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Regierungspräsidum Karlsruhe, Referat 54.1
Stabsstelle für per- und polyfluorierte Chemikalien

Überblick zur PFC-Problematik in Mittel- und Nordbaden

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​Wie wurde die PFC Bela​stung im Raum Rastatt/Baden-Baden und Mannheim festgestellt?

Im Sommer 2013 wurde bei einer Routinebeprobung eines Trinkwasserbrunnens der Trinkwasserversorgung im Landkreis Rastatt eine Belastung mit poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC) festgestellt. Bei den weiteren Nachforschungen wurden im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden sowie in Mannheim durch PFCs verunreinigte, landwirtschaftlich genutzte Böden und eine dadurch verursachte Verunreinigung des Grundwassers mit PFCs vorgefunden. ​

​Was ist die mutmaßliche Urs​ache der Belastung?

Im Rahmen der Ursachenforschung wurde ermittelt, dass der PFC-Eintrag nach derzeitigem Kenntnisstand flächenhaft im Rahmen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung erfolgte. Aufgrund des Ausmaßes und des Verteilungsmusters der belasteten Flächen kann für die maßgebliche Belastung ein Eintrag über Einzelereignisse (Unfälle, Schadensfälle, Einsatz von Löschschaum etc.) oder über den Luftpfad (Deposition, Flugbenzin, Verwehung von Löschmitteln etc.) ausgeschlossen werden. Für die überwiegende Mehrzahl der belasteten Flächen liegen konkrete Erkenntnisse vor, dass mit Papierschlämmen versetzter Kompost aufgebracht wurde. Untersuchungsflächen, auf die mit hinreichender Sicherheit kein solcher Kompostauftrag erfolgte (Referenzflächen) waren regelmäßig unbelastet. Die PFCs bzw. Vorläufersubstanzen, die sich in PFCs umwandelten, sind aller Wahrscheinlichkeit nach über zugemischte Papierschlämme in den Kompost und damit auf die Böden gelangt. ​

​Was wurde gegen die PFC Belastung unternom​​men?

Trinkw​asser

Die seit dem Bekanntwerden der Belastung umgesetzten Maßnahmen haben das Ziel, die Bevölkerung vor einer gesundheitsschädlichen Belastung mit PFC zu schützen. Das Gesundheitsamt Rastatt veranlasste nach Bekanntwerden der Belastung die Überprüfung von sämtlichen öffentlichen Wasserversorgungen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden. Die im Bereich des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal gefundenen Werte führten im Frühherbst 2013 zu einer vorübergehenden Warnung für sensible Personengruppen. Nachdem der Wasserversorger Maßnahmen zur Senkung der Werte ergriffen hatte, konnte die Warnung nach einigen Wochen aufgehoben werden. Die öffentlichen Wasserversorger haben im Rahmen ihrer Zuständigkeit mit vielfältigen Maßnahmen (u.a. Grundwassermonitoring, Entnahmemanagement und z.T. Außerbetriebnahme einzelner Brunnen, Aufbau von Verbundlösungen) auf die Situation reagiert. Durch diese Maßnahmen wurde sichergestellt, dass die für Trinkwasser geltenden Werte eingehalten werden und die Trinkwassersicherheit gewährleistet ist. Seitdem werden die öffentlichen Wasserversorgungen regelmäßig auf PFCs untersucht.

Bei Eigenwasserversorgungen wurden in Bühl, Hügelsheim, Iffezheim, Sinzheim, Rastatt-Niederbühl und Baden-Baden teilweise erhöhte PFC-Werte nachgewiesen. Die betroffenen Eigentümer wurden darüber unterrichtet. In mehreren Fällen wurde die Nutzung des Wassers untersagt, in weiteren Fällen wurden Warnungen ausgesprochen. In diesen Fällen erfolgte eine Beratung zu Aufbereitungs- bzw. Umstellungsmöglichkeiten. Zusätzlich wurde allen Eigentümern bzw. Nutzern von Privatbrunnen, bei denen eine Belastung nicht aus grundsätzlichen Erwägungen ausgeschlossen werden kann, empfohlen, ihr Wasser aus Vorsorgegründen auf PFCs untersuchen zu lassen.

Bo​den

Seit Bekanntwerden der ersten Bodenverunreinigungen werden großflächig Bodenuntersuchungen durchgeführt, um weitere belastete Flächen zu identifizieren. Zudem wurde durch die Stadt Baden-Baden und den Landkreis Rastatt bereits im Dezember 2014 ein Ingenieurbüro beauftragt, um vorgezogen mögliche Sanierungsoptionen zu prüfen und eine Bewertung der Situation mit Blick auf besondere Schutzbereiche (z.B. Wasserversorgungsanlagen, Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete) durchzuführen. Entsprechend den Vorgaben des Bundesbodenschutzgesetzes haben das Landratsamt Rastatt und die Stadt Baden-Baden Anordnungen zur Durchführung von Detailuntersuchungen nach der Bundesbodenschutzverordnung gegenüber dem mutmaßlichen Störer erlassen.

Lebensmittel/Landwirtschaft

Die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden führen fortlaufend amtliche Lebensmittelproben durch, bei denen auch auf PFC beprobt wird. Zusätzlich führt die Landwirtschaftsverwaltung vorgeschaltet zur Lebensmittelkontrolle im Rahmen des Projektes „PFC-belastete Flächen in Nordbaden – Lösungen für den Anbau von landwirtschaftlichen Kulturen und zur vorbeugenden Verbrauchersicherheit“ seit 2015 ein Vorernte-Monitoring (VEM) durch, wobei Pflanzen auf belasteten Flächen rechtzeitig vor der Ernte untersucht und die Ergebnisse den Betrieben mitgeteilt werden. Diese erhalten somit Aufschluss über die PFC-Werte in ihren Pflanzen und können über die Vermarktungsfähigkeit entscheiden.
Durch diese Maßnahmen kann sichergestellt werden, dass keine über den zulässigen Belastungswerten liegenden Produkte in den Verkauf kommen. ​​​

PFC - Grundwasser- und Bodenbelastungen - Bereich Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden

Karte PFC -Grundwasser- und Bodenbelastungen- Ber. Lkrs. Rastatt und Stadtkrs. Baden-Baden (größere Darstellung, neues Fenster)