leichter zurück in den Beruf kommen. Wir wollen Wiedereinsteigerinnen stärker unterstützen und unsere männlichen Kollegen motivieren, nicht nur den Erziehungsurlaub in Anspruch zu nehmen, sondern selbstverständlicher einen Teilzeit- oder Telearbeitsplatz zu beanspruchen und die Familienarbeit nicht den Frauen zu überlassen.

 

 

Was bieten Sie aktuell den Kolleginnen und Kollegen an?

Mecke: Ich bin jetzt drei Wochen im Amt und bin dabei, die mir bisher nicht so gut bekannten Bereiche des Regierungspräsidiums Tübingen kennenzulernen und auch zu erfahren, wo andere Frauen konkret „der Schuh drückt“. Daher weiß ich noch nicht, was Andere außer den vorhandenen Angeboten des RP konkret noch brauchen. Insofern lautet heute noch die Antwort: Ich habe zu diesen Themen viele Informationen, jede Menge eigene Erfahrungen und die Bereitschaft und Zeit, mit jeder Kollegin und jedem Kollegen an der für den konkreten Einzelfall bestmöglichen Lösung zu arbeiten.

Wir beide haben uns schon eine kleine To-Do-Liste erarbeitet: Wir bieten an, uns in ReferatsleiterInnen-Runden vorzustellen, um die Aufgabengebiete in den Referaten und die Kolleginnen und Kollegen in den Referaten besser kennen zu lernen, wir möchten unser Informationsangebot verbessern, und Wiedereinsteigerinnen den Weg zurück in den Beruf erleichtern – beispielsweise durch Fortbildungen oder Gesprächsangebote.  Und auch das Thema „Männer in Elternzeit bringen“,  werden wir forcieren. Hier fangen wir nicht bei null an, sondern können schon auf den Ansätzen unserer Vorgängerinnen aufbauen.  Überhaupt sind wir froh, dass wir gerade in der Anfangsphase noch viele wertvolle Tipps und Unterstützungsangebote von Frau Dietz bekommen. Das erleichtert uns natürlich auch das Reinwachsen in die Arbeit.

Was wünschen Sie sich für Ihre neue Tätigkeit?

  Mecke und Beyer: Dass die Leitung des Regierungspräsidiums uns weiter unterstützt und dass wir alle gemeinsam in die gleiche Richtung arbeiten, um uns dem herausfordernden Ziel von Chancengleichheit in unserer Gesellschaft zu nähern.

Und wir wünschen uns viel Offenheit und Mut von allen Kolleginnen und Kollegen, uns einfach anzusprechen. Gerade in der Anfangsphase unserer Tätigkeit ist dies für uns besonders wichtig. Nur so können wir die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kolleginnen und Kollegen an uns gut kennen lernen.

 

Wie können Kolleginnen und Kollegen Sie ansprechen?

 

Mecke: Mein Büro ist im Nordflügel im Erdgeschoß nahe der Treppe, der Außentür und der Raucherecke. Es kann sein, dass Sie mich dort nicht antreffen, z. B. wenn ich in Gesprächen und Besprechungen unterwegs bin oder auch mal von zuhause aus arbeite. Ich bitte daher Kolleginnen und Kollegen, mich einfach anzurufen oder eine Mail zu schreiben. Ich komme selbstverständlich gerne auch in alle Außenstellen und bin nicht an irgendwelche festen Zeiten gebunden!

 

Beyer: Einmal im Monat bin ich in Tübingen, um gemeinsam mit Frau Mecke Anfragen oder Aufgaben zu besprechen. Ansonsten kann man mich jederzeit anrufen oder anmailen, um einen Gesprächstermin mit mir zu vereinbaren.

 

 

 

Das Interview führte Silvia Langer, K-Stelle.