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Regierungspräsidum Karlsruhe, Referat 54.1
Stabsstelle für per- und polyfluorierte Chemikalien

Gesundheit​​​​​​

Wie gelangen PFC-Verbindungen in den Körper?

Die Aufnahme erfolgt überwiegend oral durch PFC-verunreinigtes Trinkwasser oder den Verzehr verunreinigter Lebensmittel. Auch können PFC-Verbindungen in geringerem Maße über die Haut oder die Atemwege in den Körper gelangen, z.B. durch belastete Innenraumlauft oder PFC-haltiger Beschichtungen von Textilien.

Nach oraler Aufnahme gelangen die PFC-Verbindungen vom Magen-Darm-Trakt ins Blut und können sich von dort in inneren Organen wie Leber, Niere und Lunge sowie in der Muttermilch anlagern. Auch in Plazentagewebe wurden PFC-Verbindungen nachgewiesen, was auf eine fetale Übertragung hindeutet.

Im Unterschied zu den kurzkettigen PFC-Verbindungen (u.a. PFBA, PFPeA und PFHxA) werden die langkettigen Verbindungen PFOS und PFOA nur langsam über die Nieren ausgeschieden und haben somit eine lange Verweildauer im menschlichen Körper (Halbwertszeit PFOS ca. fünf Jahre; PFOA zwei bis vier Jahre).

Was weiß man über die Wirkung von PFC auf den menschlichen Körper?


Die vielen verschiedenen PFC-Verbindungen weisen auch unterschiedliche human- und ökotoxikologische Eigenschaften auf. In Tierversuchen erwiesen sich die bekanntesten PFC-Vertreter PFOS und PFOA nach kurzzeitiger Belastung über die Nahrung, die Luft und die Haut als mäßig toxisch. In Langzeitstudien mit Ratten und Mäusen konnten beide Chemikalien jedoch die Entstehung von Leberkrebs und anderen Tumoren (UBA 2019) fördern.

Inwieweit PFC für Menschen gesundheitsschädlich sind, kann aufgrund der Verschiedenartigkeit der PFC-Verbindungen wissenschaftlich noch nicht abschließend beantwortet werden. Verschiedene Studien deuten jedoch auf einen Zusammenhang von PFC-Belastungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Menschen hin. Für PFOS und PFOA wurden Humanbiomonitoring-Werte zur Beurteilung der Konzentration in einem Körpermedium (z.B. Blutplasma) festgelegt. Dabei bezieht man sich auf Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Konzentration eines Stoffes (und seiner Metabolite) in menschlichen Körperflüssigkeiten und dem Auftreten unerwünschter Wirkungen nachweisen.

Der HBM-I-Wert entspricht der Konzentration, bei deren Unterschreitung nach aktuellem Stand der Bewertung nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist und sich somit kein Handlungsbedarf ergibt.

In Bezug auf PFC gelten für die Unterverbindungen PFOA und PFOS folgende HBM-I-Werte:

  • 2 ng PFOA / ml Blutplasma (entspricht 2 µg PFOA / Liter Blutplasma)
  • 5 ng PFOS / ml Blutplasma (entspricht 5 µg PFOS / Liter Blutplasma)  

Der HBM-II-Wert entspricht der Konzentration eines Stoffes in einem Körpermedium, bei deren Überschreitung eine für die Betroffenen als relevant anzusehende gesundheitliche Beeinträchtigung möglich ist, so dass akuter Handlungsbedarf zur Reduktion der Belastung besteht und eine umweltmedizinische Betreuung/Beratung zu veranlassen ist. Einen solchen HBM-II-Wert für PFOA und PFOS gab es bislang nicht, das UBA hat jedoch im März 2020 im Bundesgesundheitsblatt folgende Werte veröffentlicht:

Für Frauen im gebärfähigen Alter

  • 5 ng PFOA / ml Blutplasma (entspricht 5 µg PFOA / Liter Blutplasma)
  • 10 ng PFOS / ml Blutplasma (entspricht 10 µg PFOA / Liter Blutplasma)

Für alle übrigen Bevölkerungsgruppen

  • 10 ng PFOA / ml Blutplasma (entspricht 10 µg PFOA / Liter Blutplasma)
  • 20 ng PFOS / ml Blutplasma (entspricht 20 µg PFOA / Liter Blutplasma)

​Was bedeutet eine Überschreitung von HBM II-Werten bei PFOA und PFOS?

„Bei einer Überschreitung des HBM II-Wertes für PFOA oder PFOS sollte zunächst eine Kontrollmessung vorgenommen werden. Zusätzlich wird empfohlen, mögliche Expositionsquellen der Betroffenen für PFOA zu erfassen und gegebenenfalls konsequent zu reduzieren. Diese umfassen neben einer beruflichen PFC-Exposition nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem die Aufnahme von Trinkwasser oder Nahrungsmitteln mit erhöhten PFOA- oder PFOS-Konzentrationen (z.B. Fisch aus kontaminierten Gewässern). Die HBM-Kommission sieht derzeit keinen Anlass, bei Überschreitungen des HBM-II-Wertes ohne Vorliegen weiterer Risikofaktoren oder Vorerkrankungen die Bestimmung klinisch-chemischer Messgrößen zu empfehlen. Versuche, die Ausscheidung der Verbindungen PFOA oder PFOS zu beschleunigen, sollten aufgrund fehlender geeigneter Methoden und mangels medizinischer Begründung unterbleiben.“ (Quelle: HBM-Kommission, 2020)

Weitere Informationen

​Blutkontrolluntersuchungen im​​ Landkreis Rastatt

Um zu überprüfen, ob Personen im Raum Rastatt/Baden-Baden aufgrund der dortigen PFC-Verunreinigungen in Boden und Grundwasser vermehrt PFC aufgenommen haben, hat das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg im März 2017 das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg mit der Durchführung einer umfangreiche Blutkontrolluntersuchung beauftragt. Im Kern der Untersuchungen steht die Frage, wie hoch die Zusatzbelastungen in der betroffenen Region sind, und ob die getroffenen Maßnahmen zu einem Rückgang der Belastung führen. Dazu wurde im Frühjahr 2018 zufällig ausgewählten erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohnern kostenfrei eine Blutuntersuchung angeboten. Die Blutuntersuchungen wurden von einem erfahrenen unabhängigen Labor durchgeführt.

An der Blutkontrolluntersuchung 2018 haben insgesamt 348 Personen aus drei verschiedenen Gruppen teilgenommen:

  • Gruppe A) Teilnehmer aus Orten mit einer früheren Exposition über das Trinkwasser,
  • Gruppe B) Teilnehmer aus Orten mit Exposition über Belastungen im Boden und Grundwasser, ohne Exposition über Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung
  • Gruppe C) Teilnehmer aus Orten ohne zusätzliche PFC-Belastung im Boden oder Trinkwasser. 

Die PFOA-Konzentrationen im Blut zeigten eine deutliche Abhängigkeit von der untersuchten Gruppe: Der Median der PFOA-Werte in Gruppe A war mit 15,6 Mikrogramm/Liter etwa 13 Mikrogramm/Liter höher als der Median in Gruppe B. Dieser lag nach Ausschluss eventuell über Trinkwasser am Arbeitsplatz exponierter Untersuchungs-teilnehmer bei 2,3 Mikrogramm/Liter. Die Differenz der Mediane zwischen Gruppe B und Gruppe C betrug etwa 0,6 Mikrogramm/Liter. Der niedrigste Median wurde in der Gruppe C beobachtet (1,7 Mikrogramm/Liter).

Das heißt, die höheren PFOA-Konzentrationen im Blut traten vor allem bei den Untersuchungsteilnehmern auf, die über das Trinkwasser exponiert waren. Bei den Konzentrationen von Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) im Blut war dagegen kein Zusammenhang mit der Belastung über Trinkwasser festzustellen. Die höchsten PFOS-Konzentrationen im Blut wurden in der Gruppe C beobachtet. Eine erneute Blutkontrolluntersuchung in 2020 und 2023 soll darüber Aufschluss geben, wie sich die Belastung im Verlauf entwickelt. ​

Weitere Information​en

Doktorhand entnimmt in einem Labor ein Blutprobengefäß von einem Gestell, Copyright: angellodeco - stock.adobe.com