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Projekt des Hochwasserschutzes und der Ökologie im Bereich der Donau am Regierungspräsidium Tübingen
Gewässer, Quelle: Regierungspräsidium Tübingen

Integriertes Donau-Programm (IDP)

Integriertes Donau-Programm - Überblick und Ziele

Das IDP ist das Konzept zur Erhaltung und Weiterentwicklung des Natur- und Lebensraumes an der baden-württembergischen Donau im Einklang mit den Erfordernissen des Hochwasserschutzes.

Hervortretende wasserwirtschaftliche und ökologische Probleme und das Jahrhunderthochwasser von 1990 führten zu einem Umdenken. In Zusammenarbeit mit Fachbehörden, Gemeinden und Fachleuten vor Ort wurde das IDP von den Regierungspräsidien Tübingen (Federführung) und Freiburg entwickelt und vom Ministerrat des Landes Baden-Württemberg im Januar 1992 beschlossen.

Das IDP ist ein lebendiges Programm: es lebt von den Ideen aller Beteiligter und von den fortschreitenden technischen Möglichkeiten.

Das IDP ist ein integratives Programm: es bündelt und konkretisiert die rechtlichen Vorgaben der EU, des Bundes und des Landes und setzt sie fachlich abgestimmt und nachhaltig um.



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Lebensraum Donau​

Das IDP hat Maßstäbe gesetzt

Nach Begradigungen und Ausbaumaßnahmen ist die frühere Flusslandschaft im Donautal größtenteils verschwunden. Zahlreiche Staubereiche und Querbauwerke schränken den Lebensraum und die Wanderungsmöglichkeiten der Fische und anderer Wassertiere ein.

Hier setzen die derzeit 68 Maßnahmen zur Gewässerstruktur und 55 Maßnahmen zur Durchgängigkeit an: der Lebensraum in und an der Donau soll wieder hergestellt werden. Ein Teil der Maßnahmen ist bereits verwirklicht.

Erstes Ziel ist, den guten ökologischen Zustand gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 zu erreichen. Mit den IDP-Maßnahmen sind wir für die erforderliche Anpassung an die EU-Wasserrahmenrichtlinie bestens gerüstet.​​​

Bild: L​uftaufnahme des Blochinger Sandwinkel​

Hochwasserschutzstrategie

Das IDP hat Maßstäbe gesetzt

Bereits in den Jahren 1997-2002 wurde für die gesamte baden-württembergische Donau auf Grundlage einer Laserbefliegung eine Risikoanalyse erarbeitet.

Technischer Hochwasserschutz

Die Risikoanalyse bildete die Basis für das Gesamtkonzept für den Hochwasserschutz an der baden-württembergischen Donau. Es enthält 69 technische Maßnahmen in 23 Gemeinden. Ziel ist ein 100-jährlicher Hochwasserschutz für die Ortslagen. Ein Großteil der Maßnahmen ist bereits realisiert oder in Vorbereitung.

Flächenmanagement

Weiteres Ergebnis der Risikoanalyse sind die Pegelbezogenen Hochwassergefahrenkarten und die Hochwassersteckbriefe, Wegbereiter der landesweiten Hochwassergefahrenkarten. Zusammen mit den ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten bilden sie die Grundlage für die Flächenvorsorge im Hochwasserschutz.

Hochwasservorsorge

Die im Jahr 2004 gegründete Hochwasserpartnerschaft Donau bringt Ober- und Unterlieger zusammen. Sie bildet ein Netzwerk zum Erfahrungsaustausch und zur Vorbereitung auf das Hochwasser.

Der Hochwasseraktionsplan Donau fasst alle Maßnahmen im Hochwasserschutz an der Donau zusammen. Mit diesen Bausteinen sind wir für die erforderliche Anpassung an die EU – Hochwassermanagementrichtlinie bestens gerüstet.​​​

Hochwasser-Partnerschaft Donau

Die Hochwasserpartnerschaft ist Teil der Hochwasservorsorge. Sie umfasst an der Donau entlang alle 40 Städte und Gemeinden, die Landratsämter Schwarzwald-Baar-Kreis, Tuttlingen, Sigmaringen, Biberach, Alb-Donau-Kreis und den Stadtkreis Ulm, die Regierungspräsidien Freiburg und Tübingen und die WBW-Fortbildungsgesellschaft (Geschäftsführung).

Es geht darum, dass sich die zahlreichen Akteure gezielt auf das Hochwasser vorbereiten und im Ernstfall als Partner reibungslos zusammen arbeiten. Dazu ist ein regelmäßiger, in der Regel jährlicher Erfahrungsaustausch notwendig. Derzeitiger Schwerpunkt ist die Überarbeitung der kommunalen Alarm- und Einsatzpläne in regionalen Arbeitsgruppen zur Vorbereitung auf die Einführung von FLIWAS (Flut Informations- und Warnsystem).).

Ein neuer Schwerpunkt werden die Hochwassergefahrenkarten werden, die ab 2011 zur Verfügung stehen.

Renaturierung

Natura 2000

Das Europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000 soll die biologische Vielfalt in der Europäischen Union langfristig erhalten. Die FFH-Richtlinie (Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt, Habitat = Lebensraum) bildet ein Netz von natürlichen und naturnahen Lebensräumen und besonderer Vorkommen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. EU-Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie bilden zusammen das Europäische Schutzgebietsverbundsystem NATURA 2000.

NATURA 2000 umfasst die gesamte baden-württembergische Donau, da sie insgesamt als FFH-Gebiet gemeldet ist. Zusätzlich schützt die EU-Vogelschutzrichtlinie die beiden Durchbruchstrecken oberhalb von Sigmaringen-Laiz und zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen.

Bild: Altwasser bei Ehingen

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL)

Die EU-WRRL fordert den guten ökologischen Zustand in allen Gewässern bis zum Jahr 2015. Die Defizite insbesondere in der Gewässerstruktur, aber auch bei der biologischen Durchgängigkeit, müssen in kurzer Zeit abgebaut werden. Die dazu erforderlichen Maßnahmen werden derzeit in Maßnahmenprogrammen zusammengestellt.

Die EU-WRRL startete im Dezember 2000. Das schon 1991 begonnene IDP hat dieselben Ziele und unterstützt die EU-WRRL maßgeblich. Deshalb sind wir hier schon vor der EU-WRRL ein gutes Stück des Weges zum guten ökologischen Zustand der Donau gegangen.

Verbesserung der Struktur

Struktur im landläufigen Sinn zielt auf das Aussehen, die Oberfläche, den Aufbau eines Gegenstandes. Der Begriff „Gewässerstruktur“ definiert sich durch neun Elemente, von denen fünf direkt das Gewässer mit Ufer und vier die angrenzende Aue beschreiben. Das Gewässerbett gliedert sich in Linienführung, Uferverbau, Querbauwerke, Bauwerke zur Regulierung des Abflusses und Uferbewuchs. Die Aue wird durch Hochwasserschutzbauwerke, die Möglichkeit des Ausuferns, die Nutzung und den Zustand der Uferstreifen außerhalb des unmittelbaren Uferbewuchses beschrieben.

Bild: Reich strukturierter Abschnitt eines Nebenarmes bei Sigmaringen

Detaillierte Geländeaufnahmen führen schließlich zur Vergabe von Strukturklassen, die wie die Gewässergüteklassen in einer 7-teiligen Skala dargestellt werden:

Strukturklasse Natürlichkeit Farbe in der Karte​
1 unverändert dunkelblau​
2 verändert hellblau​
3 mäßig verändert grün
4 deutlich verändert hellgrün​
5 stark verändert gelb
6 sehr stark verändert orange
7 vollständig rot

Fasst man diese Ergebnisse ganz grob zusammen, fließt die Donau zu 65 Prozent naturfern, zu 25 Prozent durch den Menschen beeinträchtigt und 10 Prozent weitgehend naturnah. Die naturnahen Teile finden wir in den Ursprungstälern unterhalb von Tuttlingen bis Thiergarten und unterhalb von Riedlingen bis Obermarchtal.

Verbesserung der Durchgängigkeit

Viele Fische müssen im Laufe ihres Lebens wandern. Bekannte Beispiele sind der Lachs und der Aal, diese sind in der Donau allerdings nicht heimisch.

Auch in der Donau gibt es „Wanderfische“, die in ihrem Lebenszyklus allerdings nicht das Schwarze Meer aufsuchen, sondern kürzere Strecken schwimmen. Beispiele sind der Huchen oder Donaulachs und die Nase, die im Verlauf ihres Lebenszyklus Ortswechsel vornehmen müssen, da sie zwischen den Kieselsteinen im schwach überströmten und sauerstoffreichen Wasser aus den Eiern schlüpfen, aber ihren Lebensraum als erwachsene Fische oftmals viele Kilometer entfernt in tiefen Gumpen finden.

Bild: Wasserkraft mit Fischpass und Bootsrutsche

Zwischen Sigmaringen und Ulm gab es im letzten Jahrhundert noch 36 so genannte Wanderungshindernisse, vorwiegend an Wasserkraftanlagen, aber auch an landeseigenen Wehren. Im Rahmen des IDP wurden seither 12 dieser Hindernisse so umgebaut, dass sie für Fische und am Gewässergrund lebende Kleintiere überwindbar sind. 13 solcher Anlagen befinden sich im Verfahren zum Umbau, für die restlichen 11 müssen noch Lösungen gefunden werden. Der Aktionsplan zur Durchgängigkeit der baden-württembergischen Donau sowie die WRRL geben einen detaillierten Einblick in die Materie.